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[Die Industrie der Steine + Erden]






Integrierte Management-Systeme (IMS)

Wie führt man sie ein - Was bringen sie?

Zementwerk Die Spenner Zement GmbH & Co. KG, ein mittelständisches Familienunternehmen aus Ost-Westfalen, hat sich im Jahr 2001 entschlossen, im Rahmen der Umstellung ihres bestehenden Qualitätsmanagement-Systems nach DIN EN ISO 9001 auf die Revision 2000 auch die Belange des Umweltschutzes und des Arbeitsschutzes stärker zu betrachten und in einem gemeinsamen Integrierten Management-System (IMS), zusammenzuführen. Dabei hat Spenner Zement bewusst den Weg der Integration gewählt, um System-Redundanzen zu vermeiden und bestehende Regelungen, die für alle Systeme gelten (z. B. Regelungen zu internen Audits, Dokumentenlenkung, Politik etc.), entsprechend angepasst weiter zu nutzen.

Basis für den Aufbau des IMS, der mit Unterstützung durch die concada GmbH erfolgte, waren die Normen DIN EN ISO 9001:2000 und 14001:1996 sowie die Orientierung an der Spezifikation OHSAS 18001.
Der Aufbau des Integrierten Management-Systems bei Spenner Zement wurde seitens der concada GmbH und des Unternehmens als mehrphasiges Projekt (Konzeptphase, Realisierungsphase) angelegt. Ziel der Konzeptphase war, einen abgestimmten Zeit-Maßnahmen-Plan (Abb. 2) für die Struktur und die Einführung des Integrierten Management-Systems vorzulegen, der dann mit überschaubaren Ressourcen und realistischen Vorstellungen über Aufwand und Zeitbedarf in der Realisierungsphase gemeinsam mit concada umgesetzt werden konnte.

Modell des IMS für Spenner Zement   Abb. 1: Modell des IMS für Spenner Zement

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Zeit-Maßnahmen-Plan zum Projektverlauf bei Spenner Zement   Abb. 2: Zeit-Maßnahmen-Plan zum Projektverlauf bei Spenner Zement

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Ziele

Der Aufbau des Integrierten Management-Systems bei Spenner Zement verfolgte drei Hauptzielrichtungen:
  • Umstellung des Qualitätsmanagement-Systems von der Norm DIN EN ISO 9001:1994 auf die neue Norm DIN EN ISO 9001:2000
  • Integration des Umweltschutzes und des Arbeitsschutzes in das bestehende Management-System
  • Zertifizierung des Umweltmanagement-Systems als deutliches Bekenntnis zum Umweltschutz sowie als Signal an die Genehmigungsbehörden und die Öffentlichkeit

Insbesondere mit der Integration des Umwelt- und Arbeitsschutzes in das bestehende Management-System wurden weitere Teilziele verfolgt. So ging es neben einer stärker systematischen Herangehensweise an die Themen Umweltschutz und Arbeitsschutz auch darum, für das Unternehmen eine grundlegend rechtssichere Basis zu legen. Darüber hinaus sollte durch die Einbindung der Mitarbeiter in den Aufbau des Systems von Anfang an ein unternehmensweites Bewusstsein für Umwelt- und Arbeitsschutz geschaffen werden.

Dabei war es für Spenner Zement immer wichtig, ein "schlankes" System zu entwickeln, bei dem die verschiedenen Managementbereiche auf einen Satz möglichst einheitlicher Regelungen zurückgreifen und lediglich systemspezifische Komponenten gesondert betrachtet werden.



Konzeptphase

Die Konzeptphase wurde in drei Arbeitsschritten bearbeitet.

Schritt 1: Bestandsaufnahme
Zunächst wurden die Informationen zur bestehenden Aufbau- und Ablauforganisation im betrieblichen Arbeits- und Umweltschutz und dem Qualitätsmanagement mit ihren Schnittstellen erfasst. Dies geschah durch Betriebsbegehungen, durch Einsicht in vorhandene Unterlagen und Gespräche mit den verantwortlichen Mitarbeitern aus Stab und Linie.

Auf diese Weise wurde die dokumentierte und "gelebte" Organisation erfasst. Die Erfahrungen der Mitarbeiter und bereits identifiziertes Verbesserungspotenzial konnten berücksichtigt werden.

Schritt 2: Analyse
Bei der Analyse wurde geprüft, inwieweit die bei Spenner Zement praktizierte Vorgehensweise zur Erfüllung interner und externer Anforderungen geeignet ist. Forderungen, vorgefundene Situation, Verbesserungspotenzial und Handlungsbedarf wurden systematisch für die ausgewählten Untersuchungsbereiche erfasst, wobei bei der Analyse des betrieblichen Arbeits- und Umweltschutzes immer folgende Fragen im Vordergrund standen:
Werden Rechtsvorschriften einschließlich der Auflagen und Nebenbestimmungen aus Genehmigungen eingehalten?
Werden Aufzeichnungen geführt, um die Einhaltung nachvollziehbar darstellen zu können?
Ist die Organisation geeignet, im Fall eines nicht bestimmungsgemäßen Betriebs den möglichen Vorwurf des Organisationsverschuldens erfolgreich abzuwenden?
Welche Anforderungen sind zusätzlich zu erfüllen, um ein nach ISO 14001 zertifizierbares Umweltmanagement-System aufzubauen?
Welche Anforderungen ergeben sich für ein Arbeitsschutzmanagement-System?
Daneben wurden die Schnittstellen zum QM-System analysiert, um ihre Einbindung in das Gesamtkonzept sicherzustellen. Das QM-System selbst wurde in Form eines sogenannten "Delta-Audits" bezüglich der durch die Revision 2000 der DIN EN ISO 9001 hinzu gekommenen Forderungen geprüft.

Schritt 3: Konzepterstellung
Auf Grundlage der erhobenen und analysierten Informationen entstand das Konzept zum Integrierten Management-System bei Spenner Zement. Es erläutert die Struktur des zukünftigen IMS und zeigt die Möglichkeiten zu seiner Umsetzung auf. Dabei wurde einem prozessorientierten Ansatz der Vorzug gegeben. Ein prozessorientiertes Management-System bietet den Vorteil einer optimalen Empfängerorientierung und ist um weitere Regelungsbereiche (z. B. Anlagensicherheit) erweiterbar. Im Konzept wird dargestellt, welche Prozesse vom IMS erfasst werden müssen und wie diese auf der bereits vorhandenen Basis dokumentiert werden können. Weiterhin wird dargelegt, wie Struktur, Inhalte und Wirkungsweise des Systems den Mitarbeitern deutlich gemacht werden können, um seine Anwendung sicherzustellen. Die erarbeiteten Vorschläge wurden im Projektteam abgestimmt und als Bericht der Geschäftsleitung vorgestellt.


Radlader im Steinbruch
Radlader im Steinbruch




Realisierungsphase

Die Umsetzung des Konzeptes im Rahmen der Realisierungsphase zum Jahreswechsel 2001/2002 verfolgte zwei wesentliche Ziele:

  • Erarbeitung des ISO 9001:2000-konformen Prozessmodels (siehe Abb. 3) mit den relevanten Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozessen bei Spenner Zement
  • Integration der Forderungen des Umwelt- und Arbeitsschutzes in das bestehende Management-System


Prozessmodell für Spenner Zement   Abb. 3: Prozessmodell für Spenner Zement

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Das letztlich entwickelte Prozessmodell für Spenner Zement gibt einen schnellen und fundierten Überblick über die Wechselwirkung der Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse im Unternehmen. Dabei hat sich gezeigt, dass durch eine prozessorientierte Sichtweise für Unternehmensführung, Mitarbeiter und Kunden die Transparenz der Prozesse gesteigert und die Zusammenarbeit verbessert werden kann.

So lag es nahe, die Forderungen des Umwelt- und Arbeitsschutzes ebenfalls aus einer prozessorientierten Sichtweise im Detail zu analysieren. Zunächst waren die Umwelt- und Arbeitsschutzaspekte zu ermitteln und zu bewerten, um daraus die jeweilige Politik in Form von Leitlinien und die entsprechenden Ziele und Programme abzuleiten. Diese wurden dann durch die betroffenen Mitarbeiter in entsprechende operative Maßnahmen umgesetzt.

Die vom Projektteam gewählte Vorgehensweise ist in den nächsten Abbildungen exemplarisch für die Gewinnung von Kalkstein als einen Kernprozess der Zementherstellung dargestellt.

Die Gewinnung von Kalkstein als Rohstoff für die Zementherstellung wurde als ein Kernprozess identifiziert (Abb. 4). Dieser Kernprozess lässt sich seinerseits wiederum in verschiedene Teilprozesse zerlegen, die dann hinsichtlich der Qualitäts-, Umwelt- und Arbeitsschutzaspekte analysiert wurden. Jedem Teilprozess konnten zunächst ohne jede Wertung entsprechende Arbeitsschutz- und Umweltaspekte zugeordnet werden (Abb. 5). Die ermittelten Aspekte wurden dann bewertet. Die Unternehmensstrategie wurde entsprechend den Erkenntnissen aus der Ermittlung und Bewertung der Aspekte angepasst und im Bedarfsfall mit operativen Maßnahmen untersetzt. Die Abbildung 6 zeigt exemplarisch für den Teilprozess 4 "Transport", wie dabei vorgegangen wurde.

Alle Prozesse bei Spenner Zement wurden mittels dieser Methodik untersucht. So wurde eine umfassende Zustandsbeschreibung erreicht als auch ein ausführlicher Maßnahmenkatalog abgeleitet, mit dessen Hilfe der Kontinuierliche Verbesserungs-Prozess (KVP) des IMS angestoßen werden konnte.


Analyse des Kernprozesses Gewinnung von Kalkstein   Abb. 4: Analyse des Kernprozesses Gewinnung von Kalkstein

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Ermittlung der Arbeitsschutz- und Umweltaspekte für den Kernprozess Gewinnung von Kalkstein   Abb. 5: Ermittlung der Arbeitsschutz- und Umweltaspekte für den Kernprozess Gewinnung von Kalkstein

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Festlegung von Maßnahmen zur Umsetzung der Arbeits- und Umweltschutzaspekte am Beispiel des Teilprozesses Transportieren   Abb. 6: Festlegung von Maßnahmen zur Umsetzung der Arbeits- und Umweltschutzaspekte am Beispiel des Teilprozesses Transportieren

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Erste Erfahrungen und Ausblick


Nach etwa einem halben Jahr Systemlaufzeit überwiegen bei Spenner Zement nach eigenen Angaben die positiven Erfahrungen. Insbesondere die erhoffte Wirkung nach außen zu Kunden, Behörden und in die Nachbarschaft ist tatsächlich eingetreten. Nach einer ersten Bilanz durch den Management-Beauftragten bei Spenner Zement lassen sich folgende Effekte durch das Integrierte Management-System beobachten:
  • Rechtliche Defizite werden systematisch erkannt und korrigiert.
  • Die Anzahl rechtlich offener Fragestellungen im Unternehmen verringert sich kontinuierlich.
  • Die Genehmigungssituation wird intern ständig überprüft und im Bedarfsfall angepasst.
  • Die Beauftragten werden bei der Beurteilung anstehender Projekte einbezogen.
  • Die Behörden würdigen das IMS als sehr positiven Schritt bei der Zusammenarbeit in Umwelt- und Genehmigungsfragen.
  • Die Kundenresonanz ist eindeutig positiv.
  • Es wurden viele Projekte zu Qualität, Umweltschutz und Arbeitssicherheit angestoßen.
  • Der Einkauf berücksichtigt stärker die Umweltschutz- und Arbeitssicherheitsaspekte.
  • Anzahl und Menge der Gefahrstoffe werden reduziert.
  • Wissen und Bewusstsein bzgl. der Gefahrstoffe ist gewachsen.
  • Alle Mitarbeiter sind stärker sensibilisiert im Umgang mit Gefahrstoffen.
  • Der Arbeitsschutz wird zunehmend auch im persönlichen Arbeitsumfeld der Mitarbeiter als ernstzunehmendes Thema wahrgenommen.
  • Die Mitarbeiter erhalten organisatorische und operative Hilfestellungen bei der Erfüllung der Arbeitsschutzvorschriften (z.B. Gürteletui für Schutzbrille).


Natürlich verursacht die Systempflege zum Zeitpunkt des Systemstarts deutlichen Mehraufwand. Dieser Aufwand wird bei guter Systempflege jedoch zunehmend geringer und von den Vorteilen, insbesondere im Hinblick auf die erzielte Rechtssicherheit des Unternehmens, mehr als aufgewogen.

Dr. Stefan Löbus,
Dipl.-Biol. Andreas Schiemionek


Zementdrehofen mit Wärmetauscher
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