www.steine-und-erden.net > 2003 > Ausgabe 5/03 > Sicher arbeiten in Silos - Ein Seminarangebot der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

[Die Industrie der Steine + Erden]






Sicher arbeiten in Silos - Ein Seminarangebot der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

In der Baustoffindustrie sind Silos unverzichtbare Bestandteile der Aufbereitungs- und Produktionsanlagen. Sie werden für die Lagerung von Schüttgütern sowie als Puffer in Materialströmen benötigt. Silos sind ortsfeste oder transportable Einrichtungen zur Lagerung von Schüttgut, die von oben befüllt und zur Seite oder nach unten entleert werden. Zu den Silos zählen offene und geschlossene Hochsilos ebenso wie Haldenlager mit Unterflurabzug in Naturstein- und Kiesbetrieben, Sternsilos in Transportbetonanlagen, Doseure in Asphaltmischanlagen oder Baustellensilos zu Lagerung von Trockenmörtel oder Putzen.
Während des Betriebes von Silos treten immer wieder Probleme auf, die einerseits durch das Verhalten des Schüttgutes im Silo und andererseits durch Verschleiß und Störungen an technischen Einrichtungen des Silos verursacht werden. Derartige Probleme können oft nur behoben werden, indem Beschäftigte in Silos einsteigen.



Das Unfallgeschehen

Obwohl im Vergleich zu anderen Arbeitsprozessen in der Baustoffindustrie Arbeiten in Silos nicht all zu oft notwendig werden, kommt es bei diesen Tätigkeiten doch häufig zu schweren Unfällen. Die Aufteilung der Unfallursachen nach Arbeitsprozessen verdeutlicht, dass sich mehr als ein Drittel dieser Unfälle im Zusammenhang mit Arbeiten in den Silos sowie der Beseitigung von Verstopfungen und Störungen des Materialflusses ereignen. Wegen der erheblichen Risiken sind diese Unfälle oft mit schweren Verletzungsfolgen oder tödlichem Ausgang verbunden.
Häufige Ursachen für Unfälle bei Arbeiten in Silos sind:
  • die Nichtbeachtung von Gefahren (z.B. herabfallendes, einziehendes, einbrechendes Silogut, Absturz, erhöhte elektrische Gefährdung usw.),
  • fehlende oder mangelhafte Vorbereitung, Organisation und Absprache (z.B. Einsteigen statt Einfahren; Alleinarbeit; fehlende, nicht geeignete oder nicht benutzte Absturzsicherungen oder Einfahreinrichtungen usw.)
  • mangelhafte Kenntnis der Vorschriften und der sich daraus ergebenden Regelungen.
Vor dem Hintergrund dieses Unfallgeschehens zählen Arbeiten in Silos zu "gefährlichen Arbeiten". Um für das Thema zu sensibilisieren, führte die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft unter Beteiligung von Industrievertretern jetzt ein eintägiges Seminar "Sicheres Arbeiten in Silos" durch.



Der Seminarinhalt

Unter Berücksichtigung der in der Praxis aufgeworfenen Probleme und der aktuellen Rechtslage ergaben sich folgende Schwerpunkte:
  • o Welche Kriterien sind bereits bei der Projektierung zu berücksichtigen, um Störungen des Materialflusses im Silo zu vermeiden?
  • o Welche technischen Maßnahmen können nachträglich realisiert werden, um den Materialfluss und damit das Störungsverhalten positiv zu beeinflussen?
  • o Gibt es Alternativen, um verstopfte Silos zu reinigen - ohne dass Arbeitnehmer in das Silo einsteigen müssen?
  • o Welche Gefährdungen sind beim Einsteigen und bei Arbeiten in Silos möglich?
  • o Welche Maßnahmen muss der Unternehmer ergreifen und welche Regeln müssen die Versicherten beachten, damit in Silos sicher gearbeitet wird?
  • o Welche Ausrüstung gibt es für das Einsteigen bzw. Einfahren in Silos und wie muss damit umgegangen werden?
  • Zielgruppe des Seminars ist das technische Führungs- und Instandhaltungspersonal der Steine-, Erden- und Baustoffindustrie.

Zielgruppe des Seminars ist das technische Führungs- und Instandhaltungspersonal der Steine-, Erden- und Baustoffindustrie.


Vortrag
Seminar "Sicher arbeiten in Silos"




Das Pilotseminar


Am 14. Mai 2003 fand in Röhrsdorf bei Chemnitz das Pilotseminar statt, an dem insgesamt 22 Instandhaltungsmeister, Werkleiter und Führungskräfte aus allen Branchen der Steine-, Erden- und Baustoffindustrie teilnahmen.
Prof. Tomas von der TU Magdeburg gab einen Einblick über die Zusammenhänge zwischen Schüttguteigenschaften, Fließverhalten und Fließstörungen. Dabei hob er hervor, dass die genaue Ermittlung der Schüttguteigenschaften und eine daraus abgeleitete Auslegung der Siloparameter Grundvoraussetzungen sind, um ein Silo später störungsfrei betreiben zu können. Ein Mehraufwand in der Projektierungsphase rechtfertigt sich durch später vermiedene Mehrkosten zur Beseitigung von Lagerungsproblemen im Silo.
Die Firma Martin Engineering GmbH - vertreten durch Herrn Marx - stellte Austragshilfen und ein Reinigungsgerät für die Beseitigung von Anbackungen und Verstopfungen in Silos vor. Für die Beseitigung der Anbackungen und Verstopfungen mit diesem Gerät ist es nicht mehr erforderlich, in das Silo einzusteigen. Die vorgestellte Technologie konnte mit Referenzen auch aus Betrieben der Steine und Erden-Industrie aufwarten. Die praktische Vorführung des Gerätes verdeutlichte die Anwendbarkeit dieser Technologie für viele Silobetreiber.
Ist das Einsteigen von Personen in das Silo unvermeidlich, so muss der Unternehmer Festlegungen zum sicheren Einsteigen bzw. Einfahren und für Arbeiten in Silos treffen. Grundlage dafür bildet das Ergebnis der Gefährdungsanalyse.
Der Unternehmer muss auf der Basis der Gefährdungsanalyse die geeigneten technischen Voraussetzungen, z. B. Einrichtungen zum Einsteigen und Einfahren in Silos, Arbeitsmittel, Sicherungs- und Schutzausrüstung für das sichere Arbeiten in Silos, schaffen.
Gegebenfalls müssen Arbeiten in Silos auch unter engen räumlichen Verhältnissen ausgeführt werden oder sind mit erhöhter elektrischer Gefährdung sowie gesundheitsschädlichen Expositionen verbunden. Maßnahmen zur Reduzierung oder Vermeidung derartiger Gefährdungen wurden im Verlauf des Seminars aufgezeigt und diskutiert.
Der Unternehmer ist weiterhin dafür verantwortlich, die Arbeitsabläufe, die Abstimmung der beteiligten Arbeitnehmer, die Prüfung der verwendeten Sicherheitseinrichtungen und Arbeitsmittel und andere besondere Vorsorge- und Sicherungsmaßnahmen zu organisieren. Diese sind in schriftlichen
Betriebsanweisungen und in Befahrerlaubnisscheinen festzulegen.
Eine in diesem Zusammenhang immer wieder aufgeworfene Frage ist die nach der benötigten Ausrüstung für das Einsteigen und Einfahren in Silos. Zu diesem Zweck führte die Firma Bornack den Aufbau und die Funktion eines Siloeinfahrgerätes sowie der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz und zur Rettung abgestürzter Personen vor.
In der Diskussion wurde deutlich, dass eine gute Ausrüstung erst dann nützlich ist, wenn die Beschäftigten damit umgehen können und persönliche Absturzsicherungen richtig anlegen. Daher ist es nicht ausreichend, dass die Beschäftigten nur über das sicherheitsgerechte Arbeiten in Silos unterwiesen werden. Mit ihnen muss auch der Umgang mit der Ausrüstung für das Arbeiten in Silos trainiert werden.



Die Resonanz

Am Ende des Veranstaltungstages waren sich die Teilnehmer einig, dass das Seminar ihnen eine Fülle von Informationen zum möglichst störungsfreien und sicheren Betrieb von Silos geliefert hat. Die Gewährleistung der Arbeitssicherheit beim Umgang mit Silos beginnt bereits in der Planungsphase von Silos. Aus den konkreten Schüttguteigenschaften müssen die Parameter der Silogestaltung so abgeleitet werden, dass ein störungsarmer Betrieb sichergestellt werden kann. Treten dennoch Störungen auf, so bestehen Möglichkeiten zu deren Beseitigung ohne die Notwendigkeit des Einfahrens oder -steigens. Klar wurde auch, dass es in manchen Unternehmen Veränderungen in der bisherigen Vorgehensweise bei Arbeiten in Silos geben muss. Dazu sind die materiellen Voraussetzungen zu schaffen, organisatorische Festlegungen zu treffen und das Personal zu schulen.
Aufgrund der positiven Resonanz auf das Pilot-Seminar sind weitere Seminare geplant. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den für Sie zuständigen Technischen Aufsichtbeamten oder an Ihre Sektion.

Dr. Ing. Bernd Schneider, StBG,
Dipl.-Ing. Jürgen Pester, StBG


  Gerät der Firma Martin Engineering GmbH zur Beseitigung von Anbackungen   PSA gegen Absturz der Firma Bornack    
  Gerät der Firma Martin Engineering GmbH zur Beseitigung von Anbackungen   PSA gegen Absturz der Firma Bornack  






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