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Liebherr-Großhydraulikbagger R 984 C Litronic:

2.500 Tonnen Weißjura-Kalk pro Schicht gewonnen

Viele Gewinnungsbetriebe stehen heute vor dem Problem, dass Umweltschutzrichtlinien das in der Vergangenheit praktizierte Sprengen in ihren Steinbrüchen entweder verhindern oder nur unter Einhaltung strenger Auflagen ermöglichen. Dies trifft auch auf das Kalksteinwerk Schleith GmbH in Eigeltingen zu, das sich auf den südlichen Ausläufern der Schwäbischen Alb, in rund 15 km Entfernung vom Bodensee Weißjura-Kalk abbaut. Dabei beträgt die Tagesproduktion beträgt bis zu 2.500 Tonnen Rohmaterial, welches in erster Linie als Schotter für den Straßenbau verwendet wird. Darüber hinaus werden hier auch Natursteine für den Wasser- und Landschaftsbau gewonnen.


Großhydraulikbagger seit Jahrzehnten bewährt

Da ein wirtschaftlicher Sprengbetrieb unter Einhaltung aller gebotener Auflagen nicht möglich ist, wurde für das Lösen und Verladen des in Schichtstärken von 10 bis 80 cm vorhandenen Gesteins bis Mitte 1995 ein 160 t schwerer Liebherr-Großhydraulikbagger R 991 mit Tieflöffelausrüstung eingesetzt. Das Material wurde direkt abgebaut und verladen. Durch das Lösen mittels Löffel war der Knäpperanteil sehr hoch, zum Zerkleinern musste häufig die Fallkugel eingesetzt werden. Um noch wirtschaftlicher Abbauen und Laden zu können, wurde schon damals in enger Zusammenarbeit zwischen den Firmen Schleith und Liebherr eine Abbautechnik gefunden, die es ermöglicht, den Reißvorgang zu verbessern und anschließend das Material zu verladen. Als Resultat kam ab 1995 ein über 100 t schwerer Großhydraulikbagger R 984 B Litronic zum Einsatz, der - als erste Maschine dieser Gewichtsklasse - mit einem hydraulischen Schnellwechsler ausgestattet war. Diese Lösung erlaubte es, das Gerät sowohl mit Aufreißzahn als auch mit Tieflöffel einzusetzen. Dadurch konnte die bisherige Abbautechnik wesentlich verbessert werden, der Knäpperanteil wurde deutlich reduziert. Nach einer Einsatzzeit von sieben Jahren und 11.000 Betriebsstunden ohne nennenswerte Störungen entschloss sich das Unternehmen Schleith nun, dieses bewährte Gerät durch einen moderneren Hydraulikbagger der neuesten Generation zu ersetzen. Mit den guten Erfahrungen der Vergangenheit fiel der Entschluss nicht schwer, aus der aktuellen Baureihe das Nachfolgemodell R 984 C Litronic anzuschaffen.


Der neue R 984 C Litronic bietet noch mehr Schlagkraft

Mit dem neuen R 984 C Litronic setzt Liebherr in dieser Geräteklasse Maßstäbe. Das 116 t schwere Gerät wird von einem emissionsoptimierten, doppelturboaufgeladenen Cummins-Dieselmotor mit Direkteinspritzung angetrieben. Dieser Motor erfüllt die aktuellen sowie die für die Zukunft absehbaren Abgasvorschriften. 504 kW / 685 PS sorgen für hohe Reiß- und Losbrechkräfte bei hoher Arbeitsgeschwindigkeit und für überzeugende Dauerleistung im Langzeitbetrieb.
Der R 984 C Litronic ist mit einem 7,80 m langen Monoblock, einem 3,40 m Löffelstiel und einer hydraulisch betätigten Liebherr-Schnellwechsel-Einrichtung SW 105 ausgerüstet.
Je nach Bedarf wird ein 5,2 m fassender Tieflöffel in HD-Ausführung oder ein Liebherr-Aufreißzahn angebaut. Die Reiß- und Losbrechkräfte der Tieflöffelausrüstung betragen 416 kN bzw. 550 kN, die am Reißzahn 427 kN bzw. 565 kN. Der kurzfristige Wechsel vom Aufreißzahn zum Tieflöffel erfolgt in wenigen Sekunden mit der Schnellwechsel-Einrichtung, die durch einfachen Knopfdruck in der Kabine betätigt wird. Die breite, schalenförmige Aufnahme für die Arbeitswerkzeuge am Schnellwechsler ist äußerst robust ausgelegt.
Ob beim Reißen der Gesteinsschichten, beim Beladen der Muldenkipper oder Aussortieren der Knäpper und deren Zerkleinerung mittels Fallkugel - der R 984 C Litronic zeichnet sich in allen Einsatzlagen durch eine hervorragende Standfestigkeit aus. Dafür sorgt eine tiefe Schwerpunktlage und die große Aufstandsfläche des robusten Unterwagens.
Schutzabdeckungen vor den Hubzylindern, sowie Panzerglas in der Frontscheibe der Kabine gewährleisten die notwendige Sicherheit für den Fahrer und das Gerät bei diesem harten Einsatz. Der HD-Tieflöffel ist innen mit Verschleißleisten versehen, die zusätzlich der Fallkugel eine sichere Führung geben.


Wirtschaftliche Vorteile durch den Direktabbau

Die Wand wird in Abbauhöhen von ca. 4 m unterteilt und bietet damit ideale Voraussetzungen für das Eindringverhalten von Tieflöffel und Reißzahn und damit für die optimale Umsetzung der hohen Reiß- und Losbrechkräfte.
Das Material wird zunächst mit dem Aufreißzahn gelöst. Kurz vor dem Eintreffen des Muldenkippers wird das Arbeitswerkzeug gewechselt. Der Muldenkipper mit einer Nutzlast von 40 t wird dann mit 5 Löffelfüllungen in durchschnittlich zwei Minuten beladen. Nach dem Beladen des Muldenkippers erfolgt der Wechsel vom Tieflöffel auf den Aufreißzahn innerhalb von etwa 10 Sekunden. Anschließend werden die Gesteinsschichten wieder durch vertikales Reißen gelöst. Ober den Reißabstand bestimmt der Fahrer die Korngröße und kann so auch Natursteine in bedarfsgerechten Dimensionen gewinnen.
Durch diese Abbautechnik mit Liebherr-Technologie konnte die Schleith GmbH den ungeplanten Knäpper- und Feinkornanteil auf ein Minimum reduzieren. Der Einsatz der Fallkugel findet nur noch gelegentlich statt. Sprengungen sind nur noch etwa 10 Mal pro Jahr für das Entfernen des Übergangs zwischen Wand- und Sohlenfuß erforderlich.



Bagger
Der R 984 C Litronic zeichnet sich durch eine
hervorragende Standfestigkeit aus


Schaufel
Schnellwechsel-Einrichtung
SW 105






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