www.steine-und-erden.net > 2003 > Ausgabe 5/03 > Vorbildliche Lösung: Arbeitssicherheit im Fertigteilwerk

[Die Industrie der Steine + Erden]






Vorbildliche Lösung: Arbeitssicherheit im Fertigteilwerk

Trotz intensiver Bemühung der Berufsgenossenschaften den Stand der Sicherheitstechnik in Beton- und Fertigteilwerken auf einen annähernd gleichen Stand zu bringen, ist dies bis heute noch nicht überall zufriedenstellend gelungen. Dies liegt zum einen daran, dass nach wie vor viele Altanlagen in Betrieb sind, wo teilweise die räumliche Anordnung als auch die Konzeption der Anlage eine optimale Absicherung der Anlage gar nicht erst möglich macht. Zum anderen zeigt sich jedoch auch, dass die sicherheitstechnische Ausstattung von Neuanlagen bei verschiedenen Anlagenbauern durchaus unterschiedlich gewichtet wird. Der Käufer einer solchen Anlage hat in diesem Fall nur die Möglichkeit, gemeinsam mit der zuständigen Berufsgenossenschaft, soweit möglich, entsprechende Sicherheitseinrichtungen nachzurüsten. Die ist häufig nur mit erheblichen Mehraufwendungen verbunden und führt in der Praxis auch immer wieder zu Missverständnissen zwischen Anlagenlieferant, Kunde und Berufsgenossenschaft.
Wie solche Missverständnisse vermieden werden können, soll exemplarisch am Bau der neuen Fertigungsanlage für ein Beton-Fertigteilwerk in Neubrandenburg gezeigt werden.
Das Konzept dieser Anlage ist eine Anlage, bei der Arbeits- und Logistikebene getrennt voneinander angeordnet sind. Dies führt in einem hohen Maß zu Palettenbewegungen nicht nur in horizontaler Richtung, sondern auch in vertikaler. Es stellte sich natürlich sehr schnell die Frage, wie bei vertikalen Bewegungen einer Fertigungspalette von der Logistikebene auf die Arbeitsebene, die Mitarbeiter vor Unfällen geschützt werden können. Die Firma Vollert, die bei diesem Projekt für die gesamte innerbetriebliche Logistik verantwortlich war, setzte hier ein neu entwickeltes Hubgeländer ein, welches bedienergesteuert nach oben und unten fahren kann. Dies bedeutet, dass eine Vertikalbewegung der Fertigungspalette nur bei nach oben gefahrenem Geländer möglich ist. Nachdem die Palette positioniert und fixiert wurde, kann der Mitarbeiter dann in Totmannbetrieb das Geländer nach unten fahren. Nach erfolgter Arbeit an der jeweiligen Fertigungspalette muss der Mitarbeiter zunächst das Geländer wieder nach oben fahren, bevor die Fertigungspalette wieder automatisch abgeholt und weitertransportiert werden kann.
Dieses Problem ist eines von vielen, welches beim Bau einer solchen Anlage im Vorfeld geklärt werden muss. Es empfiehlt sich daher, schon während der Planungsphase den Kontakt zur zuständigen Berufsgenossenschaft zu suchen und gemeinsam mit deren Experten schon im Vorfeld geeignete Lösungen zu suchen. Dies erspart allen Beteiligten Zeit bei der Abnahme der Anlage und Geld, weil keine teuren, nicht geplanten Lösungen, suboptimal nachgerüstet werden müssen.
Hinsichtlich der Absicherung müssen Handarbeitsplätze und Automatikbereiche unterschieden werden.
Bei Handarbeitsplätzen darf die Anlage nur per Drucktaster ohne Selbsthaltung bedient werden. Die Bedienstelle ist so anzuordnen, dass sowohl Bedienelemente als auch der Arbeitsbereich komplett im Sichtfeld des Bedieners liegen. Hierbei gilt grundsätzlich Holprinzip vor Bringprinzip! Die Transportgeschwindigkeiten im Bereich von Handarbeitsplätzen dürfen maximal bei 0,5 m/s liegen.
Automatikbereiche werden generell vor unbefugtem Zutritt geschützt. Hierfür wurden folgende Maßnahmen getroffen:
1) Abzäunung mit sicherheitstechnisch verriegelten Zugangstüren
2) Lichtschranken bzw. Lichtgitter
Im Falle Neubrandenburg wurden alle Automatikbereiche mit Zäunen versehen, welche ein Eintreten in diese Bereiche verhindert. Bei Palettendurchgängen wurden die Zäune so angeordnet, dass ein Mitarbeiter in keinem Fall zufällig in den Automatikbereich gelangen kann. Dies wurde an allen Durchgängen durch eine Aussparung des Lichtraumprofils und Anbringen eines horizontalen Zaunstückes zur Verhinderung des Durchsteigens realisiert.
Beim Einsatz von optischen Sicherheitseinrichtungen wurden die Sicherheitsabstände so definiert, dass die Reaktionszeit bis zum Anlagenstillstand kleiner ist, als die Zeit die von einer Arbeitskraft benötigt wird, um in den unmittelbaren Gefahrenbereichen zu gelangen.Zugangstüren zu Sicherheitsbereichen wurden über Schlüsselschalter so verriegelt, dass ein unkontrolliertes Wiederzuschalten des Automatikbetriebs nicht möglich ist.
Trotz aller dieser sicherheitstechnischen Maßnahmen ist eine gründliche Einweisung des Bedienpersonals unumgänglich. Auch muss diese Einweisung regelmäßig wiederholt werden, um Arbeitsunfälle soweit wie möglich zu vermeiden. Neue Mitarbeiter müssen ebenfalls vor Arbeitsbeginn gründlich eingewiesen und belehrt werden.


Automatikbereiche
Alle Automatikbereiche wurden
eingezäunt


Palettendurchgänge
Auch an Palettendurchgängen wurde
ein Durchsteigen in den Automatikbereich verhindert


Fertigungspalette
Eine Vertikalbewegung der Fertigungspalette ist nur
bei nach oben gefahrenem Geländer möglich






Inhaltsverzeichnis Ausgabe 5/03 | Zurück zu unserer Homepage