www.steine-und-erden.net > 2002 > Ausgabe 5/02 > Weltgrößte Lithografie entstand in Solnhofen

[Die Industrie der Steine + Erden]






Weltgrößte Lithografie entstand in Solnhofen

"Es ist keine Kunst, aber es ist ein großes Kunstwerk". Mit diesen Worten hat der Künstler Mario Derra die von ihm geschaffene weltgrößte Lithographie im August in Solnhofen bezeichnet.
Zur Geschichte: Vor rund 200 Jahren hat der Theaterschriftsteller Alois Senefelder zufällig die Technik des Steindruckes erfunden. Als Druckstock eignete sich nur ein Naturstein von maximaler Reinheit und bester Feinkörnigkeit.
Dieser Stein wird weltweit nur in Solnhofen vorgefunden. Fast 100 Jahre war die Lithographie als Druck für die darstellende Kunst von großer Bedeutung. Erst der Offsetdruck Anfang des 20. Jahrhundert hatte diese Technik abgelöst und sie geriet in Vergessenheit.
Dass Solnhofen heute noch eine große Bedeutung für die Steinindustrie besitzt, zeigen die in diesem Bereich ansässigen Gewinnungsbetriebe, die den Solnhofener Plattenkalk in alle Welt als Bodenbeläge exportieren.
Leicht vorstellbar ist, dass wegen der großen Masse des Steines die Größe der Lithographien begrenzt ist. Druckvorlagen aus dem Solnhofener Gestein mit den Maßen 110 x 140 cm waren schon eine Seltenheit und wogen mehr als eine halbe Tonne. Die Steindruckpresse, die hierfür benötigt wurde, hatte ein Gewicht von 20 Tonnen.
Warum muss der Stein immer zum Drucker bzw. zum Künstler gebracht werden? Warum kann denn der beweglichere Künstler bzw. Drucker nicht zum Stein wandern?
Dieses Vorhaben wurde in die Tat umgesetzt und im Solnhofener Bereich unter den skeptischen Augen der vielen Steinbrecher vor Ort ein geeigneter Stein gesucht. 11,20 Meter Länge und 1,25 Meter Breite bzw. Höhe sollten die Maße für den Weltrekord dieser Lithographie sein. Im Steinbruch Siebenbuchenplatz bei Solnhofen wurde der richtige Stein gefunden. Mit einer Terrazzomaschine wurde die entsprechende Fläche vorgeschliffen und die Lithographie anschließend direkt auf den Boden des Steinbruchs gezeichnet.
Schnell hatte das Vorhaben, durch Mario Derra inszeniert, eine Vielzahl von Problemen erkennen lassen. Das Vorhaben ist der Witterung schutzlos ausgesetzt. Wer glaubt, dass Stein und Gebirge eine statische Materie sind, dem konnte der Künstler erzählen, welche Eigendynamik der Steinbruchboden entwickelte. Durch Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschiede zwischen Tag und Nacht war es äußerst schwierig, den ebenen Druckstock ohne Verschiebung der einzelnen Polygonplatten zu erhalten.
Letztendlich gelang es dank der Fertigkeiten des Gernsheimer Künstlers Mario Derra, mittels der beigeschafften 1 1/2 Tonnen schweren mobilen Steindruckpresse, liebevoll als "Urvogel" bezeichnet, das Motiv "Massentourismus an den 12 Aposteln" abzubilden.
An zwei Drucktagen wurden insgesamt zwölf Exemplare dieses einzigartigen Druckes hergestellt. Es sind Unikate, denn jeder dieser Drucke unterscheidet sich in vielen künstlerischen Feinheiten. Dieses künstlerische Werk war Mitte August bei den internationalen "print affairs" im Hamburger Museum der Arbeit zu sehen und soll später im Mainzer Gutenberg-Museum sowie im städtischen Museum Worms und in den Museen von Lorsch und Groß-Gerau gezeigt werden.
Nicht "nur" ein großes Kunstwerk, sondern auch eine Einzigartigkeit auf der ganzen Welt zu sein, zeichnet dieses Vorhaben aus. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktion und das entstandene Kunstwerk die Region um Solnhofen noch bekannter machen und wirtschaftliche Impulse hierdurch initiiert werden.

Die Farbe für den Druck wird aufgetragen Der Künstler zeichnet das Motiv auf den Stein
Die Farbe für
den Druck
wird aufgetragen
Der Künstler
zeichnet das
Motiv auf den Stein


Die fertige Lithografie
Die fertige Lithografie
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Dipl.-Ing. Ulrich Kretschmer, StBG




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