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[Die Industrie der Steine + Erden]






Strom spart Kohle

Bitumen findet seine Anwendung in verschiedenen Baubereichen. Vor allem aber bei der Erstellung und Erhaltung von Asphaltstraßen. Damit die
Mineralstoffe als Straßenbelag einen wirksamen Verbund bilden können, muss das als Bindemittel eingesetzte Bitumen eine entsprechende Temperatur aufweisen und deshalb erhitzt werden. Der Großteil der bisher installierten Bindemittelanlagen in Europa sind mit Thermalölheizanlagen ausgestattet.
Zur Beheizung des Thermalölerhitzers stehen fossile Energieträger wie Öl, Erdgas oder Flüssiggas zur Verfügung. Erst die Verteuerung dieser Brennstoffe in der letzten Zeit und die Öffnung des Strommarktes rückten Alternativen wie die Elektrobeheizung auch in das Blickfeld von Asphalt-Mischanlagenbetreibern. Benninghoven, Mülheim/Mosel, hat bereits frühzeitig damit begonnen, ihre Bindemitteltankanlagen konstruktiv so zu verändern, dass sie nunmehr auch für die Elektrobeheizung wirtschaftlich interessant werden.
Ein Bitumentank ist ein Behälter mit einer sehr großen Oberfläche, die entsprechend Wärme abstrahlt. Hochwirksame und mehrlagig verlegte Isoliermaterialien mit Schichtstärke zwischen 200 mm bis 300 mm und eine Ummantelung aus Alublech oder Edelstahl verringern dies wirkungsvoll. Zur Optimierung der Isolierung wurden die Wärmebrücken stark reduziert. Auf Abstandhalter zur Befestigung des Isoliermantels wurde verzichtet. Auch auf Aufstiegsleitern mit den energieabführenden Wärmebrücken nach außen konnte verzichtet werden; durch konstruktive Änderungen, die eine Begehbarkeit des Tanks überflüssig gemacht haben. Damit der Flächenkontakt mit dem Fundament vermieden wird, steht der Behälter auf vier einzelnen Füßen und nicht auf einer Standzarge. Zusätzlich ist der Behälter mit einer Bodenheizung zum Ausgleich der möglichen Wärmeverluste versehen. Zum Ausgleich von Untertemperatur im Tank, die vor allem durch zu kalte Bindemittelanlieferung entsteht, wird weitere Energie benötigt. Diese Aufgabe übernimmt die Hauptheizung mit einer Leistung von 25 kW in Form eines tauchsiederähnlichen Wärmestabeinsatzes, der unten im Tank angeordnet ist.
Neben den Bitumentanks sind Bitumenleitungen, Förderpumpen, Ventile, Verwiegungen usw. gegen Temperaturverluste zu schützen und zu beheizen. Bei fachgerechter Isolierung (Stärke mindestens 80 - 100 mm) und Blechummantelung kann von einer Verlustleistung von ca. 60 W/lfm Bitumenleitung ausgegangen werden.
Installiert wird in der Regel eine Elektrobegleitheizung, ausgelegt auf ca. 80 - 100 W/lfm, die mit eigener Thermostatregelung eine Überhitzung der Rohrleitungen ausschließt. Konstruktiv kann der Wärmeverlust in Grenzen gehalten werden, wenn die Länge der Leitungswege so weit wie möglich reduziert wird. Vorzugsweise sollte ein Einstrangsystem zur Bitumenwaage zum Einsatz kommen. Temperaturfühler in den Füll-Leitungen dienen dem Ausschluss von Bindemittelbelieferung mit Untertemperatur. Die Energiekosten für die elektrobeheizten Behälter sind durch zwischengeschaltete Stromzähler einfach zu erfassen. Durch Zeitschaltuhren ist sicherzustellen, dass ausschließlich der Billigtarif des Nachtstroms genutzt wird. Zählt man zu den Stromkosten die Abschreibungskosten hinzu, schlägt eine elektrobeheizte Bindemittelanlage bei einer durchschnittlich angenommenen Mischgutherstellung von 100.000 Tonnen mit rund 12.200 DM pro Jahr zu Buche. Die Kosten für die Beheizung der Bindemittelanlage mittels Thermoölerhitzer liegen weit darüber: entsprechend der Modellvergleichsrechnung bei rund 38.800 DM pro Jahr, kommen doch hier, neben den Stromkosten und der Abschreibung, Kosten für Heiz- und Thermalöl aber auch für die Wartung hinzu.
Neben der Tatsache, dass die elektrobeheizten Tankanlagen praktisch ohne Wartungsaufwand zu betreiben sind und eine saubere, leicht regelbare Beheizung darstellen, sind sie auch in Bezug auf Umweltaspekte von Vorteil. Das Handling mit Öl ist immer risikobehaftet, bedarf zusätzlich der Abnahme durch den TÜV und wird mit Kaminauflagen belegt.
Die Vorteile der Elektrobeheizung von Bindemittelanlagen sind durchaus deutlich. Der wirtschaftliche Aspekt und die wartungsfrei Betriebssicherheit rechtfertigt nicht nur die Entscheidung zu Gunsten der Elektrotanks bei Neuinvestitionen sondern auch der Austausch von thermalölbeheizten Systemen an bestehenden Anlagen.



Stationäre Mischanlage von Benninghoven
Stationäre Mischanlage von
Benninghoven. Die Bindemitteltanks
können auf Elektroheizung umgerüstet werden.






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