www.steine-und-erden.net > 2001 > Ausgabe 5/01 > Neue Ausbildung der Sicherheitsfachkräfte: Ein Gewinn für alle Beteiligten

[Die Industrie der Steine + Erden]






Neue Ausbildung der Sicherheitsfachkräfte: Ein Gewinn für alle Beteiligten

Seit 1974 bildet die Steinbruchs-BG Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFa) aus. Während dieser mehr als 25 Jahren hat sich in der Baustoff-Industrie ein grundlegender Wandel ergeben. Automatisierte Anlagen und komplexe Fertigungsverfahren stellen neue und hohe Anforderungen an den Arbeitsschutz. Die Ausbildung der SiFas wurde deshalb grundlegend überarbeitet. Die neue Ausbildung qualifiziert die zukünftigen Sicherheitsfachkräfte optimal für ihre anspruchsvollen Aufgaben. Der Nutzen für die Unternehmen der Baustoff-Industrie geht über den Arbeitsschutz hinaus.



Welche Aufgaben hat die Sicherheitsfachkraft?

Für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit ist grundsätzlich der Unternehmer verantwortlich. Um der Verantwortung und der Vielfalt der Aufgaben im Arbeitsschutz gerecht zu werden, brauchen der Unternehmer und die mitverantwortlichen Führungskräfte aber Unterstützung durch qualifizierte Berater wie den Betriebsarzt und die SiFa. Dabei kommt der Sicherheitsfachkraft eine Schlüsselposition zu.
Die SiFa unterstützt die für Sicherheit und Gesundheitsschutz verantwortlichen Personen im Unternehmen bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung im Arbeitsschutz. Dazu gehört die Beratung beispielsweise bei der Neuanschaffung von Anlagen genauso, wie die sicherheitstechnische Überprüfung bei der ersten Inbetriebnahme von Maschinen und Geräten. Die SiFa beobachtet die Entwicklung des Arbeitsschutzes bei gemeinsamen Betriebsbegehungen und entwickelt Konzepte wie das Unternehmen Mitarbeiter zu sicherem Verhalten führen kann. Die SiFa ist also ein Arbeitsschutzexperte mit technischer Qualifikation. Sie verfügt über ein fundiertes betriebsübergreifendes Grundlagenwissen im Arbeitsschutz. Als Spezialist für betriebsspezifische Arbeitsschutzprobleme steht sie dem Unternehmer und seinen Führungskräften beratend zur Seite.



Warum ist eine neue Ausbildung notwendig?

Eine effektive Unterstützung des Unternehmers kann die Sifa nur dann leisten, wenn Sie zur Beurteilung komplexer Arbeitsysteme in der Lage ist.
Die Ausbildung muss die zukünftige SiFa also befähigen, die an sie gestellten Anforderungen in allen Bereichen des Arbeitsschutzes zu erfüllen. Ziele der Ausbildung sind deshalb:
  • die notwendige Fachkompetenz (Grundlagenwissen in allen Bereichen des Arbeitschutzes) zu vermitteln,
  • die notwendige Methodenkompetenz (eine systematische managementorientierte Handlungsweise) herzustellen und
  • die dazu erforderlichen Sozialkompetenz zu entwickeln, beispielsweise bei der Beratung von Führungskräften oder der zielgruppenorientierten Informationen von Mitarbeitern.





Wie ist die neue Ausbildung aufgebaut?

Die Ausbildung erfolgt in drei aufeinander aufbauenden Stufen. In der Ausbildungsstufe I geht es um die Vermittlung der Grundlagen fachlicher, methodischer und sozialer Kompetenz. Die Ausbildungsstufe II vertieft die genannten Kompetenzen, vor allem durch die Bearbeitung von Fallbeispielen. In der Ausbildungsstufe III werden die Kompetenzen um branchenspezifische Aspekte erweitert.
Die Ausbildung erfolgt im Wechsel von Seminar- und Selbstlernphasen. In den Phasen des Selbstlernens werden ausgewählte Themen selbstständig mit von der Steinbruchs-BG bereitgestellten CBT-Programmen (Computer-Based-Training: computerunterstütztes Lernen) bearbeitet. Zwischen der Ausbildungsstufe I und II ist ein Praktikum vorgesehen. Das bis dahin erworbene Wissen und Können wird unter betriebsspezifischen Bedingungen im eigenen Unternehmen angewandt.
Um die angestrebte Fachkompetenz der Sicherheitsfachkraft zu gewährleisten, werden im Rahmen der Ausbildung erwachsenengerechte Lernerfolgskontrollen durchgeführt. Dazu gehört auch ein schriftlicher Bericht über die Durchführung des Praktikums und eine Präsentation im Seminar vor der Teilnehmergruppe.


Struktur der SiFa-Ausbildung



Welche Vorteile bietet die neue Ausbildung?

Die inhaltliche Gestaltung und der Ablauf der Ausbildung orientieren sich an den Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Das bedeutet, dass nicht mehr einzelne Fächer gelehrt und gelernt werden.
Die Erfüllung der Aufgaben der SiFa erfordert eine systematische Vorgehensweise. So werden Handlungsschritte der Fachkraft eingeführt, die den roten Faden durch die gesamte Ausbildung bilden. Die Teilnehmer eignen sich das jeweilige Wissen für die Bewältigung des jeweils nächsten Handlungsschrittes an. Deshalb kommen ganz überwiegend Lernformen zum Einsatz, bei denen sich der Teilnehmer aktiv beteilgen kann und muss.
Die Ausbildung ist handlungsorientiert ausgelegt. Die systematische Vorgehensweise der SiFa wird von den Teilnehmern zu Beginn an Praxisbeispielen, später an umfangreichen Fallstudien und natürlich im Rahmen des Praktikums im betrieblichen Alltag geübt. Die Anhäufung von (Un)Mengen von Wissen, das im betrieblichen Alltag zunächst überhaupt nicht gebraucht wird, wird dadurch vermieden.
Durch das Lernen am CBT-Programm eignen sich die Teilnehmer eine fundierte Medienkompetenz an. In der Mediengesellschaft ist der sichere Umgang mit Informationsmedien insbesondere bei der Informationsbeschaffung von erheblicher Bedeutung.
In der mittelständisch strukturierten Baustoff-Industrie ist die SiFa meist nebenamtlich tätig. Die erworbenen Management- und Medienkompetenzen kommen also nicht nur dem Arbeitsschutz, sondern auch allen anderen betrieblichen Aufgaben, die die ausgebildete Person im Unternehmen ausführt, zugute.
Auch in kleinen Betrieben werden die erwähnten komplexen Fertigungsanlagen eingesetzt. Man denke beispielsweise an eine Palettenumlauffertigungsanlage in einem Betonfertigteilwerk mit einer Belegschaft von 20 - 30 Personen. Eine fundierte Unterstützung des Unternehmers beim Arbeitsschutz kann nur durch gutes Grundlagenwissen und praxisorientiertes Handlungswissen erfolgen. Systematische Analyse, systematische Entwicklung von Problemlösungsansätzen und systematische Vorgehensweise bei der Problemlösung sind hier genauso erforderlich wie in einem Großkonzern.



Was ist das Besondere an der SiFa-Ausbildung der Steinbruchs-BG?

Die Steinbruchs-BG stellt durch gezielte Maßnahmen eine hochwertige Ausbildung der SiFa sicher. Dabei wird besonderer Wert auf die Unterstützung der Lernenden während der Ausbildung gelegt. Während der Selbstlernphase steht den Teilnehmern ein Call-Center mit hochqualifzierten Mitarbeitern für alle Fragen zu Ausbildungsinhalten zur Verfügung. Während des Praktikums wird die angehende SiFa vom zuständigen Technischen Aufsichtsbeamten beraten und unterstützt. Alle Dozenten müssen sich einer speziellen Qualifikation für die Ausbildung unterziehen. Bei den Fallstudien wird dort wo es erforderlich ist, der Bezug zur Branche hergestellt. Und auch nach abgeschlossener Ausbildung steht die Steinbruchs-BG mit einem immer breiter werdenden Angebot an Fortbildungsveranstaltungen für Sicherheitsfachkräfte unterstützend zur Seite.

Inhalte der Ausbildung

Präsenzphase I (1 Woche)

  • Einführung in Grundlagen des Arbeitsschutzes und Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Grundlagen des Entstehens von Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen
  • Basiswissen zu Gefährdungsfaktoren und gesundheitsfördernden Faktoren
  • Einführung in die Ermittlung und Beurteilung von Gefährdungen

Selbstlernphase I
Erweiterung und Vertiefung der Inhalte der Präsenzphase I.

Präsenzphase II (1 Woche)

  • Vorgehensweise zur Ableitung von Zielen für sichere und gesundheitsgerechte Arbeitssysteme
  • Basiswissen zur Gestaltung von sicheren und gesundheitsgerechten Arbeitssystemen
  • rechtliche Grundlagen zur Verantwortung im Arbeitsschutz

Selbstlernphase II
Erweiterung und Vertiefung der Inhalte der Präsenzphase II.

Präsenzphase III (2 Wochen)

  • Lösungssuche und Entscheidungsvorbereitung
  • Durch- und Umsetzung sowie Wirkungskontrolle von Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Basiswissen zur Integration von Sicherheit und Gesundheit in das betriebliche Management
  • Abschluß der Ausbildungsstufe I und Einführung in Ausbildungsstufe II.

Selbstlernphase III
Erweiterung und Vertiefung der Inhalte der Präsenzphase II. Durchführung des Praktikums.

Präsenzphase IV

  • Präsentation und Auswertung des Praktikums
  • Erarbeitung einer umfassenden exemplarischen Fallstudie


Präsenzphase V
Vertiefung branchenspezifischer Aspekte (Typische Gefährdungen und Belastungen, Arbeitsstätten, Maschinen und Anlagen, usw.).





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