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[Die Industrie der Steine + Erden]






November oder die graue Zeit

Nun steht sie uns wieder bevor, die graue Jahreszeit. Viele Menschen sehen ihr mit Unbehagen, ja vielleicht sogar mit Angst entgegen. Die Tage werden „kürzer“, bald gehen wir morgens im Dunkeln aus dem Haus und kehren im Dunkeln zurück. Eine bedrückende Zeit für den, der sensibel reagiert. Sicherlich ist es nicht die schönste Jahreszeit, wenn die Bäume ihr Herbstlaub verloren haben und die kahlen Äste und Zweige in den grauen Himmel ragen; wenn Herbststürme toben und Regenwolken tief wie Zeltdächer hängen.
Der Sommer ist schon weit zurück, die Gedanken an einen schönen Urlaub an der See oder in den Bergen sind schon ein wenig verblasst, und selbst der goldene Herbst hat seine warmen Farben bereits abgelegt. Was soll uns nun erfreuen?
Halt! Hatten wir uns für diese Zeit nicht so viel vorgenommen? Wollten wir nicht endlich einmal die Urlaubsfotos einsortieren und beschriften? Sollte nicht der große Diaabend mit den Freunden in der dunklen Jahreszeit endlich stattfinden? Hatten wir uns nicht vorgenommen, Bekanntschaften zu pflegen und einen großen Spieleabend zu veranstalten, wenn es gegenüber dem Sommer erst wieder ruhiger geworden ist? Tausend Dinge wollten wir erledigen, und dutzende Pläne hatten wir für diese Zeit geschmiedet. Warum also Trübsal blasen und das missliche Wetter bedauern?
Sicherlich haben wir im November auch die zwei Trauersonntage, und das ist gut so. Trauer hat seine Zeit und gehört zu unserem Leben. Doch darf dies kein Grund sein, einen ganzen Monat zu verurteilen. Gehen wir positiv damit um! Freuen wir uns auf einen heißen Kaffee nach einem Spaziergang in rauher Luft. Bereiten wir uns auf die bald beginnende Adventszeit mit ihrem vorweihnachtlichen Duft vor. Freuen wir uns auf Gemütlichkeit und ein wenig Zusammenrücken. Doch dafür müssen wir auch auf Menschen zugehen. Uns Zeit nehmen für diejenigen, denen Kontakte schwer fallen. Herzlichkeit wird fast immer doppelt erwidert und kann der Beginn einer schönen Bekanntschaft sein.
Ein Freund sagte mir einmal, dass er keine Probleme mit der trüben Jahreszeit hätte. Er zeigte mir Fotos, die er während eines Novemberspaziergangs geschossen hatte. Sie waren ganz bewusst in schwarzweiß gefertigt und zeigten blätterlose Bäume, die wie kleine Kunstwerke aussahen. Insbesondere die Gegenlichtaufnahmen strahlten eine besondere Wirkung aus. Es war eine zwar herbe, aber doch zerbrechlich wirkende Eleganz. Die Fotografien waren der Auslöser, darüber nachzudenken, diese besondere Zeit nicht nur von ihrer angeblich so grauen Seite zu sehen. Suchen wir die positiven Aspekte, gehen wir in die Natur und entdecken die Schönheiten einer oftmals missverstandenen Jahreszeit.
Hans-Jürgen Bahr
... in the cold Novemberrain





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