Gefährdungsanalyse ein nützliches Managementinstrument
Die Herstellung von Betonsteinen ist heute ein weitgehend automatisierter Prozess. Daher ist das Eingreifen von Personal in den Fertigungsprozess prinzipiell nicht erforderlich. Für die Maschinisten ergeben sich in der Regel im Normalbetrieb auch keine Gefährdungen, da ein Zusammentreffen von Mensch und Gefahr nicht vorgesehen ist. Vorhandene Gefahrstellen sind dem Schutzkonzept der jeweiligen Anlage entsprechend abgesichert. Erst beim Auftreten von Betriebsstörungen wird das Eingreifen der Maschinisten erforderlich. Nun ergeben sich Gefahrensituationen, da für diese Betriebsweisen das Sicherheitskonzept häufig nicht vollständig umgesetzt ist. Die Mitarbeiter versuchen durch Improvisation und schnelles Eingreifen eine Unterbrechung der Produktion zu vermeiden oder möglichst gering zu halten. Die Beweggründe, die die Mitarbeiter veranlassen, sich in Gefahr zu begeben, sind zwar in den meisten Fällen betriebsdienlich, aber allzu oft wird hierbei über das Ziel hinausgeschossen. Der Einsatzwille der Mitarbeiter führt dazu, dass sicherheitstechnische Einrichtungen unwirksam gemacht werden, um Störungen schnell zu beheben. Die eigentlichen Fehlerquellen werden aber nicht beseitigt.
Ursachen für gefährliche Situationen und Betriebsstörungen Um den Zusammenhang zwischen Betriebsstörungen und Gefährdungen für die Mitarbeiter näher zu untersuchen, wurde im Rahmen einer Studie die Pflastersteinproduktion eines Mitgliedsunternehmens beobachtet. Hierbei traten eine Reihe von Gefahrensituationen zu Tage, deren Vorhandensein erst bei der Beobachtung des laufenden Fertigungsbetriebs sichtbar wurde. Zum Beispiel versagte der Anschluss eines Hydraulikschlauchs am Steinfertiger plötzlich. Eine größere Menge Hydraulikflüssigkeit trat aus. Um das weitere Austreten von Hydraulikflüssigkeit zu verhindern, stieg der Maschinist in aller Eile auf das Geländer der Kellertreppe und schloss das Hauptabsperrventil zwischen Hydraulikaggregat und Steinfertiger. Hierbei begab sich der Maschinist in Absturzgefahr. Als Folge der Leckage stand die Produktion wegen der Reparatur und der erforderlichen Reinigungsarbeiten mehrere Stunden still. Es kam zu erheblichen Ausfallzeiten und Kosten. Wie sich im nachhinein herausstellte, war der planmäßige Wartungstermin der Hydraulikanlage seit Monaten verstrichen. In einem anderen Fall fiel auf, dass die automatische Krananlage, die die Unterlagsbretter magaziniert, aufgrund von Positionierungenauigkeiten häufig ausfiel. Der Maschinist betrat dann jeweils den durch Lichtschranken abgesicherten Arbeitsbereich des Lastaufnahmemittels und beseitigte die aufgetretenen Störungen. Erst hierbei wurde für den Beobachter ersichtlich, dass die Absicherung des Bewegungsbereiches des Krans, die aus einer Lichtschrankenkombination bestand, unwirksam war. Auf Nachfragen stellte sich heraus, dass die Absicherung gezielt ausgeschaltet wurde, um die häufigen Störungen des Krans weniger aufwändig beseitigen zu können. Die eigentliche Fehlerquelle, die ungenügende Positionierungenauigkeit der Krananlage, war auf mangelhafte Wartungsarbeiten zurückzuführen. Insgesamt ergab die Auswertung der Untersuchung, dass
Mangelnde Instandhaltungsarbeiten und verschleißbedingter Ausfall von Bauteilen waren die häufigsten
Gründe für Betriebsstörungen und Anlagenstillstand. Runder Lauf der Anlage Der Betrieb von automatischen Umlaufanlagen zur Herstellung von Betonsteinen ist nicht mehr mit dem Herstellen von Betonsteinen mit Bodenfertigern oder Ziehtischfertigern alter Bauart vergleichbar. Moderne Betonsteinanlagen sind nicht nur eine Aneinanderreihung mehrerer Maschinen, sondern sie sind komplexe, im Zusammenspiel arbeitende Komponenten, die genau aufeinander abgestimmt sind. Die Fehlfunktion einer Komponente kann an einer ganz anderen Stelle der Anlage zu negativen Auswirkungen führen. Dies gilt für die Produktqualität ebenso wie auch für die Sicherheit der Mitarbeiter. Das Auffinden von Anlagendefiziten ist oft schwierig und zeitaufwändig. Es bietet es sich daher an, Maßnahmen in den Normalbetrieb der Anlagen zu integrieren, die darauf abzielen, Störungen systematisch ausfindig zu machen und zu vermeiden.
![]() Störungsarten und Produktionsausfallzeiten Durchführung einer systematischen Störungsanalyse Hierzu können auftretende Betriebsstörungen als Hinweise auf technische Mängel genutzt und analysiert werden. Dies ist in vielen anderen Branchen, in denen automatische Anlagen eingesetzt werden, üblich. Eine systematische Störungsanalyse kann wie folgt durchgeführt werden.
Mit der systematischen Störungsanalyse kann die Anlagensicherheit und -leistung überprüft und
verbessert werden. Verdeckte Mängel lassen sich durch kontinuierliche Beobachtungen leichter aufdecken als
durch punktuelle Betriebsbegehungen. So ist es möglich, die Ursachen von Störungen zu klären und
die Störungen nachhaltig zu beseitigen. Systematische Störungsanalyse = gesetzlich geforderte Gefährdungsanalyse? Bei der Errichtung von Neuanlagen und nach der Durchführung von wesentlichen Änderungen an bestehenden Anlagen muss der Betreiber durch eine Beurteilung der auftretenden Gefährdungen ermitteln, welche Maßnahmen zum Arbeitsschutz erforderlich sind. Diese Aufgabe kann eine kontinuierliche Beobachtung der Anlagen nicht ersetzen. Die Schichtprotokolle und Auswertungsbögen, die zur Störungsanalyse angefertigt werden, belegen jedoch, dass eine stetige Beobachtung der Anlagen erfolgt und dass erforderliche Maßnahmen ergriffen werden. Es wird also dokumentiert, dass fortlaufend eine Gefährdungsanalyse durchgeführt wird. Die gewonnenen Daten sind zudem von betriebswirtschaftlichem Nutzen. Der Betrieb automatischer Anlagen lässt sich durch die kontinuierliche Analyse der auftretenden Störungen sicherer, „runder“ und damit wirtschaftlicher gestalten. Dipl.-Ing. Martin Böttcher, StBG Tel.: 09 11 / 9 29 85 14 ![]() Inhaltsverzeichnis Ausgabe 5/01 | Zurück zu unserer Homepage |