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Wägetechnik in der Baustoffindustrie: 26 Werke vernetzt

Ein Radlader, eine stationäre Waage, Materialbunker und Förderanlagen die Ausstattung eines Baustoffwerks erweckt in der Regel nicht den Eindruck, als wären hier High-Tech und modernste Informationstechnologie im Einsatz.

Bei den 26 Betriebsstätten der Rheinischen Baustoffwerke GmbH (RBS) täuscht dieser Eindruck jedoch. Alle Werke sind vom Wägetechnik-Spezialisten Pfreundt datentechnisch miteinander vernetzt worden und geben ihre Produktionsdaten im ASCII-Format selbsttätig über Mobilfunk oder ISDN an die Rechner in der Zentrale.

Als Ende 1998 vier Beteiligungsunternehmen der Rheinbraun AG zur Rheinischen Baustoffwerke GmbH fusionierten, wollten die Verantwortlichen Synergieeffekte nutzen und innerbetriebliche Abläufe vereinheitlichen. In jedem Unternehmen waren bis dahin unterschiedliche Arten der Wägedatenerfassung im Einsatz, auch für die Abrechnung und die Materialwirtschaft wurden verschiedene Systeme genutzt.

Da lag es nahe, die Wägesysteme zu vereinheitlichen. Bei diesem Gedanken blieb man aber nicht stehen. Uwe Beyer, bei RBS verantwortlich für die DV-Systeme: "Unser Ziel war, die Wägedaten als Basis für ein umfassendes Warenwirtschafts- und Informationssystem (WWI) zu nutzen, in das alle Standorte und sämtliche stationären und mobilen Waagen einbezogen sind."

RBS erstellte daraufhin ein umfangreiches Pflichtenheft, prüfte mehrere Wägesysteme auf ihre Eignung und entschied sich für die Zusammenarbeit mit der Pfreundt GmbH & Co. KG in Südlohn, einem Spezialisten für mobile Wägetechnik.

Nachdem alle Spezifikationen geklärt waren und auch eine individuelle Anpassung der "POS" Wägedatenverwaltungs-Software vereinbart war, ging alles ganz schnell. Am 14. September 1999 erteilte RBS den Auftrag an Pfreundt. Im Oktober 1999 ging die Pilotanlage im Werk Frimmersdorf in Betrieb, bis Januar wurden alle Wägesysteme und die zugehörige Software geliefert.



Verwiegen mit System: Alle Wägedaten der 26 Standorte werden an die Zentrale weitergegeben und im SAP R/3-System von RBS verarbeitet. Umgekehrt werden Stammdaten von der Zentrale an die einzelnen Waagen übermittelt.
Verwiegen mit System: Alle Wägedaten der 26 Standorte
werden an die Zentrale weitergegeben und im SAP R/3-System
von RBS verarbeitet. Umgekehrt werden Stammdaten von der Zentrale
an die einzelnen Waagen übermittelt.


 



Wägeelektronik mit Datenfernübertragung und Barcode-Leser

Nun sind 14 Fahrzeugwaagen mit neuen DV-Anlagen, neuer Software und einem Barcode-Lesegerät ausgerüstet. Die 29 Radlader in den 26 Werken haben mobile Wägesysteme an Bord. Ihre Wägeelektronik WK-50 ist mit Speicherkarte, GSM-Modul und Barcodeleser ausgerüstet.

Den Barcodeleser braucht man, weil die Stammkunden von RBS nun eine Kundenkarte haben können, so dass RBS die Kundendaten sofort einlesen und mit den Wägedaten als Datensatz transferieren kann. Dies geschieht routinemäßig mehrmals täglich über eine ISDN-Leitung (bei den Fahrzeugwaagen) oder, bei den Radladern, per Mobilfunk. Umgekehrt kann man auch von der Zentrale aus gezielt Daten abrufen. Die Speicherkapazität der Wägeelektronik ist so groß, dass jedes einzelne Wägesystem 30 Tage lang im "stand alone"-Betrieb, d. h. ohne Datentransfer, arbeiten kann.

Zum Lieferumfang von Pfreundt gehört die "POS" Verwaltungs-Software, die man für die Weiterverarbeitung der Wägedaten nutzen kann. Für RBS wurde "POS" allerdings individuell angepasst. Uwe Beyer: "Wir wollten z. B. die Möglichkeit haben, Datensätze gruppenweise zu ändern. Außerdem benötigten wir eine Schnittstelle zum Vertriebsmodul "SD" von SAP R/3, das die Lieferdaten weiterverarbeitet. Zusätzlich werden wir "POS" als Ausgangsbasis für die DV-gestützte Zeiterfassung des Personals und für ein Produktions- und Absatzinformationssystem nutzen." Diese Zusatzmodule werden zur Zeit implementiert.

 



Mehr als 7.000 Datensätze pro Tag

Damit entsteht auf der Basis der Wägedaten ein komplexes Warenwirtschafts-Informationssystem (WWI), das Informationen von allen 26 Standorten erhält und verarbeitet. Die Vorteile: Die Rechnungserstellung wird vereinfacht, Kundendaten sind stets aktuell, und die Zentrale verfügt immer über aktuelle Produktions- und Absatzdaten aller Werke. Das erleichtert auch dem Controlling die Arbeit. Immerhin werden täglich pro Werk im Durchschnitt 250 bis 300 Verwiegungen registriert, insgesamt sind also rund 7.000 bis 8.000 Wägedatensätze weiterzuleiten und zu verarbeiten.



Verwiegen ohne stationäre Waage: Der Radladerfahrer kann am Wägesystem die Kundenkarte einlesen.
Verwiegen ohne stationäre Waage:
Der Radladerfahrer kann am Wägesystem
die Kundenkarte einlesen.


 



Mehr Transparenz, mehr Flexibilität

Vorteilhaft ist auch die verbesserte Flexibilität der Mitarbeiter: In jedem Werk sind die gleichen Systeme im Einsatz. Die Radlader sind ebenfalls flexibel einsetzbar. Dank Barcode-Leser für die Kundenkarte und GSM-Modul zur Datenübertragung arbeiten sie faktisch wie ein eigenes autarkes Werk. Natürlich werden auch die generellen Vorteile des mobilen Wiegens Vereinfachung und Beschleunigung der Arbeitsabläufe, sofortiges Verwiegen und Ausdruck der Wägekarte ohne "Umweg" über die stationäre Waage wirksam.

Die Mitarbeiter der Zentrale profitieren überdies davon, dass Wegezeiten entfallen zum Beispiel wenn in den Werken DV-Probleme zu lösen sind. Das geht jetzt meistens per DFÜ. Da sich die Werke in einem Raum von 350 x 100 km erstrecken, spart man viel Zeit.

 



Vorsprung im Wettbewerb

Die Anlaufphase des neuen Lieferdatendirekterfassungs-Systems verlief erfolgreich. RBS profitiert von der hohen Datentransparenz: schnelles Reagieren und bessere Planung sind möglich. Zugleich wird der Kundenservice verbessert: Die Lkw können schneller abgefertigt werden. Für die Zukunft ist geplant, auch die Annahmestellen für Bodenaushub in das WWI-System einzubinden.



Die Wägeelektronik in der Fahrerkabine. Deutlich zu erkennen:  Das Lesegerät für die Kundenkarte (rechts) und der Drucker für die Wägekarte (unten).
Die Wägeelektronik in der Fahrerkabine.
Deutlich zu erkennen: Das Lesegerät für
die Kundenkarte (rechts) und der Drucker für die
Wägekarte (unten).






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