www.steine-und-erden.net > 2000 > Ausgabe 5/00 > Das Unternehmermodell - erfolgreich auf neuen Wegen

[Die Industrie der Steine + Erden]






Das Unternehmermodell - erfolgreich auf neuen Wegen

BG-Vorschrift "Betriebsärzte" unbefristet genehmigt

Das Unternehmermodell Jetzt ist es amtlich: Mit Schreiben vom 4. Juli 2000 genehmigte das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA) die neue BG-Vorschrift "Betriebsärzte" der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (BGV A7) ohne zeitliche Befristung. Die neue BG-Vorschrift ersetzte somit im Wesentlichen unverändert seit dem 1. Oktober 2000 die alte Unfallverhütungsvorschrift "Betriebsärzte" (VBG 123) vom 1. Oktober 1995, die fristgerecht zum 30. September 2000 außer Kraft trat. Lediglich einige aus den Ergebnissen der Evaluation resultierende Modifikationen z. B. zu den Themen "Gefährdungsbeurteilung" und "Erste Hilfe" sowie einige redaktionelle Klarstellungen sind in die Neufassung eingeflossen.

Diese Entscheidung des BMA ist umso erfreulicher, weil es bis zuletzt erhebliche Widerstände zu überwinden galt. Es kann somit festgestellt werden, dass die Arbeit der letzten fünf Jahre, die von der Entwicklung und flächendeckenden Einführung einer alternativen Form zur Umsetzung des Arbeitssicherheitsgesetzes für kleine und mittlere Unternehmen geprägt war, jetzt erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Diejenigen Unternehmer, die sich zur Teilnahme am Unternehmermodell bzw. der "Alternativen Arbeitsmedizinischen Betreuung" entschlossen haben, können somit diese Option auch weiterhin wahrnehmen.



Ein Blick zurück

Mit In-Kraft-Treten der neuen Unfallverhütungsvorschriften "Fachkräfte für Arbeitssicherheit" am 1. Oktober 1994 und "Betriebsärzte" am 1. Oktober 1995 waren für den Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft die Voraussetzungen geschaffen, alle Unternehmen, also auch kleine und mittlere Betriebe, und damit alle Beschäftigten der Steine und Erden-Industrie, schrittweise in die Beratung und Betreuung durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte einzubeziehen. Im Gegensatz zur Unfallverhütungsvorschrift "Fachkräfte für Arbeitssicherheit", die unbefristet genehmigt wurde, vertrat das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 1995 allerdings die Auffassung, dass die Unfallverhütungsvorschrift "Betriebsärzte" zunächst nur befristet für einen Zeitraum von fünf Jahren genehmigt werden könne. Der Grund hierfür war, dass die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft als erster Unfallversicherungsträger auch für die betriebsärztliche Betreuung ein dem Unternehmermodell vergleichbares, alternatives Betreuungsmodell die "Alternative Arbeitsmedizinische Betreuung" vorsah. Das BMA war daher der Ansicht, dass dieser neue Weg eine angemessene Erprobungszeit erfordere und hinsichtlich seiner Wirksamkeit evaluiert werden müsse. Mit der Evaluation beauftragte die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft das Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), wobei alle Evaluierungsschritte von einem Beirat begleitet wurden. Der vom BMA geforderte Erfahrungsbericht über die praktische Umsetzung der "Alternativen Arbeitsmedizinischen Betreuung" in Form eines neutralen Gutachtens liegt inzwischen vor (Bestelladresse siehe unten).

Hintergrund der beiden neuen Unfallverhütungsvorschriften war die Tatsache, dass vor ihrem In-Kraft-Treten das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) für Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft nur für circa 13 Prozent der Unternehmen und rund 50 Prozent der Versicherten umgesetzt war. Zudem hatte sich gezeigt, dass das Risiko für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten umso höher lag, je kleiner die Unternehmen waren. Inzwischen ist eine vollständige Umsetzung des ASiG erreicht. Circa 80 Prozent der Unternehmen, die aufgrund ihrer Betriebsgröße das Unternehmermodell wählen können, haben sich hierfür entschieden.



Fünf Jahre Erfahrung

Die bisherigen Erfahrungen aus der alternativen ASiG-Betreuungsform ("Alternative Arbeitsmedizinische Betreuung" + Unternehmermodell) und die Ergebnisse des Forschungsvorhabens zur Evaluation der Wirksamkeit dieses Betreuungskonzeptes lassen aus Sicht der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft folgende Aussagen zu:

  • Mit der "Alternativen Arbeitsmedizinischen Betreuung" wurde ein wirksamer neuer Weg zur Umsetzung des Arbeitssicherheitsgesetzes (ASiG) in kleinen und mittleren Unternehmen beschritten.
  • Im Verbund mit dem Unternehmermodell trägt die "Alternative Arbeitsmedizinische Betreuung" besonders den Bedingungen in kleinen und mittleren Betrieben Rechnung und berücksichtigt die herausragende Stellung des Unternehmers.
  • Besonders positiv wird die Möglichkeit der Entscheidung zwischen zwei unterschiedlichen Betreuungsformen Regelbetreuung oder alternative Betreuungsform durch die Unternehmer aufgenommen. Dies beeinflusst die Grundeinstellung gegenüber der gewählten Betreuungsform im positiven Sinn.
  • Die "Alternative Arbeitsmedizinische Betreuung" ist keine "Billiglösung". Das Ziel lautet: Das Unfall- und Berufskrankheitenrisiko in den kleinen Mitgliedsunternehmen dauerhaft zu senken. Unternehmer, die sich für die Teilnahme am Unternehmermodell entscheiden, müssen eine erhebliche personelle Investition einbringen.
  • Der Unternehmer wird weder zum Betriebsarzt noch zum Sicherheitsingenieur ausgebildet! Er soll jedoch Defizite in der Arbeitssicherheit und im Gesundheitsschutz in seinem Unternehmen erkennen können. Sofern er die bestehenden Probleme nicht selbst lösen kann, muss er qualifizierte Beratung bedarfsgerecht in Anspruch nehmen.
  • Alle arbeitsmedizinischen Untersuchungen und Aufgaben, die ausschließlich in die Hand eines Arztes gehören, werden von besonders qualifizierten Betriebsärzten mit hoher Branchenkompetenz wahrgenommen dies trägt zur Akzeptanz bei!
  • In jedem Unternehmen ist bedarfsgerechte arbeitsmedizinische Betreuung regelmäßig erforderlich und findet entweder auf Wunsch des Unternehmers, auf Wunsch von Versicherten, auf Veranlassung des zuständigen Technischen Aufsichtsbeamten oder aus eigener Veranlassung der Betriebsärzte in allen alternativ betreuten Unternehmen statt.
  • Mit der Einführung einer umfassenden, die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz integrierenden, alternativen Betreuungsform wurde in den Unternehmen der Baustoffindustrie ein Diskussions-, Aufklärungs- und Denkprozess in Gang gesetzt, der dem Thema Sicherheit und Gesundheit in allen Unternehmen neue Schubkraft verliehen hat.
  • Die im Rahmen der Konzeptionsentwicklung und Einführung erzielten Erfahrungen haben insgesamt die Organisationsentwicklung der Steinbruchs-BG positiv beeinflusst und zu einer gesteigerten Beratungs- und Dienstleistungskompetenz geführt.
  • Die wissenschaftliche Evaluation durch das Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) hat erwiesen, dass "gravierende Unterschiede zwischen der Alternativ- und der Regelbetreuung nicht festgestellt werden können".
Abschlussbericht Aus dem umfangreichen Abschlussbericht des BIPS und aus den Analysen und Erkenntnissen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft lässt sich zusammenfassend feststellen, dass die "Alternative Arbeitsmedizinische Betreuung" eine wirksame Form zur Umsetzung des Arbeitssicherheitsgesetzes für die betriebsärztliche Betreuung von Kleinunternehmen darstellt. Nachdem jetzt durch das BMA die unbefristete Genehmigung der zugehörigen BG-Vorschrift erfolgt ist, kann dieser erfolgreiche Weg konsequent weiterbegangen werden. Dabei ist die Steinbruchs-BG natürlich daran interessiert, das Modell auf dauerhaft hohem Qualitätsstandard zu praktizieren sowie neue Erkenntnisse im Sinne einer Weiterentwicklung und Optimierung zu berücksichtigen. Dies bedeutet auch, alle konstruktiven Vorschläge ernsthaft zu prüfen.

Der Evaluationsbericht kann auf Wunsch bei der StBG, Fax 05 11/72 57 - 7 90, bestellt werden.

Essay von Dipl.-Ing. Ehnes zum Thema bedarfsgerechte Beratung




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 5/00 | Zurück zu unserer Homepage