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Unser Ohr – das Tor zur Welt

Das Hören ist unser wichtigster Sinn – schützen Sie Ihre Ohren richtig?

Das leise Zirpen der Grillen, das laute Dröhnen von Flugzeugtriebwerken, die hohen Töne einer Violine, die tiefen Töne des Violincellos – insgesamt eine Vielfalt von Klängen und Geräuschen, die täglich auf unser Gehör einwirken und verarbeitet werden müssen. Stimmen und Klänge üben ab der Geburt des Menschen ihren Einfluss aus. Starke Geräusche und plötzlicher Lärm erschrecken, machen Angst – vertraute Laute, bestimmte Tonlagen hingegen beruhigen. Hören ist der Sinn, der den Menschen am eindringlichsten prägt. Schließlich eröffnet das Gehör dem Menschen erst die Welt – durch das Erlernen der Sprache, mit der der Mensch kommunizieren kann. Zugleich ist das Gehör der empfindlichste und wichtigste Warnmechanismus – es empfängt seine Eindrücke jederzeit, ganz gleich, ob wir wachen oder schlafen. Das Gehör schaltet nie ab.

 



Die Physiologie des Hörens

Um die Schädigung des Gehörs besser zu verstehen, müssen wir uns kurz mit dem Bau des Ohres und der Physiologie des Hörens vertraut machen. So lässt sich ein äußerer Teil mit Gehörgang, Ohrmuschel und Mittelohr von einem inneren Teil, dem Innenohr, abgrenzen (vgl. Abbildung 1). Die Wellenbewegungen des Schalls werden durch das äußere Ohr empfangen und durch den Gehörgang geleitet. Sie versetzen das Trommelfell in Schwingungen, diese Schwingungen werden über die Gehörknöchelchenreihe des Mittelohres verstärkt und an das ovale Fenster übertragen. Hinter dem ovalen Fenster liegt das Innenohr mit der Schnecke (vgl. Abbildung 2). Die Schnecke ist ein spiralförmiger, flüssigkeitsgefüllter Gang. Die Druckwelle wird nun über die Membran des ovalen Fensters an die Flüssigkeit weitergeleitet. Die Druckwelle wandert bis zur Spitze der Schnecke, verformt dabei die sog. Basalmembran und erregt letztendlich das eigentliche Hörorgan – das Cortische Organ – mit seinen über 30.000 hochempfindlichen Haarzellen (vgl. Abbildung 3). Hier wird die Bewegungsenergie in elektrochemische Energie umgewandelt und gelangt über die Hörnerven als Impuls an die Hörzentren des Gehirns.

 



Arbeitsbedingte Schäden des äußeren Ohres

Das äußere Ohr ist während der Arbeit nicht selten Stäuben, Berührungen mit verschmutzten Händen oder auch direkten Verschmutzungen ausgesetzt, die eine Entzündung der Haut verursachen können. Da das Gerüst des äußeren Ohres aus elastischem Knorpel besteht, welches keine eigenen Ernährungsgefäße besitzt, sind solche Entzündungen immer ernst zu nehmen und bedürfen einer fachärztlichen Behandlung. Arbeitsplätze mit erheblicher Staubentwicklung verursachen nicht selten verstärkte Zerumenbildung (Ohrschmalz). Bekannt sind z. B. steinharte Pröpfe im Gehörgang von Zementarbeitern. Infolge einer Durchfeuchtung des in den Gehörgang gelangten Zementstaubes entstehen abgebundene Zementkrusten, die entzündungsfördernd sein können. Das äussere Ohr ist nicht nur gegenüber Infektionen sehr empfindlich, sondern auch gegenüber Druck, Schlag und Unterkühlung sowie Überhitzung.

 



Arbeitsbedingte Schäden des Mittelohres

Schallleitungsschwerhörigkeit

Der Schalltransport ist von der Beschaffenheit des Gehörganges, des Trommelfells, der Gehörknöchelchenkette des Mittelohres, des Paukendruckes und der Peri- und Endolymphe abhängig. Schäden in diesem Schalltransportbereich führen zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit, d. h. einer Schwerhörigkeit, bei der sich bei gesundem Innenohr die Luftleitungsfunktion gegenüber der Innenohrleistung (Knochenleitung) eindeutig verschlechtert.


Barotrauma (Caisson-Krankheit)

Durch den Überdruck der Luft außerhalb des menschlichen Körpers kommt es zu einem Hineindrücken des Trommelfells in das Mittelohr (Taucher, Caissonarbeiter). Dadurch tritt eine gewisse Schwerhörigkeit auf im Sinne einer Schallleitungsstörung. Durch mehrfaches Schlucken bei allmählichem Druckanstieg ist in der Regel ein Ausgleich möglich. Wichtig ist, dass chronische Entzündungen der Nase und der Nasennebenhöhlen vor Arbeitsbeginn ärztlicherseits ausgeschlossen werden. Bei Caisson-Arbeiten sind auch zentrale Hörstörungen mit labyrinthärer Beteiligung möglich. Die Ursache ist in einer unsachgemässen Druckminderung zu sehen, die zu Gasbläschen im Blut führt, wobei auch durchblutungsbedingte Schäden im Innenohr oder auch am zentralen Hörsystem entstehen können.



Arbeitsbedingte Schäden des Innenohres

Akutes akustisches Trauma

Bei einem akuten akustischen Trauma ist die Schalleinwirkungszeit sehr kurz, dagegen ist die Druck-, die Intensitätsspitze des Schalls sehr hoch. Beim Explosionstrauma haben die tiefen Frequenzen besonders auf das Mittelohr einen schädigenden Einfluss. Es ist gekennzeichnet durch Trommelfellruptur, Beschädigung der Gehörknöchelchenkette und mehr oder weniger ausgeprägter Innenohrschädigung. Solche Schäden können z. B. bei Sprengarbeiten auftreten. Typisch ist die große Seitendifferenz des Hörschadens, die dem Ereignis zugewandte Seite ist meist stärker betroffen.

Bei einem Knalltrauma sind die hohen Frequenzen von erheblicher Bedeutung. Es handelt sich um kurze Schallstöße mit hoher Intensität. Es kommt zu ausgeprägten Schäden des Innenohres ohne Beschädigungen des Trommelfells oder des Mittelohres. Das Knalltrauma ist gekennzeichnet durch erhebliche Hochtonschäden auf der der Schallquelle zugewandten Seite. Auch hier bedarf es einer fachärztlichen Konsultation, um Dauerschäden zu vermeiden.


Chronisch akustisches Trauma oder Lärmschwerhörigkeit

Unter Lärmschwerhörigkeit versteht man eine durch Dauerschall entstandene Hörschädigung, wobei die Schallintensität sich oberhalb einer sogenannten kritischen Intensität bewegt, die zurzeit mit 85 Dezibel (A) angegeben wird und über einen langen Zeitraum hinweg, also viele Arbeitsjahre, eingewirkt hat. Es kommt zu einer Zerstörung der Haarzellenelemente, beginnend in einem schmalen hochfrequenten Bereich, insbesondere um circa 4.000 Hertz. Bei Fortschreiten der Lärmschwerhörigkeit kommt es zu einer wesentlichen Verbreiterung der "Senke" zu tieferen Frequenzen hin. Damit entwickelt sich eine Ausbreitung der Hörschädigung in Richtung des Minimal-Hörfeldes, welches der Mensch für die Umgangssprache benötigt. Es kommen immer weniger akustische Informationen an; der Sinn eines Satzes, der Inhalt eines Gespächs werden nicht verstanden. Tote Haarzellen melden nichts an den Hörnerv, und der Hörnerv kann nichts an das Gehirn weiterleiten. Es wird still um den Betroffenen, der sich durch Nichtanwenden geeigneter Gehörschützer selbst auf das Abstellgleis der Kommunikation gebracht hat.

Was versteht man eigentlich unter...
Dezibel (dB) Internationale Benennung für den Schalldruckpegel
Frequenz Anzahl der Schwingungen pro Sekunde, gemessen
in Hertz (Hz)
Hörbereich Frequenzbereich, den das Ohr wahrnehmen kann
Infraschall Frequenz unter unter 16 Hertz
Schall Schwankung des übertragenen Stoffes (Luft, Flüssigkeit)
im Bereich der Hörbarkeit
Schmerzschwelle Grenzwert des Schallpegels, bei dem Schall als Schmerz
empfunden wird (etwa 120 dB)
Ultraschall Frequenz über 16.000 Hertz


Tinnitus (Ohrgeräusche)

Lärmbelastung erzeugt nicht nur Schwerhörigkeit, sondern kann auch langanhaltende Ohrgeräusche (Tinnitus) hervorrufen. Als Tinnitus werden gehörte Wahrnehmungen (Hörereignisse) bezeichnet, denen keine tatsächlichen akustischen Signale aus der Umwelt (Schallereignisse) entsprechen und die keinen Informationswert für die Betroffenen besitzen. Sie "hören" verschiedenartigste Geräusche: Pochen, Brausen, Brummen, Summen, Rauschen, Schwirren, Säuseln, Zischen, Knarren, Knistern, Knacken, Läuten, Pfeiffen, Singen, Klingen und dergleichen mehr. Der Lärm, der von innen kommt, kann beträchtliche Ausmaße annehmen. Die Betroffenen finden im Extremfall kaum Schlaf, fühlen sich zermürbt, sind reizbar und unkonzentriert. Manche leiden an Depressionen und Angst bis hin zu der Befürchtung, "wahnsinnig" zu werden. Die Ursachen der Tinnitus-Erkrankung sind noch nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise handelt es sich, wie bisher angenommen, nicht allein um eine Störung im Innenohr oder eine Fehlfunktion der Hörnerven, sondern um eine Störung zentraler Verarbeitungsprozesse und der unbewussten Wahrnehmung des Gehirns. Auf jeden Fall bedarf jedes Ohrgeräusch, welches länger als einen Tag anhält, einer ärztlichen Konsultation und Behandlung. Da die Tinnitus-Erkrankung oft nicht zu heilen ist und einen enormen Verlust an Lebensqualität bedeuten kann, steht die Vorbeugung an erster Stelle. Geeigneter, individuell angepasster Lärmschutz ist auch Schutz vor Ohrgeräuschen. Konsequentes Tragen von Gehörschutz in den Bereichen, wo gesundheitsschädigender Lärm auftritt, bleibt das Mittel der Wahl.

 



Das Gehör schützen

Eine breite Palette von Gehörschutzprodukten der Spezialhersteller in guter Qualität und mit guten Trageeigenschaften warten auf ihre Anwendung! Das Angebot erstreckt sich von Gehörschutzstöpseln über Bügel-Gehörschützer bis hin zu Kapsel-Gehörschützern in vielen Variationen. Wählen Sie für sich den passenden Gehörschutz aus, angepasst an die tatsächliche Lärmexposition und an Ihr Ohr.


Kapselgehörschutz Ohrstöpsel Ohrstöpsel

Dr. med. Sigrid Schmidt, StBG,
Geschäftsstelle Berlin,
Tel. 0 30/5 46 00-0, Fax /5 46 00-305

 

 

Lärm ist unerwünschter Schall

Unerwünscht, weil er

  • Krankheiten verursacht, z. B. das Gehör schädigt (Lärmschwerhörigkeit)
  • die Gesundheit gefährdet, z. B. Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • das Unfallrisiko erhöht, z. B. werden Signale oder Warnungen verdeckt
  • die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, z. B. Verminderung der Qualität oder Quantität
  • ein wesentlicher Stressfaktor ist
  • das Wohlbefinden beeinträchtigt, z. B. lästige oder störende Wirkung

 

Noch mehr Informationen zum Thema Lärm einschließlich Hörbeispielen finden Sie in unserer Rubrik Sicherheit und Gesundheit



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