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[Die Industrie der Steine + Erden]






Das Ohr an der Basis

Seit fünf Jahren lassen sich Unternehmer der Steine und Erden-Industrie im Rahmen des Unternehmermodells in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz qualifizieren. Sie übernehmen damit selbst mehr Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Betrieb. Wie sieht die Bilanz ihrer Teilnahme am Modell bisher aus? Hat sich in ihren Betrieben dadurch etwas geändert? "Die Industrie der Steine und Erden" hat bei Teilnehmern eines StBG-EXPO-Seminars für Unternehmer beim Besuch des EXPO-Projektes "steinzeichen steinbergen" nachgefragt.

Die Interviews führte Heidrun Becker, StBG

 

Josef Hutter  

Josef Hutter,
Betriebsleiter der Gämmerler & Söhne OHG, 82538 Geretsried-Gelting

Ich wollte 1996 die Arbeitssicherheit in unserem Betrieb mit 25 Mitarbeitern selbst in die Hand nehmen. Die Abstimmungswege sind so möglichst kurz, was auch Kosten spart. Die Schulungen zusammen mit der Arbeit der Sicherheitsingenieure und Betriebsärzte sind sehr wirkungsvoll; wir fühlen uns gut betreut. Das macht sich im Betrieb unter anderem so bemerkbar, dass Unterweisungen jetzt viel regelmäßiger stattfinden und jeder Mitarbeiter intensiv auf seine Rechte und Pflichten bezüglich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz hingewiesen wird.

Einen Wunsch hätte ich: Unser Betrieb liegt bei Bad Tölz, der Sitz der StBG-Sektion I ist in Nürnberg. Daher kommt der Sicherheitsingenieur nur vorbei, wenn wir ihn extra anfordern. Es wäre besser, wenn mehr Sicherheitsingenieure für ein so großes Gebiet wie das der Sektion I zuständig wären. Wir hätten ihn gern öfter vor Ort.

Hier in Steinbergen gefällt mir, dass an einem Ort so viel zum Thema "Stein" zusammengetragen wurde. Die Ausstellungen und der "Jahrtausendblick" sind sehr beeindruckend. Der Erlebniswelt-Container "Hören" der StBG hat einen großen Effekt auf den Besucher; man lernt viel über Lärm und Hörschäden. Der Container "Gehen, laufen, stolpern" hat ein sehr schönes Ambiente, regt allerdings nicht so sehr zum Mitmachen an. Die Grundidee mobiler Arbeitsschutzexponate finde ich praktisch und gut.

 

Diana Schuler  

Diana Schuler, Geschäftsführerin der Josef Porzner GmbH & Co. KG,
96199 Zapfendorf

Im Erlebniswelt-Container "Hören" habe ich hier in Steinbergen einiges mit Spaß gelernt. Ich hätte nie gedacht, dass ein Kuhstall oder ein Lkw so laut sind. Die Demonstration des stark eingeschränkten Hörerlebnisses eines Hörgeschädigten ist auch sehr eindrucksvoll. Diese Erlebniswelten können sicher dazu beitragen, dass die Mitarbeiter sich bewusster im Betrieb verhalten und die Arbeitsschutzausrüstung immer nutzen. Für mich als Geschäftsführerin hat das Unternehmermodell, an dem ich seit 1996 teilnehme, einen ähnlichen Effekt. Man läuft bewusster durch das Unternehmen und erkennt Sicherheits- und Gesundheitsprobleme schneller. Und ich weise die Büro-Mitarbeiter zum Beispiel immer wieder darauf hin, dass sie bei jedem Gang in den Betrieb an Gehörschutz und Helm denken. Der "Hören"-Container hat mich jetzt auf die Idee gebracht, vor der Tür zum Werksgelände ein großes Schild mit der Aufschrift "Gehörschutz tragen" anzubringen, gleich neben dem Kasten mit dem Gehörschutz. Ein Aufbauseminar wie hier in Blomberg ist sehr wichtig, da sich im hektischen Geschäftsalltag oft Betriebsblindheit einschleicht. Die Seminare sensibilisieren wieder für Sicherheit und Gesundheit. Mit der Betreuung im Unternehmermodell bin ich gut zufrieden. Der Technische Aufsichtsbeamte sollte ruhig öfter mal nachfragen, wie es im Betrieb läuft – auch ohne hohe Unfallzahlen. Das lenkt die Aufmerksamkeit verstärkt Richtung Sicherheit und Gesundheitsschutz.

 

Matthias Erben  

Matthias Erben, Geschäftsführer der Gomar Bau & Recycling GmbH & Co.,
01189 Dresden

Bei dem Seminar hier in Blomberg sind der Arbeitsschutz und die Mitarbeitereinstellung dazu aus psychologischer Sicht beleuchtet worden. Diese Zusammenhänge verstehe ich jetzt besser und kann bei der Motivation der Angestellten darauf eingehen. Sehr gut gefallen hat mir auch die offene Diskussion über die Rolle der StBG als Dienstleister. Das stellt sich in unserer alltäglichen Betriebspraxis schon sehr positiv dar; unser Technischer Aufsichtsbeamter ist immer ansprechbar und macht konstruktive Vorschläge, die Zusammenarbeit funktioniert einwandfrei. Am Unternehmermodell nehme ich seit 1997 teil, damals habe ich beim Arbeitsschutz im Betrieb fast bei Null angefangen. Aber seitdem gibt es bei den sieben Mitarbeitern keinen Unfall mehr. Da ich lieber selbst ein Auge darauf habe, was in Sachen Sicherheit und Gesundheit läuft, habe ich keine Sicherheitsfachkraft bestellt, sondern das Angebot des Unternehmermodells angenommen. Beim Gesundheitsschutz betreut uns die StBG. Das Audiomobil kommt auch regelmäßig vorbei, so dass die Mitarbeiter vor Ort untersucht werden können.

 

Gerd Götze  

Gerd Götze, Werksleiter u. Prokurist der TBG Transportbeton Guben GmbH & Co. KG,
03172 Guben

Ich bin für elf Mitarbeiter verantwortlich und nehme schon seit 1997 am Unternehmermodell teil. Die Seminare sind inhaltlich sehr gut und machen Spaß. Die Weiterbildungsseminare geben immer wieder Anschub, sich mit der Sicherheit im Betrieb auseinanderzusetzen. Der Blick für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz ist geschult. Außerdem kann ich jetzt Gefahrenpunkte im Betrieb schneller erkennen. Im EXPO-Seminar sind die gemeinsamen Ansatzpunkte mit den Technischen Aufsichtsbeamten der StBG gut herausgearbeitet worden und vor allem hat mir die Diskussion über die Rolle der StBG als Dienstleister für die Betriebe gefallen.

 

Ferdinand Waclawski  

Ferdinand Waclawski, Geschäftsführer der Dyckerhoff Transportbeton Potsdam GmbH & Co. KG,
14427 Potsdam

Bei dem Gedankenaustausch mit anderen Kollegen wie hier im EXPO-Seminar erfährt man, wie in anderen Betrieben das Unternehmermodell umgesetzt wird. Ich bin von Anfang an dabei, nämlich seit 1995. Eher neu und sehr gut finde ich die selbstkritische Frage der StBG nach ihrer zukünftigen Entwicklung und einer Verstärkung des Dienstleistungscharakters. Dies haben wir als zahlende Mitglieder mit den Seminarleitern konstruktiv diskutiert. Die Teilnahme am U-Modell hat ganz deutlich bewirkt, dass im Betrieb strenger auf die Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften geachtet wird und die Mitarbeiter diese bereitwilliger einhalten. Dass mit mir ein geschulter Mann vor Ort ist, ermöglicht auch gezielte Prävention. Das sehen die Konzern-Geschäftsführung und die Mitarbeiter sehr positiv.

 


Gruppenbild mit Dame: Die Teilnehmer des EXPO-Unternehmer-Seminars (UN 4) vor dem Burghotel im ostwestfälischen Blomberg Unternehmerin Diana Schuler und Wolfgang Pohl, Technischer Aufsichtsbeamter bei der StBG, testen im Erlebniscontainer ihr Wissen rund um das Thema "Hören"
Gruppenbild mit Dame: Die Teilnehmer des EXPO-Unternehmer-Seminars (UN 4) vor dem Burghotel im ostwestfälischen Blomberg Unternehmerin Diana Schuler und Wolfgang Pohl, Technischer Aufsichtsbeamter bei der StBG, testen im Erlebniscontainer ihr Wissen rund um das Thema "Hören"




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