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Fahrprofis auf dem Test-Parcours

Die Berufskraftfahrer der StBG haben beim Sicherheitstraining viel dazugelernt

Dieter Bullmann gibt Gas und steuert den 7,5-Tonner auf den nassen Hindernis-Parcours zu. Nachdem er das Ausweichen schon erfolgreich geübt hat, ist die Spannung gewichen. Doch Fahrtrainer Wilfried Bock auf dem Beifahrersitz stellt eine Zusatzaufgabe: "Nun rechnen Sie mir bitte eine Zahlenreihe vor: 3 + 4 = 7 - 3 = 4 und so weiter, während der ganzen Fahrt." Bullmann zählt locker bis zur 9, dann kommt die Pause auf der nassen Bahn gerät der Lkw ins Rutschen und nimmt zwei rote Hindernisse mit. Bullmann tritt verwirrt auf die Bremse. "Das gibt es doch nicht, ich habe zwei entscheidende Fahrfehler gemacht und rechnen konnte ich auch nicht mehr!"

7,5-Tonner

Seinen Kollegen bei diesem Fahrsicherheitstraining, alle Berufskraftfahrer im Dienst der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, geht es nicht besser. "Eine schwierige Situation meistern und gleichzeitig auf etwas anderes konzentrieren , das geht einfach nicht", bilanziert Lothar Potschka, der sonst das Audiomobil zu den Unternehmen steuert.

Bock ist zufrieden; genau diese Tatsache wollte er den Männern bewusst machen. "Telefonieren Sie im Wagen zum Beispiel, kann Ihre volle Aufmerksamkeit nicht mehr der Straße gelten.

Denn der Mensch kann nur drei über die Sinne aufgenommene Informationen pro Sekunde verarbeiten. Sind es mehr, ist unser Speicher voll und wir machen zwangsläufig Fehler." Daran ändere auch eine Freisprechanlage oder große Fahrpraxis überhaupt nichts.

Das kann Wolfgang Pohle, bei der StBG zusammen mit Frank Weidlich für das Navigieren des 18 Meter langen Röntgenmobils zuständig, nur bestätigen. Trotz 2,5 Millionen gefahrener Kilometer in seiner Laufbahn findet er es sehr eindrucksvoll und wichtig, die eigenen Grenzen wieder kennenzulernen.

Die Fahrer der StBG frischen die theoretischen Kenntnisse der Fahrphysik auf

Ihr theoretisches Wissen haben die Fahrer ebenfalls aufgefrischt. Wilfried Bock legte dabei einen der Schwerpunkte auf die Kräfte, die auf die Räder einwirken. Die wichtigste Schlussfolgerung nach genauer Analyse von Gewichtskraft, Umfangskraft und Seitenführungskraft lautete: Im Notfall nicht nur bremsen, sondern vor allem kuppeln! Wichtige Tipps für das Fahren bei schwierigen Straßenverhältnissen in Herbst und Winter gab es auch. Bock warnte vor der vermeintlich größeren Sicherheit beim Anti-Blockier-System (ABS). Das Kurvenverhalten sei nicht besser und der Bremsweg durch ABS nicht kürzer, sondern bei Rollsplitt oder Schnee sogar wesentlich länger. Alle StBG-Fahrer waren sich nach einem Tag "Fahrschule für Profis" einig: Das Sicherheitstraining zeigt die Risiken vermeintlicher Fahrroutine auf und macht fit für schwierige Situationen auf der Straße. Deshalb wünschen sie sich im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder eine Auffrischung. Dann wollen die Fahrer auch die Zugmaschine des StBG-Röntgenmobils mitbringen; damit sie den 28-Tonner bald noch sicherer zu den Betrieben navigieren können.

Gruppenfoto des Teams mit Trainer
Das Sicherheitstraining mit dem Lkw
hat die StBG-Berufskraftfahrer zwar
ein paar Schweißperlen gekostet,
aber auch viel Spaß gemacht
(von links): Trainer Wilfried Bock
(Bock-Verkehrssicherheitsprogramme,
Lauenau), Dieter Bullmann, Wolfgang
Pohle, Wolfgang Opitz, Lothar Potschka,
Andreas Günther

Heidrun Becker, StBG





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