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Zum Nachdenken:

Bedarfsgerechte Beratung Fluch oder Vision?

Das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) schreibt den Sicherheitsfachkräften und Betriebsärzten u. a. die Beratung von Unternehmern und Versicherten in ihren Aufgabenkatalog. Nun führen wir in Deutschland zurzeit eine heftige Diskussion, wie Beratung praktiziert werden soll. Der bisher übliche Weg war: BG-Vorschriften legen Einsatzzeiten in Stunden pro Betrieb fest, die abhängig sind von der Zahl der Beschäftigten, der Branche und im Idealfall von verschiedenen Gefährdungspotenzialen. Dies führt zu einem von außen verordneten, jährlichen Beratungspaket, das den individuellen Verhältnissen in einzelnen Unternehmen kaum Rechnung tragen kann.

Auf der anderen Seite wird im Rahmen von alternativen Umsetzungsstrategien des Arbeitssicherheitsgesetzes, die vor allem für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt werden, vermehrt der Begriff "bedarfsgerechte Beratung" verwendet. Um diese beiden scheinbaren Gegensätze bedarfsgerechte Beratung oder Regelberatung nach festen Einsatzzeiten hat sich jetzt ein heftiger Disput entwickelt. Es wird unterstellt, dass bedarfsgerechte Beratung im Betrieb quasi nicht stattfindet. Die Frage aber ist, ob Beratungsdienstleistung nicht gerade nur dann die erforderliche Akzeptanz finden kann, wenn sie bedarfsgerecht stattfindet. Kann es tatsächlich eine sinnvolle Beratung geben, die mit der Stoppuhr geplant wird und nicht dann stattfindet, wenn ein Bedarf vorliegt? Ist diese so geplante jährliche Regelberatung nicht sogar ein Widerspruch in sich?

Werfen wir einen Blick über die Grenzen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Immer dort, wo die Einsicht besteht, dass externe Dienstleistung, also Beratungskompetenz, erforderlich ist, wird diese von Unternehmern auch in Anspruch genommen. Zum Beispiel beim Umgang mit dem Finanzamt durch den Steuerberater, z. B. bei der Planung von Neuanlagen durch Ingenieurbüros, bei der Einführung von Qualitätsmanagement-Systemen, bei der Planung von Abbauerweiterungen oder Standfestigkeitsgutachten oder bei der Klärung von Rechtsfragen oder Vertragsgestaltungen.

Muss also das Ziel nicht vielmehr lauten, die Dienstleistungsangebote und den Nutzen der Arbeitsmedizin so plausibel und deutlich zu formulieren, dass ein mündiger Unternehmer, der sich seiner Verantwortung bewusst ist, dem gesunde und damit arbeitsfähige Mitarbeiter wichtig sind, der auch wirtschaftliche Beziehungen zwischen arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Dienstleistung und erfolgreicher Unternehmensführung erkennt, dies akzeptiert? Genau diese Strategie hat doch gerade in großen Konzernen und Unternehmen dazu geführt, betriebsärztliche Abteilungen einzurichten, noch bevor das Arbeitssicherheitsgesetz dies verbindlich für alle verordnete!

Ich meine, es ist an der Zeit, die Dienstleistungsangebote der Arbeitsmedizin nach Bedarf und Nutzen zu formulieren und somit der Arbeitsmedizin insgesamt ein zeitgemäßes modernes Image zu geben. Aus dieser Sicht ist die bedarfsgerechte Beratung im Rahmen der "Alternativen Arbeitsmedizinischen Betreuung" zukunftsweisend und erhöht den Stellenwert der Arbeitsmedizin in der Zukunft. Zwangsverordnete Untersuchungen und Aktivitäten werden mehr und mehr der Vergangenheit angehören dies gilt es jetzt zu erkennen! Gerade auch unser Informations- und Medienzeitalter bietet vielfältige neue Wege, zu Problemlösungen zu kommen. Beratungsdienstleistung kann heute über Medien, über das Internet oder direkt im Betrieb in Anspruch genommen werden. So wird es möglich, auf einer bedarfsorientierten Grundlage maximalen Nutzen für die Unternehmen und die Versicherten zu erzielen. Natürlich: Voraussetzung ist immer ein informierter, aufgeschlossener und motivierter Unternehmer und genau dies ist das Ziel der "Alternativen Arbeitsmedizinischen Betreuung"!

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG, Tel. 05 11/72 57-9 70, Fax /72 57- 791





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