www.steine-und-erden.net > 2000 > Ausgabe 5/00 > Schwerste Verletzungen durch mangelhafte Deckung

[Die Industrie der Steine + Erden]






Schwerste Verletzungen durch mangelhafte Deckung

Ein Sprengberechtigter hatte den Auftrag, drei fast gleich große Knäpper (Volumen je Stein ca. 30 m3) zu sprengen. Wegen der Größe der Steine konnte bisher kein freier Zugang zum Haufwerk geschaffen werden und der Einsatz einer Fallkugel war nicht möglich.

Als der Sprengberechtigte die Knäpper ausgemessen und Bohransatzpunkte und -richtung festgelegt hatte, wurden alle drei circa zwei Meter tief angebohrt. Der Sprengstoff und die Zünder brachte der Sprengberechtigte selber in die Bohrlöcher ein.

Die Sprengstoffkalkulation von je 1,3 kg Ammongelit auf 30 m3 Kalkgestein war nicht überdimensioniert (spezifischer Sprengstoffbedarf ca. 44g/m3). Das gewählte elektrische Zündverfahren in einer Reihenschaltung entsprach der üblichen Praxis. Als Besatz wurde Sand gewählt.

Nachdem der Sprengberechtigte sich überzeugt hatte, dass die Sprengstelle frei von Personal und Maschinen war, begab er sich circa 94 Meter entfernt seitlich hinter einen Radlader in Deckung.

Hier konnte er den linken und mittleren Knäpper überblicken. Nachdem er von dort aus die vorgeschriebenen Sprengsignale gab, kniete er neben der Zündmaschine nieder und löste die Sprengung aus.

Nach Schilderungen eines Augenzeugen, der die Sprengung in 300 Meter Entfernung beobachtete, wurde der Sprengberechtigte von einem wegfliegenden Stein am Unterarm und Oberkörper getroffen. Durch die Wucht des Aufpralles wurde er zwei Meter weit davongeschleudert.

Der Sprengberechtigte erlitt so schwere Verletzungen am linken Unterarm, dass dieser später im Krankenhaus amputiert werden musste.


Unfallskizze


Unfallort

 

Unfallursachen
  • Der Sicherheitsabstand zur Sprengstelle war mit 94 Metern nicht weit genug gewählt worden.
  • Der vorhandene Zündbunker, der sich auf der gleichen Sohle in circa 200 Metern Entfernung befand, wurde aus unerklärlichen Gründen nicht benutzt. Vielmehr wurde die Sprengung einen Meter seitlich eines Radladers mit freier Sicht auf zwei Knäpper ausgelöst.
  • Der Bohrlochverlauf in den Knäppern wurde nicht überprüft. Eine zu geringe Vorgabe führte wahrscheinlich zum Steinflug.




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 5/00 | Zurück zu unserer Homepage