www.steine-und-erden.net > 1999 > Ausgabe 4/99 > Rohstoffgewinnung

[Die Industrie der Steine + Erden]






Rohstoffgewinnung

Modellandschaft statt Konflikt?
  • Steine und-Erden-Industrie als Hersteller mineralischer Baustoffe entscheidend von Verfügbarkeit heimischer Rohstoffe abhängig
  • "Standort Deutschland" für Branche keine Leerformel, sondern unabdingbares und unabänderliches Essential.

Die Steine und Erden-Branche stellt nach Worten von Dr. Wolfgang Mack, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Steine und Erden e.V., Frankfurt, "einen wichtigen Schlüsselfaktor für das Bauen und somit für das gesamtwirtschaftliche Wachstum dar". Dies gelte auch im europäischen Gesamtvergleich: Baustoffindustrie und Baustoff-Sektor zählen zu den bedeutendsten Industriebereichen, wobei Deutschland einen Umsatzanteil an europäischen Baustoffen von über 25 % stellt. Nahezu 90 % des Absatzes wird national im Bausektor verbraucht. Die Bandbreite des gesamten Absatzmarktes der Produkte reicht vom Bau über die Stahlindustrie, die Feuerfest- und keramische Industrie bis hin zu Arzneimitteln, Farben, Kunststoffen, Glas und Computer.
Nach Fördermengen liegt die Steine und-Erden-Industrie (Abb.) mit rund 750 Mrd t (1998) an zweiter Stelle hinter dem Wasser - andere Rohstoffe folgen mit erheblichem Abstand. Verstärktes Umweltbewußtsein und die Optimierung von Gewinnungsverfahren der Steineund Erden-Industrie führten dazu, daß diese Jahrestonnenproduktion auf nur ca. 0,5 % der Fläche der Bundesrepublik Deutschland gefördert wird. Zum größten Teil werden diese Flächen anschließend wieder rekultiviert der Natur zurückgegeben. Dr. Mack betonte in diesem Zusammenhang: "Entgegen landläufiger Meinung ist die Bundesrepublik nicht zugebaut - 83,5 % des Bodens werden land- und forstwirtschaftlich genutzt".
Der Hauptgeschäftsführer bedauerte die trotz dieser Tatsachen enormen Schwierigkeiten, die heimischen Ressourcen als Vorrangflächen verfügbar zu halten. Noch größere Probleme stellten sich den Betrieben, wenn Bodenschätze konkret gewonnen werden sollten. Dies hänge zum einen mit dem sogenannten "nimby-Effekt" - not in my back yard - zusammen. Entscheidend sei aber die derzeit vielerorts verbreitete Auffassung von Naturschutz und Landschaftspflege. Demnach seien Natur und Landschaft, wann immer möglich, vor Eingriffen zu schützen. Dieser Schutzgedanke sei vielfach zu eng. Er berücksichtige nicht, daß es sich meist um von Menschenhand geformte, gewachsene Kulturlandschaften mit unterschiedlichen Schutzpotentialen handelt. Überwiegend enge naturschutzfachliche Wertungen verstellen den Blick auf das Ganze und damit auch auf positive Effekte, welche die Steine und Erden-Unternehmen bieten.Zur Lösung dieser gewissermaßen "traditionellen" Konfliktpotentiale ist die Steine und-Erden-Industrie einen neuen Weg gegangen. "Nach unserer Auffassung ist Ressourcen-Management vorrangig vor der Festlegung von Ressourcenschonung zu betreiben. Dazu bieten wir beteiligten Kreisen, Behörden und Politikern einen konstruktiven und offenen Dialog an", betont Dr. Wolfgang Mack. Formuliertes Ziel sei, "die landschaftserhaltenden und gestalterischen Möglichkeiten der Industrie vor, bei und während sowie im Anschluß an Gewinnungsmaßnahmen in Planung und Genehmigung mit einzubeziehen". Als Ansatzpunkt sieht der Verband das europäisch veranlaßte und in Deutschland jetzt in Umsetzung befindliche "Konzept Natura 2000, Flora, Fauna Habitat (FFH)" sowie das UNESCO-Programm "Biosphären-Reservate". Im Detail gehe es darum, großflächige Schutzgebiete und Verbundnetzsysteme für das "Schutzgut Arten und Lebensräume" auszuweisen.Im Sinne nachhaltiger Aufklärung habe der Steine und Erden-Verband mit großem Erfolg und breiter Öffentlichkeitsbeteiligung kürzlich zu dieser Thematik mit Experten einen Workshop durchgeführt. In einem weiteren Schritt unterzeichnete die "Arbeitsgruppe der Biosphären-Reservate der Bundesländer" und die Steine und Erden-Industrie eine gemeinsame Erklärung.

  1. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe der Biosphären-Reservate in Deutschland und die Vertreter der Steine und Erden-Industrie stellen fest, daß sowohl die endliche Ressource Steine und Erden als auch das Schutzgut Arten und Lebensräume einer zunehmenden Verknappung unterliegen. Beide Güter sind standortgebunden. Eine nachhaltige Entwicklung muß von langen Planungszeiträumen ausgehen.
  2. Die Beteiligten sehen gemeinsam den dringenden Handlungsbedarf zur Konkretisierung und Operationalisierung des Begriffs "Nachhaltige Entwicklung" im Bezug auf die Sicherung und Nutzung dieser endlichen Ressourcen.
    Eine Lösung dieses Spannungsfeldes kann dauerhaft nur zustande kommen, wenn folgende Grundsätze eines konstruktiven Dialogs gewahrt werden:
    • Vollständige und frühzeitige gegenseitige Information der Betroffenen über Tatsachen und Absichten,
    • Fairness im Umgang untereinander und vor Dritten
  3. Die Potentiale der Steine und-Erden-Industrie zur Mitgestaltung in einer dynamischen Entwicklung der Kulturlandschaft sollen ausgeschöpft werden.
  4. Biosphären-Reservate können auch Modellandschaften für eine nachhaltige Lösung des Konfliktes Rohstoffsicherung und Naturschutz sein.

Dr. Mack: "Die Ungewöhnlichkeit der Erklärung ergibt sich aus dem Konsens über Endlichkeit und Verknappungstendenzen der jeweiligen Güter, deren Standortgebundenheit, der Notwendigkeit nachhaltiger Entwicklung, der Konfliktlösung Rohstoffsicherung und Naturschutz in einer Modellandschaft - also einer dynamischen Entwicklung der bestehenden Kulturlandschaft". Ähnlich konsensfähige Resultate würden mit Vertretern der Länder, des Bundes für Raumordnung und Landesplanung sowie der Ministerkonferenz (MKRO) angestrebt. Ziel sei die "Rohstoffgewinnung als Potential zur Sicherung, Förderung und Gestaltung des Naturschutzes und der vielfältigen Belange von Raumordnung und Landesplanung".


Rohstoffgewinnung - Modellandschaft statt Konflikt (Foto Bundesverband Steine und Erden)





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