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[Die Industrie der Steine + Erden]






Neues Merkblatt der StBG für den sicheren Baustellen-Einsatz von Auto-Betonpumpen

Beton pumpen - aber sicher!

Dipl.-Ing. U. Pätzold


Betonpumpe


1 - Ein Unfallbrennpunkt!

In der Branche der Betonpumpendienste waren in den Jahren 1997 und 1998 überdurchschnittlich viele Arbeitsunfälle zu verzeichnen. Mit 154 Arbeitsunfällen pro 1000 Beschäftigten liegt die Unfallhäufigkeit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, die eine Unfallhäufigkeit von ca. 75 Unfällen je 1000 Beschäftigten aufweisen. Auch die vergleichbare Betriebsart der Transportbetonindustrie liegt mit einer Unfallhäufigkeitsrate von 82 deutlich niedriger als die Betonpumpendienste (vgl. H. Werner, S+E 6/1998). Hinzu kommt eine hier nicht erfasste Anzahl von Arbeitsunfällen beim Einsatz von Auto-Betonpumpen, bei denen Mitarbeiter auf Baustellen verletzt wurden, und die nicht bei der StBG, sondern bei den Bau-Berufsgenossenschaften gemeldet wurden.
Diese Unfallstatistik ist für die StBG Anlass, nach neuen Wegen zu suchen, um durch technische und organisatorische Maßnahmen den Sicherheitsstandard zu erhöhen. Die Analyse der Unfallursachen zeigt zwei Gruppen von Unfällen:

  • Die zahlenmäßig größere Gruppe bilden Unfälle, bei denen der Pumpenmaschinist beim Fahren, Bedienen, Reinigen oder Warten der Maschine verletzt wurde. Quetschungen durch bewegte Maschinenteile und Abstürze von der Maschine, insbesondere beim Reinigen, sind häufige Ursachen.
  • Die zweite Gruppe enthält Unfälle, die durch ungünstige Bedingungen auf den Baustellen zumindest mitverursacht wurden. Ungeeignete Aufstellorte oder sicherheitswidrige Anforderungen führten oft zu schweren und tödlichen Unfällen, z. B. durch Umstürzen der Maschine.Im folgenden sollen besonders diese Baustellenunfälle behandelt werden. Aus der Schilderung einiger typischer Unfallbeispiele werden die Ursachen beleuchtet und Lösungsansätze vorgestellt.

2 - Unfälle beim Baustelleneinsatz

Umstürzende Betonpumpe erschlägt BauarbeiterZum Betonieren einer Kellersohle war eine Betonpumpe mit 48 m Reichweite am Rand der geböschten Baugrube aufgestellt worden. Nachdem einige m3 Beton bei voller Ausladung des Verteilermastes in die hintere Ecke der Sohle gepumpt waren, brach der Untergrund unter der grubennächsten Abstützung plötzlich ein. Der in die Grube stürzende Verteilermast verursachte tödliche Verletzungen des Schlauchführers.Dem Betonpumpenmaschinisten war auf der Baustelle eine betonierte Fläche am Rand der Grube zugewiesen worden. Trotz eines lastverteilenden Unterbaus aus Kanthölzern konnte der Untergrund die Belastung - max. Stützkraft 26 Tonnen - nicht aufnehmen.

Kontakt mit Freileitung - mit viel Glück überlebt
Auf einer Hochbaustelle war der Pumpenmaschinist am frühen Morgen bei Dunkelheit und Regen eingetroffen, um die Betonierarbeiten an einer Geschoßdecke vorzubereiten. Vom Wachdienst erhielt er einen Stellplatz auf der Baustellenstraße neben dem Gebäude zugewiesen. Nachdem er die Maschine abgestützt hatte, begann er den Verteilermast aufzurichten. Hierbei geriet der Mast zu nahe an die vom Maschinisten unbemerkte 110 kV - Freileitung, die parallel zur Baustraße verlief. Da er die Funkfernsteuerung auf einem Stützausleger abgestellt hatte, erlitt der Maschinist durch den abfließenden Strom Verbrennungen an beiden Händen. Nur dem glücklichen Umstand, dass ein Stützausleger einen Verteiler-Container berührte, der den größten Teil des Stromes abführte, war es zu verdanken, dass nur ein Teilstrom über die Person abfloss und ein tödlicher Stromschlag ausblieb.

Einseitig abgestützt - Auto- Betonpumpe kippte um
Mit einer 32-m-Pumpe sollte im 3. Obergeschoß eines Bürogebäudes eine Decke betoniert werden. Infolge beengter Platzverhältnisse auf der Baustelle musste die Maschine seitlich in der Weise neben dem Gebäude aufgebaut werden, dass nur die beiden bauwerksseitigen Stützausleger in voller Länge ausgefahren wurden. Die gegenüberliegenden Ausleger wurden weniger als zur Hälfte ausgefahren. Da nur einseitig gepumpt werden musste, entschied sich der Maschinist für diese sicherheitswidrige Aufstellung.Als während des Pumpvorgangs eine Verstopfung in der Förderleitung auftrat, schwenkte er den Mast doch auf die andere Seite, um bei heruntergeschwenktem Mast die Verstopfungsstelle zu orten. Hierbei geriet der Mastschwerpunkt zu weit über die zu kurze Abstützung hinaus und die Maschine kippte um. Der auf dem Boden aufschlagende zweite Mastarm verfehlte einen mit Personal besetzten Baustellencontainern nur um wenige Meter.

Schlagender Endschlauch verletzt Bauarbeiter schwer
Kurz nach dem Anpumpen schlug der 4 m lange Endschlauch einer Auto-Betonpumpe zweimal unkontrolliert umher. Der Schlauchführer, der den Endschlauch gerade umfassen wollte, um ihn an den Rand der Deckenschalung zu führen, wurde vom Ende des Schlauches am Kopf getroffen. Das metallische Reduzierstück am Schlauchende verursachte schwere Kopfverletzungen, die bei einem freien Schlauchende weitaus geringer gewesen wären. Ursache für das Umherschlagen des Schlauches waren vermutlich Lufteinschlüsse in der Betonfördersäule beim Anpumpen.Die aufgeführten Unfallbeispiele haben sicherlich jeder für sich mehrere Einzelursachen, die sowohl in sicherheitswidrigen Arbeitsbedingungen auf den Baustellen als auch in unzulässigen Arbeitsweisen der Maschinisten zu suchen sind. Allen Unfällen ist aber eines gemeinsam: Eine bessere Koordination des Einsatzes vor Arbeitsbeginn hätte die risikoreichen Situationen vermeiden können. Zu den Fragen, die bereits im Vorfeld abgestimmt werden müssen, zählen z.B.:

  • Sind elektrische Freileitungen auf der Baustelle vorhanden?
  • Liegen Information über Maschinengewichte, Abmessungen und Reichweiten vor?
  • Ist bekannt, ob der Untergrund die Stützdrücke sicher aufnehmen kann?
  • Hat das Baustellenpersonal über die besonderen Gefahren beim Pumpen von Beton ausreichende Kenntnisse?

3 - Das neue Merkblatt "Betonpumpen - aber sicher!"

Viele Bestimmungen zum sicheren Umgang mit Auto-Betonpumpen finden sich im berufsgenossenschaftlichen Regelwerk und in den Betriebsanleitungen der Hersteller. Gerade auf kleineren Baustellen sind diese Regeln jedoch kaum bekannt, ein Bewusstsein über die Gefahren ist vielfach nicht vorhanden. Ein ausgebildeter, unterwiesener und erfahrener Maschinist, der die Sicherheitsregeln kennt und deren Gründe versteht, trifft auf den Baustellen oftmals auf Randbedingungen, die einen sicheren Pumpeneinsatz fraglich erscheinen lassen. Vertrauend auf seine Erfahrungen und richtigen Reaktionen und auch mit dem Willen, den Auftrag trotzdem auszuführen - die Konkurrenz wartet nur auf ihren Einsatz - wird oft dennoch versucht, diesen Einsatzbedingungen mit besonderer Vorsicht gerecht zu werden.

Merkblatt

Die Steinbruchs-BG hat daher jetzt ein Informationsblatt herausgegeben, mit dem die gegenseitige Information und Kommunikation zwischen Betonpumpenbetreiber, -maschinist, Baustellenleitung und -personal über wichtige Sicherheitsanforderungen verbessert werden soll. In dem achtseitigen Merkblatt "Betonpumpen - aber sicher!" (Abb. 1) werden typische Unfallgefahren und erforderliche Sicherheitsanforderungen in Bild und Text erläutert.
Merkblatt (93,7 KB) Ein weiteres in abwaschbarer Folie eingeschweißtes "Merkblatt (Abb. 2) für den Einsatz von Betonpumpen" ergänzt diese Regeln durch die bildliche, plakative Darstellung von Grundforderungen. Beide Schriften stellen auch die Verantwortlichkeiten von Betonpumpenmaschinist und -Einsatzleitung auf der einen und Baustellenleitung auf der anderen Seite heraus. Mit beiden Merkblättern sollen die Kenntnisse der speziellen Gefahren und der daraus resultierenden Forderungen zur Unfallverhütung auch auf den Baustellen verbessert werden, um dort frühzeitig die Rahmenbedingungen für einen sicheren Einsatzes zu gewährleisten.

Das Merkblatt behandelt folgende Themen:

Zufahrt zur Pumpstelle

Maschinengewichte (im Einzelfall über 40 to Einsatzgewicht) erfordern feste und tragfähige Fahrwege, insbesondere bei Fahrten neben Baugruben und Böschungen müssen Sicherheitsabstände eingehalten werden, freie Durchfahrtshöhen sind ebenfalls zu gewährleisten (Abb. 3).

Zufahrt zur Pumpstelle

Aufstellort der Betonpumpe

Am Aufstellort müssen die Flächen zur vollständigen Abstützung vorbereitet sein. Der Untergrund muss ausreichende Tragfähigkeit besitzen, der zulässige Bodendruck muss dem Maschinisten mitgeteilt werden, damit er den erforderlichen lastverteilenden Unterbau vornehmen kann (Abb. 4).

Unterbau

Wegen der hohen Stützkräfte unter den Abstützungen müssen Abstände zu Baugruben eingehalten werden, ggf. nach statischer Berechnung. Auch hier hat die Bauleitung großen Einfluss; eine frühzeitige Abstimmung über den erforderlichen Randabstand ist entscheidend für die erforderliche Reichweite der Betonpumpe (Abb. 5).



Reichweite der Betonpumpe

Elektrische Freileitungen

Während der Betonpumpen-Maschinist dank der heute üblichen Funkfernsteuerung bei Annäherung oder Kontakt mit einer Freileitung kaum gefährdet ist, sind Betonierer und Schlauchführer hierbei in tödlicher Gefahr. Nur die Einhaltung von Mindestabständen (5 m) oder die Freischaltung der Leitung (auf Veranlassung der Bauleitung) können Spannungsüberschläge sicher verhindern (Abb. 6).

Mindestabstand

Auch hier müssen mögliche Gefahren bereits vor Ankunft der Maschine auf der Baustelle allen Beteiligten bekannt sein. Wenn der Sicherheitsabstand nicht zuverlässig eingehalten oder die Leitung nicht freigeschaltet werden kann, darf die Maschine nicht aufgestellt und betrieben werden.

Gefahren am Endschlauch

Description Beim Anpumpen, beim plötzlichen Lösen eines Verstopfers oder beim Ansaugen von Luft im nicht ganz gefüllten Aufgabetrichter kann der Endschlauch umherschlagen und durch seine Masse incl. Betonfüllung Verletzungen hervorrufen. Der Maschinist weiß, wann diese Gefahr besteht und wird das Personal entsprechend warnen. Deswegen ist seinen Anweisungen unbedingt Folge zu leisten (Abb. 7).
Noch gefährlicher wird ein schlagender Endschlauch, wenn Verlängerungen oder feste Einbindungen am Schlauchende vorhanden sind. Diese sind daher ausdrücklich verboten, wenn der Endschlauch von Hand geführt wird. Ein sicherheitsbewusster Maschinist lehnt Anforderungen der Baustellen nach derartigen Einbindungen (z. B. Reduzierstücke, Bögen) ab und weist auf die Gefahren hin.

Verantwortung
Merkblatt (77,6 KB) In beiden Schriften wird deutlich auf die Verantwortlichkeiten der Einsatzleitung, des Maschinisten und der Baustellenleitung eingegangen (Abb. 8). Hieraus ergeben sich die Zuständigkeiten der genannten Personen. Allzuoft werden diese allein dem Maschinisten überlassen, nachdem dieser auf der Baustelle eingetroffen ist. Die Aufstellgenehmigungen bei Einschränkung des öffentlichen Straßenverkehrs und frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem Energieversorgungsunternehmen zur Freischaltung von Freileitungen fallen in den Aufgabenbereich der Bauleitung. Diese muss dem Maschinisten die Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen ermöglichen. Natürlich bleibt der Maschinist verantwortlich für den sicheren Zustand und den Betrieb seiner Maschine und er muss Gefährdungen z. B. für die Betonierer am Endschlauch erkennen und vermeiden sowie durch Hinweise auf deren sicheres Verhalten achten. Aber er darf sicherheitswidrigen Anfor-derungen nicht nachkommen und muss ggf. nach Rücksprache mit seiner Einsatzleitung den Einsatz ablehnen. Dem Betonpumpenbetreiber (Unternehmer, Einsatzleitung,) bleibt die Verantwortung dafür, seine Mitarbeiter in der sicheren Ausführung ihrer Aufgaben auszubilden und zu unterweisen und ihnen die notwendige Unterstützung und Rückendeckung zu geben, wenn sie aufgrund von Sicherheitsbedenken einen Auftrag nicht ausführen können.

4 - Verwendung auf der Baustelle

Das Merkblatt soll dazu dienen, den Informationsaustausch zwischen Disposition, Maschinist und Baustelle/Bauleitung über sicherheitsrelevante Bedingungen zu verbessern. Es wird daher in größerer Stückzahl allen Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-BG, die Betonpumpen betreiben, zur Verfügung gestellt. Die Bau-Berufsgenossenschaften werden das Merkblatt auch auf den Baustellen verbreiten. Zudem erhalten Ausbildungsstätten für Bauberufe die Schriften zur Verwendung in Lehrgängen für Bauleiter und Poliere.

Das Merkblatt

  • kann sowohl der eigenen Disposition als auch der Bauleitung als "Checkliste" dienen, indem die enthaltenen Probleme bereits bei Auftragsvergabe abgeklärt werden.
  • Es soll auch dem Betonpumpenmaschinisten die typischen Baustellengefahren und seine Verantwortung für den sicheren Arbeitsablauf in Erinnerung rufen.
  • Außerdem wird das Merkblatt sowohl der Bauleitung als auch deren Personal Informationen über die besonderen Gefahren durch Auto-Betonpumpen und die daraus resultierenden Sicherheitsanforderungen vermitteln.
  • Auch kann es dem Maschinisten, der einige Exemplare zur Verteilung auf der Baustelle mit sich führt, helfen, über sicherheitswidrige Bedingungen am Einsatzort aufzuklären und riskante Anforderungen mit dem Hinweis auf verbotene Arbeitsweisen abzulehnen.

Eine wesentliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Einsatz einer Auto-Betonpumpe ist die Vermeidung von Störungen und Verzögerungen. Dies muss weitestgehend bereits bei der Planung geschehen. Nur die konsequente Einhaltung von Betriebsanleitungen und der Sicherheitsvorschriften kann gewährleisten, dass schwere Unfälle vermieden werden. Die rechtzeitige Schaffung sicherer Einsatzbedingungen ist ein wesentlicher Beitrag hierzu.

Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





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