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Aktives Sicherheitssystem macht Tischkreissägen "kindersicher"

Mit einem Sicherheitssystem für Tischkreissägen haben zwei Hamburger Tüftler - Jan Nieberie (20) und Sebastian Hauer (21) - beim Wettbewerb "Jugend forscht" den Bundespreis in der Sparte "Arbeitswelt" gewonnen. Die Berufsgenossenschaften sehen in diesem hochmodernen Arbeitsgerät einen enormen Fortschritt für die Arbeitssicherheit am Bau.

Kreissägen gehören zu den wichtigsten und zugleich gefährlichsten elektrischen Maschinen auf der Baustelle. Laut Unfallstatistik ereignen sich Jahr für Jahr in Deutschland rund 14 500 meldepflichtige Unfälle mit Tisch- und Baukreissägen. Rund 650 dieser Unfälle führen zu einer Rente. Gefahrenquelle Nummer eins ist das Sägeblatt. Die zweithäufigste Unfallursache sind wegfliegende Bruchstücke, die Hände, Kopf und Augen schwer verletzen können. In beiden Fällen sind die Schutzhauben entweder mangelhaft oder gar nicht vorhanden.

Die Schutzhauben an handelsüblichen Kreissägen sind zumeist nicht optimal konstruiert: Sie decken das Sägeblatt nicht vollständig ab. Außerdem verhindern sie die direkte Sicht auf den Schnittpunkt. Das neuentwickelte aktive Sicherheitssystem löst nicht nur dieses Problem: Ein in die Schutzhaube integrierter Laser projiziert eine rote Schnittlinie auf das Werkstück, das dadurch bequem ausgerichtet werden kann. Außerdem wird damit die Gefahrenzone für die Hand angezeigt. Ein elektronisch gesteuertes Hubgetriebe paßt die Höhe der Schutzhaube automatisch der Größe des Werkstücks an. Das macht die Schutzhaube so komfortabel, daß keiner mehr auf die Idee kommt, sie abzumontieren.

"Das Kernstück der neuen Kreissäge ist ein "intelligenter" Handerkennungssensor, der zwischen dem Holzwerkstück und einer Hand unterscheiden kann. In der gefährlichen Zone baut der Sensor ein elektrisches pulsierendes Feld auf, das durch Werkstück und Hand unterschiedlich beeinflußt wird", erklärt Sebastian Hauer. Wenn die Hand dem Sägeblatt zu nahe kommt, "spürt" der Sensor sie "auf" und meldet dies an einen pneumatischen Zylinder, der den Motor mitsamt Sägeblatt blitzschnell unter den Arbeitstisch zieht. Mit dieser Sicherheitstechnologie könnten schwere Schnittverletzungen durch Kreissägen endgültig der Vergangenheit angehören.

Besonders erfreulich: Die Zusatzausrüstung soll in der Serienproduktion Mehrkosten von nur 1000,- DM verursachen. Damit sind die eventuellen Kosten eines Kreissägeunfalls mehr als aufgewogen.



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