Industrienachrichten

Jahrestagung des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie (BVK)

Verhaltene Aussichten

Der Vorsitzende Dr. Thomas Stumpf, Mitglied der Geschäftsführung der Fels-Werke in Goslar, erläuterte das Jahresmotto des Tages des offenen Steinbruchs 2015 „Kalkindustrie – Industrie vor Ort“. Er unterstrich nicht nur die Wertschöpfung, die Arbeits- und Ausbildungsplätze für die jeweilige Region, sondern auch das vielfältige soziale und kulturelle Engagement der Kalkhersteller vor Ort.

In seiner Rede ging Stumpf auf die großen internationalen Herausforderungen ein; bei den innerdeutschen Herausforderungen hob er insbesondere auf die beschlossene Energiewende ab, die nach wie vor gerade bei den Punkten Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit weit hinter den Zielen zurückbleibe. Der Vorsitzende begrüßte ausdrücklich die Gründung des Bündnisses „Zukunft der Industrie“ durch BMWi, BDI und die Gewerkschaften. Er hob die Bedeutung einer klaren Industriepolitik hervor, die gleichwertig neben der Klimapolitik stünde und den Wirtschaftsstandort stärke. Er appellierte an die Zuhörer: „Lassen Sie uns gemeinsam noch stärker für eine Industrieakzeptanz in Politik und Zivilgesellschaft kämpfen.“

Nachfragerückgang und Dumpingimporte als Problemfelder

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland sei zwar nach dem Jahreswechsel 2015/2016 kräftig gewachsen. Beim wichtigsten Kunden der Kalkindustrie, der Stahlindustrie, würden jedoch Nachfragerückgang und Dumpingimporte aus China das Bild prägen. Auch die Chemieindustrie, als weiterer Abnehmer von Kalkprodukten, würde deutlich verhaltener auf das Jahr 2016 schauen, als es die gesamtwirtschaftliche Lage erwarten ließe. Der Vorsitzende stellte die aktuellen Zahlen der Kalkindustrie vor: Bei den ungebrannten Kalkprodukten habe der Marktabsatz im Jahr 2015 gut 18 Millionen Tonnen betragen und sei damit gegenüber dem Vorjahr um 3,5 % rückläufig gewesen, bei den gebrannten Produkten sei man mit einem Anstieg von 1,7 % auf 6,5 Millionen Tonnen durchaus zufrieden. Bei den ungebrannten Produkten repräsentiert der BVK ca. 15 % der deutschen Kalkindustrie, bei den gebrannten Erzeugnissen nahezu 100 %. Bei den ungebrannten Kalkprodukten seien die Lieferungen für Umweltschutzanwendungen um 2 % rückläufig gewesen; mit 2,2 Tonnen entspräche der Absatz an dieses Verbrauchssegment nur noch dem an die Baustoffindustrie. Auch die Lieferungen ungebrannter Produkte für die Industrie seien mit knapp 4,5 Millionen Tonnen gegenüber 2014 um 2,2 % im Minus. Bei den gebrannten Produkten hätten die Lieferungen in die Eisen- und Stahl-

industrie mit insgesamt 2,3 Millionen Tonnen um 3,5 % gesteigert werden können. Die Lieferungen an den Umweltschutzbereich jedoch hätten sich weiter negativ entwickelt. Sie lägen nochmals um 5,4 % unter dem Absatz von 2014. So hätten zum Zwecke der Luftreinhaltung nur noch 863.000 Tonnen abgesetzt werden können, ein deutliches Minus von 5,6 %.

Zufriedener sei man mit den Lieferungen an die Baustoffindustrie. Hier könne ein Plus von 5 % vermeldet werden.

BVK-Vorsitzender Dr. Thomas Stumpf
Warb um «Industrieakzeptanz»: der BVK-Vorsitzende Dr. Thomas Stumpf.

Minus für 2016 erwartet

Für das Jahr 2016 ging der Vorsitzende – entgegen der gesamtwirtschaftlich positiven Entwicklung – unter Berücksichtigung der schwachen Zahlen im Stahlbereich von einem Minus bei den gebrannten Produkten von 5 % auf nur noch 6,2 Millionen Tonnen aus. Auch bei den Umweltschutzanwendungen erkenne er keine Verbesserung. Daher sei es unverzichtbar, Forschung, Entwicklung und Innovationen voranzutreiben. Die Gemeinschaftsforschung der deutschen Kalkhersteller sei hier auf einem guten Weg. Sie habe aktuell so viele Forschungsvorhaben wie lange nicht mehr. Der Vorsitzende begrüßte auch die neue Arbeitsgruppe „Innovationen“ beim Europäischen Kalkverband EuLA. Hier gehe es u.a. um die Themen Kreislaufwirtschaft und die Speicherung bzw. Weiterverwendung von CO2.

Vision Zero fest im Blick

Der stellvertretende Vorsitzende Moritz Iseke stellte die von der BG RCI ins Leben gerufene Präventionsstrategie „VISION ZERO. Null Unfälle – gesund arbeiten!“ vor und gab bekannt, dass der BVK-Vorstand soeben eine Kooperationsvereinbarung mit der BG RCI beschlossen habe, um einen Beitrag zum Gelingen der Präventionsstrategie und zur weiteren Verbesserung der Arbeitssicherheit in den Betrieben der Kalkindustrie zu leisten. Er wies darauf hin, dass seit nunmehr 46 Jahren beim BVK eine Unfallstatistik geführt werde; seit 1986 gebe es den jährlichen Arbeitssicherheitswettbewerb des Verbandes.

Anschließend erfolgte die Preisverleihung an die Gewinner des Arbeitssicherheitswettbewerbes. Gold ging ans Werk Hönnetal der Lhoist Germany.

Die Gewinner des Arbeitssicherheitswettbewerbes auf der BVK-Jahreshauptversammlung 2016 in Bremen.
Die Gewinner des Arbeitssicherheitswettbewerbes auf der BVK-Jahreshauptversammlung 2016 in Bremen.
 
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