Technik

Parlamentarier bekommen Einblicke in die Aufbereitungspraxis

Qualitäts-Recycling-Baustoffen gehört die Zukunft!

Es war ein Blick in Gegenwart und Zukunft zur selben Zeit: Drei christdemokratische Parlamentarier – ein Europa-, ein Bundes- und ein Landespolitiker – nutzten jetzt die Gelegenheit, sich nicht nur über die Praxis der Aufbereitung mineralischer Abfälle gestern und heute zu informieren, sondern auch eine technisch besonders fortschrittliche Anlage vor Ort kennenzulernen.

Brecheranlage in Betrieb
Brecheranlage von Heinrich Feeß.

Walter Feeß war Gastgeber in seiner Firma Heinrich Feeß in Kirchheim/Teck. Zusammen mit dem Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) und dem Qualitätssicherungssystem Recycling-Baustoffe Baden-Württemberg e.V (QRB) hatte er Norbert Lins (CDU, MdEP, Mitglied des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments), Michael Hennrich (CDU/CSU-Bundestagsfraktion, MdB) und Karl Zimmermann (CDU, MdL, Wahlkreis Kirchheim) zu Gast. ISTE-Präsident Peter Röhm und ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger eröffneten die Veranstaltung. Den drei Parlamentariern und Ministerialdirektor Helmfried Meinel, Amtschef des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, sowie dem neuen Vorsitzenden des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg e.V., Dr. Gerhard Bronner, demonstrierte Feeß die innovative Bauschutt- und Bodenwaschanlage des irischen Nassaufbereitungsspezialisten CDE Global.

So könne man sich Verfahren der Zukunft des Recyclings mineralischer Baustoffabfälle vorstellen, erläuterte der Unternehmer. Die riesige „Waschmaschine für mineralische Abfälle“ arbeitet seit Kurzem im Recyclingpark Kirchheim/Teck (Rabailen) und produziert gewaschene, gesiebte und sortierte Baustoffe in drei Qualitäten, die ohne Umwege direkt wieder eingesetzt werden können. Die Anlage wird bei der Firma Feeß als Pilotprojekt im Rahmen des EU-Projektes CANDY (CompAct, highly mobile, Next generation, CD&E waste recoverY system) optimiert.

Neben dieser Waschanlage zeigten sich die Politiker beeindruckt von den durch das QRB zertifizierten Recyclingprodukten aus der trockenen Aufbereitung von Bauschuttgemischen. Diese geschieht mit Brech- und Siebanlagen, die heutzutage eher den Standard der Aufbereitung darstellen, als die komplexe und noch sehr kostenintensive Nassaufbereitung. Ein weiteres Highlight der Führung: die Produktion von „Öko-Legosteinen“ aus Beton mit 100 Prozent rezyklierten Gesteinskörnungen - sie wurden vor den Augen der Gäste live hergestellt.

Angeregte Diskussionen zwischen Politik und Wirtschaft

Dem Einblick in die Aufbereitungspraxis folgte die Diskussion der politischen und verwaltungsrechtlichen Aspekte des Bau-
stoff-Recyclings. Diesen Austausch eröffnete Ministerialdirektor Meinel mit einem Impulsreferat über „Ressourceneffizienz in der Bauwirtschaft“. Er betonte, dass nach dem Willen der Landesregierung die Recyclingquote weiter gesteigert werden solle.

Dem stimmte von unternehmerischer Seite neben Walter Feeß auch die Vorsitzende der ISTE-Fachgruppe „Recycling-Bau-
stoffe und Boden“, Christa Szenkler, (bmk Steinbruchbetriebe GmbH & Co. KG, Talheim) zu. Die in Bezug auf RC-Baustoffe derzeit auch aus der angewandten Forschung zu vernehmende Differenzierung in „Upcycling = Hochbau“ und „Downcycling = Tiefbau/Infrastrukturbau“ und die damit oftmals einhergehende Wertung in besser/schlechter mache aus fachlicher und auch aus politischer Sicht allerdings keinen Sinn. Das betonte QRB-Geschäftsführer Dr. Bernd Susset. Denn erstens unterscheide die fünfstufige Abfallhierarchie nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz innerhalb der Stufe Recycling nicht zwischen den genannten Verwertungspfaden. Zweitens müssten die RC-Körnungen für den geregelten Infrastrukturbau in der Regel sogar wesentlich höhere Umweltanforderungen und die gleichen bautechnischen Anforderungen einhalten wie rezyklierte Gesteinskörnungen für Beton, erklärte Susset.

Die Teilnehmer v.l.n.r.: Walter Feeß, Dr. Gerhard Bronner, Dr. Bernd Susset, Christa Szenkler, Norbert Lins MdEP, MD Helmfried Meinel, Thomas Beißwenger.
Die Teilnehmer v.l.n.r.: Walter Feeß, Dr. Gerhard Bronner, Dr. Bernd Susset, Christa Szenkler, Norbert Lins MdEP, MD Helmfried Meinel, Thomas Beißwenger.

R-Beton mit großem Potenzial

Ein weiteres Thema war Recycling-Beton, kurz R-Beton. Angesichts seiner mengenmäßig begrenzten Potenziale dürfen die bedeutendsten Verwertungspfade weiterhin in technischen Bauwerken des Erd-, Straßen-, Wege- und Schienenverkehrswegebaus liegen, machte ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger klar. Damit könne die geplante bundeseinheitliche Regelung „Ersatzbaustoffverordnung im Rahmen der Mantelverordnung“ nicht aus dem politischen Fokus genommen werden, da diese 75 Prozent des Baustoff-Recycling-Materials betreffe. Auch bei technischen Bauwerken finde hochwertiges Baustoff-Recycling statt. Von Downcycling im Infrastuktur-Tiefbau könne also keine Rede sein. Da man angesichts des zurückgehenden Neubaus stets neue Verwertungswege finden müsse, unterstütze der ISTE aber vollumfänglich R-Beton als „zwar wichtiges, aber mengenmäßig nicht entscheidendes Element einer umfassenden Verwertungsstrategie“, so Beißwenger. Auch weiterhin wird es Deponien geben müssen – trotz erheblicher Anstrengungen beim Recycling von Baustoffen. Eine „Null – Deponienpolitik“ sei kaum möglich – da waren sich Unternehmer und Politiker einig. Deshalb werde das derzeit zurückgezogene Abfallpaket der EU durch den vorsorgenden Boden- und Grundwasserschutz in Deutschland sehr kritisch gesehen, sagte Susset.

Entsorgungsprobleme drohen

Zugleich müsse man in Deutschland bedenken, dass eine geplante Verschärfung der Anforderungen an die Verfüllung von Abgrabungen nach der Novelle der Bundes-Boden-Schutz-Verordnung in der geplanten Mantelverordnung zu einem Hinüberschwappen von Verfüllmaterial in das Deponierecht (DK 0 und DK 1) führen könne, warnte Christa Szenkler. Schon jetzt gebe es in Ballungsräumen massive Entsorgungsprobleme und steigende Transportwege und damit hohe CO2-Ausstöße, betonte Walter Feeß. Auch hierzu passe keine Null-Deponienpolitik. Kritisch beurteilte Dr. Gerhard Bronner vom LNV die „unsägliche Grenzwertdiskussion in Deutschland im Rahmen des Verordnungsprozesses zur Mantelverordnung“. Er könne nicht verstehen, dass der Sulfatwert, abgeleitet aus der Begrenzung der Leitungskorrosion in der Trinkwasserverordnung, zum „heiligen Gral des Grundwasserschutzes“ erhoben werde und – wie derzeit befürchtet – den Massenstrom in Richtung Beseitigung umsteuere.

Ministerialdirektor Helmfried Meinel.
Ministerialdirektor Helmfried Meinel.
 
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