Unternehmensführung

Personal 2014 Süd – Digitalisierung der Arbeitswelt

Der Mensch im Mittelpunkt! Doch wie kommt er da hin?

Das Internet und moderne Technologien prägen unter dem Stichwort Industrie 4.0 zunehmend die Produktion in Fabrikhallen. Die Digitalisierung hat die Unternehmenswelt massiv erfasst. Auf der Messe Personal2014 Süd in Stuttgart befassten sich deshalb kürzlich Aussteller und weitere Fachleute mit den Folgen für das Personalmanagement.

Auf der Messe präsentierten 298 Aussteller ihr aktuelles Angebot – deutlich mehr als im Vorjahr. „Der Softwarebereich war schon immer stark vertreten. Nun konnten wir ihn noch weiter ausbauen“, betonte Natascha Hoffner, Geschäftsführerin des Veranstalters spring Messe Management, in der Eröffnungspressekonferenz. Neben klassischer Personalsoftware für Endabrechnung, Personaldatenverwaltung und die Zeitwirtschaft gehörten auf der Personal 2014 Süd mobile Anwendungen, Lösungen aus der Cloud oder Dienstleis­tungen rund um Social Media zum Angebot. Auch Dienstleistungen für Big Data kommen verstärkt auf den Markt.

Analytics und Big Data: Strategisch punkten?

Was in Sachen Big Data in der Personalarbeit derzeit schon möglich ist, zeigte etwa der Aussteller IBM Deutschland. „Big Data ist der neue Rohstoff des 21. Jahrhunderts“, betonte Sven Semet, Senior Account Executive des Softwareherstellers. In den nächsten zehn Jahren sei ein 50-faches Wachstum des weltweiten Datenvolumens zu erwarten. So wie der intelligente Rechner Watson beim Rugby, wo Spieler entsprechende Sensoren tragen, dem Coach Entscheidungshilfen für Auswechslungen biete, könne das System auch als Talent-Strategie-Berater fungieren, wenn es mit den nötigen Daten in Sachen Erfahrung, Skills oder Assessment-Ergebnissen von Mitarbeitern „gefüttert“ werde. Eine wichtige Datenquelle seien Mitarbeiterbefragungen: Ergebnisse aus besonders guten Abteilungen ließen sich auf die ganze Firma übertragen.

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Big Data als ein zentrales Thema der Messe.

Personalverantwortliche und der Frosch im Wasserglas

„Studien zeigen jedoch, es verändert sich nur marginal etwas am Softwareeinsatz im Human Resource Management“, erklärte Franz Langecker, Chefredakteur mehrerer Personalzeitschriften, der die aktuellen Digitalisierungstrends skizzierte. Die Unternehmen seien offe­n­sichtlich mehrheitlich mit ihren Systemen zufrieden. Doch dies könne sich in den nächsten Jahren rächen. Insbesondere jüngere Generationen neigten zu „Consumerization“: Sie erwarteten liebgewonnene Softwaresysteme aus dem privaten Umfeld auch in der Firma.

„Mit der Digitalisierung ist es wie mit dem Frosch im Wasserglas: Wenn Sie einen Frosch in heißes Wasser schmeißen, hüpft er wieder heraus. Wenn Sie aber den Frosch im Wasser erhitzen, bleibt er und stirbt“, so der Kenner der Personalerszene an die Handlungsbereitschaft seiner Berufskollegen. „Wir sind Teil des Systems, sollten aber trotzdem aktiv werden.“

Digitalisierung – Risiko oder Chance?

Die Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung sind unter Personalverantwort-lichen offensichtlich groß. „Es gibt die German Angst. Die deutsche Geschichte und verschiedene Skandale der Vergangenheit haben dazu beigetragen. Aber auch der Arbeitnehmerdatenschutz ist ein Thema“, meinte Dr. Manteo Eisenlohr, Partner der Olswang Germany LLP, in einer Podiumsdiskussion und fügte ein Beispiel hinzu: Ein Softwareprogramm, das ein Kunde in den USA von einem Tag auf den anderen einführen konnte, habe hierzulande wegen der rechtlichen Abwicklung und aufgrund der Absprachen mit dem Betriebsrat 14 Monate bis zur Implementierung gebraucht.

In diesem Zusammenhang wandle sich die Rolle von Personalern: „HR muss die Software-Produkte selbst verstehen, um adäquat mit dem Betriebsrat zu verhandeln.“

Recruiting: Von der Channel-Analyse bis zur mobilen Baustelle

Insbesondere in Sachen digitale Personalgewinnung gab es auf der Messe Diskussionsbedarf. „Methoden von Recruiting und Matching unterliegen einem großen Wandel“, konstatierte Patrick Baron, Principle Consultant von HRpepper. Wohin sich das genau entwickle, sei noch nicht wirklich absehbar, aber Trends würden allemal deutlich. „Es könnte sein, dass zukünftig Führungskräfte rekrutieren und Personaler eher für die Channel-Analyse zuständig sind, über die Betriebe gute Kandidaten heranziehen.“ Innerbetriebliche Personalsys­teme lieferten meist nur „relativ arme Informationen“. „Da darf ich gar nicht nach privaten Interessen fragen.“ Deshalb müssten Organisationsmodelle der Zukunft „Derivate“ wie Xing, LinkedIn oder Facebook nutzen – für Recruiting und Talentmanagement.

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In Zeiten des demografischen Wandels wird das Rekrutieren von Personal zu einem entscheidenden Faktor.

Industrie 4.0 – eine Angelegenheit für Personaler?

Wichtige neue To-Dos ergeben sich für HR-Fachleute aktuell auch in der Produktion. Gleichwohl lassen diese die Entwicklung hin zur Industrie 4.0, in der Maschinen, Betriebsmittel, Lagersys­teme und die Mitarbeiter zukünftig softwaregestützt in Echtzeit miteinander kommunizieren sollen, noch häufig links liegen. „In unseren Arbeitskreisen haben wir noch keinen einzigen Personaler gesehen“, sagte Dr. Constanze Kurz vom Vorstand der IG Metall auf dem Messepodium. Dabei gebe es viele Fragen, etwa wie eine Qualifizierung aussehen könne oder wie die Arbeitsorganisation neu zu gestalten sei. „Die Systeme können Befähiger oder Enteigner sein. Klar ist, der Mensch soll im Mittelpunkt stehen. Aber wie kommt er da hin?“, so Kurz.

Arbeit macht mobil – auch in der Fabrik

Auch die Arbeitsorganisation steht im Zuge von Industrie 4.0 vor einer Revolution. Denkbar ist offensichtlich nicht nur die Rückkehr von Betriebswohnungen an den Fabrikstandort. „Mitarbeiter müssen nah wohnen, da sie aufgrund der hohen Flexibilitätsanforderungen jederzeit einsatzbereit sein sollten, aber in Zeiten von Leerlauf nach Hause geschickt werden“, sagt Roetger Sander von der Academy Weidmüler. Ein mögliches Szenario sei auch der Bereitschaftsdienst in Freizeiteinrichtungen wie dem Schwimmbad. „Über die Apps sollten mehrere Mitarbeiter angesprochen werden, sodass der einspringt, der das gerade am ehesten machen kann“, riet Eduard Altmann, Chefredakteur Fachzeitung Produktion.

Die „Personal“ war in diesem Jahr noch stärker mit der Messe Corporate Health Convention verzahnt als bislang und belegte neben Halle 5 der Messe Stuttgart gemeinsam mit der Parallelmesse die Halle 7. Das honorierten nicht nur die Aussteller. Auch die Zahl der Besucher konnte der Veranstalter damit weiter steigern – auf 5.101. „Wir sind offensichtlich auf dem richtigen Weg“, befand Nadine Jäger, Projektleiterin der Personal2014 Süd. „Deshalb möchten wir das Konzept auch im kommenden Jahr so weiterführen.“

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// Fotos: © PERSONAL2014 Süd/Franz Pfluegl (3)
 
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