Unternehmensführung

Studie zu den Auswirkungen von Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing schadet Mensch und Unternehmen

Mobbing und Cybermobbing sind nicht nur auf junge Menschen und auf das schulische Umfeld begrenzt. Auch Erwachsene sind in hohem Maße davon betroffen. Auch am Arbeitsplatz sind Angriffe von und gegen Erwachsene keine Seltenheit mehr. Dies sind Ergebnisse der Studie „Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen“, die das Bündnis gegen Cybermobbing e.V. mit Unterstützung der ARAG SE durchgeführt hat.

Mobbing bei Erwachsenen prägt in hohem Maße die gesamte Arbeitswelt. 72 Prozent aller Vorfälle werden dort registriert. Nach Ansicht der befragten Opfer sind Neid und starre Hierarchien die häufigsten Ursachen für Mobbing und Cybermobbing im Arbeitsumfeld. Fast jeder dritte Täter gibt in der Studie an, aus Spaß gehandelt zu haben, also ohne einen tatsächlichen Tathintergrund. Vorgesetzte sind laut Studie in über der Hälfte der Mobbingfälle am Arbeitsplatz als Täter oder Mittäter beteiligt.

Die oftmals schweren Folgen können sich auf die physische wie psychische Gesundheit der Opfer erstrecken. Fast 50 Prozent der Betroffenen von Mobbing klagen über Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen. Extremausprägungen sind schwindendes Selbstwertgefühl, Zwangsstörungen sowie die Flucht in Alkohol oder andere Suchtmittel. Mehr als jedes zehnte Opfer stuft sich sogar als suizidgefährdet ein.

Wirtschaftliche Folgen

Mobbing und Cybermobbing haben auch wirtschaftliche Auswirkungen: Davon Betroffene weisen jährlich 5 bis 6 Krankheitstage mehr auf als nicht betroffene Beschäftigte. Über zwei Drittel (68,3 Prozent) der Betroffenen strebt laut Studie einen Wechsel des aktuellen Arbeitgebers an.

Die mit Mobbingvorfällen direkt verbundenen Krankheitsfolgekosten für deutsche Unternehmen belaufen sich auf zirka 3 Milliarden EUR im Jahr. Nur in den wenigsten Fällen bieten Arbeitgeber Präventionsmaßnahmen an, obwohl die durch Mobbing und Cybermobbing entstehenden Fehlzeiten und Ausfälle und die damit verbundenen Kosten immens sind. Direkt messbar und monetär zurechenbar sind die Krankheitsfolgekosten - also die Kosten, die durch Arztbesuche, Therapiesitzungen, durch Medikamente oder durch Arbeitsfehltage entstehen.

Darüber hinaus kommt es zu indirekten Kosten wie zum Beispiel verminderte Effizienz am Arbeitsplatz und Produktivitätsminderung. Bereits 2001 schätzte das Europäische Parlament den durch Mobbing entstehenden Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft auf 15 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Gutes Betriebsklima beugt vor

Aus den Studienergebnissen leitet Uwe Leest, der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses gegen Cybermobbing, folgende Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Politik und Gesellschaft: „Um Mitarbeiter für das Thema Mobbing und Cybermobbing zu sensibilisieren und darüber aufzuklären, sind Schulungen, Seminare und Informationsveranstaltungen im Unternehmen ratsam. Außerdem sollte die Stärkung des Betriebsklimas im Vordergrund stehen. Das Betriebsklima ist ein wesentlicher Faktor um Mobbingfällen vorzubeugen. Dazu dient beispielsweise eine ,Vereinbarung', die einen gewaltfreien und respektvollen Umgang der Mitarbeiter untereinander regelt und fördert.“

Mann mit betrübtem Blick vor Gruppe
Wenn aus Spaß Ernst wird: Mobbing beginnt oft mit Lästereien – und kann mit psychischen Erkrankungen der Opfer enden.
 
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