Unternehmensführung

Diskussionsrunde zum Thema „Fachkräftemangel vorbeugen“

Fahrrad statt Dienstwagen

Im Vorfeld der Fachmesse Arbeitsschutz Aktuell, die vom 25. bis 28. August 2014 in Frankfurt stattfinden wird, hat sich eine siebenköpfige Expertenrunde bereits etwa 6 Wochen vor Beginn dieser Veranstaltung mit einer zentralen Frage befasst: Welche Strategien helfen Unternehmen, den Fachkräftemangel  abzuwenden und qualifizierte Mitarbeiter für ihr Unternehmen zu gewinnen?

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die „Generation Y“: das sind die Berufseinsteiger im Alter von etwa 19 bis 34 Jahren, die in deutschen Unternehmen wegen ihrer guten Bildung einerseits begehrt, wegen hoher Ansprüche aber ebenso gefürchtet sind. Sie seien schlecht darin, sich zu hinterfragen und groß darin, sich zu überschätzen – das werfen Kritiker jener „Generation Y“ vor. Welche Antworten Arbeitgeber auf dieses Hinterfragen parat haben sollten, war Thema eines Kamingesprächs, zu dem Hinte, langjähriger Veranstalter der Fachmesse Arbeitsschutz Aktuell, nach Frankfurt geladen hatte. Arbeitsmarkt- und Recruiting-Experten gingen der Frage nach, was denn ein modernes Unternehmen seinen (potenziellen) Mitarbeitern bieten müsse. Selbstbestimmung ist das neue Statussymbol – so formulierte es Kerstin Bund, Wirtschaftsredakteurin bei der ZEIT und Autorin des Buches „Glück schlägt Geld“, das die Wünsche ihrer Altersgruppe, eben jener Generation Y, beschreibt. Gute Bezahlung reiche allein nicht aus – „vielmehr geht es um flexible Arbeitszeitmodelle, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Auflösen starrer Hierarchien“, sagt die 31-Jährige.

Alte Statussymbole weniger gefragt

Das bestätigte auch Ina Ferber: „Die Generation Y hat den Anspruch, dass der Job einen Sinn gibt“, sagt die selbstständige Personalberaterin. Manchen sei eine Bahncard oder ein Firmenfahrrad wichtiger als ein protziger Dienst-wagen oder sonstige Zusatz- und Bonusleistungen, an denen bislang der Status gemessen wurde. „Um glaubwürdig zu sein, muss eine Unternehmensführung die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vorleben!“ Das forderte Thorsten Heilig, Personalleiter der Softwarefirma bitExpert. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran – und zwar in die Elternzeit, um seinen kleinen Sohn heranwachsen zu sehen. Ihn und seinen Arbeitgeber stellt das zwar vor große Herausforderungen, aber im Unternehmen haben sich schon zwei Nachahmer gefunden. Eine solche Führungs- und Firmenkultur sieht Markus Frosch, Mitinhaber der Promerit Personalberatung, als Schlüssel zum Erfolg. „Schon bald sind die Unternehmen die Bewerber und müssen sich die Loyalität mit stets neuen Anreizen erkämpfen.“

Dass das ein Prozess nach innen sowie nach außen sein muss, unterstrich auch Fredy Mensching, beim ZDF zuständig für Personalmarketing: „Führungskräfte müssen zusammenarbeiten, um mehr über die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erfahren.“

Dass diese Bedürfnisse nicht mit einem Obstkorb oder einfachen Yogakurs zu befriedigen sind, stellte Dr. Christian Weigl klar. „Man kann einerseits zwar kaum etwas falsch machen“, so der Vorsitzende des Bundesverbands Betriebliches Gesundheitsmanagement (BBGM e. V.), „aber eine gute Führung hält Kontakt zu allen Generationen und erkennt deren Anforderungen und Erwartungen.“

Einen Ausblick auf die Arbeitsschutz Aktuell finden Sie im Artikel "Im Duett mit dem Weltkongress".

Fahrradfahrer
Viele Fachkräfte kann man längst nicht mehr mit großen Dienstautos locken – sie sind lieber mit dem Rad unterwegs. // Foto: © Christian Müller - Fotolia.com
 
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