Unternehmensführung

Unternehmensbarometer 2013 der Bundesregierung

Fachkräfte finden, rekrutieren – und halten

Unternehmen nehmen eine Schlüsselposition bei der Fachkräftesicherung ein. Für seine Studie zu diesem Thema hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Unternehmensleitungen und Betriebsräte repräsentativ befragt. Die Broschüre, die die Ergebnisse zusammenfasst, liefert wertvolle Hinweise, wie betriebliche und sozialpolitische Strategien zur Sicherung der Fachkräftebasis künftig noch besser gelingen können.

Eine angemessene Versorgung mit Fachkräften ist das Rückgrat der wissensbasierten deutschen Wirtschaft. Wie die aktuellen Arbeitsmarktzahlen zeigen, gibt es momentan nur in einigen Bereichen, etwa den technischen Berufen und im Gesundheitssektor, Probleme mit einer hinreichenden Versorgung an Arbeitskräften. Von einem flächende-ckenden Fachkräftemangel kann derzeit noch keine Rede sein. Diese Diagnose stimmt mit den Darstellungen der Wirtschaft überein. Gemäß einer aktuellen Bevölkerungsumfrage von TNS Emnid (2013) meinen allerdings 41 Prozent der Befragten, dass heute in Deutschland ein genereller Fachkräftemangel herrscht.

Zeitung mit Titel 'Fachkräfte gesucht'
// Foto: © Coloures-pic - Fotolia.com

Die Lücke droht zu wachsen

Bedingt durch die demografische Entwicklung könnte es schon bald deutlich schwieriger werden, geeignete Fachkräfte aus dem inländischen Arbeitskräftereservoir zu schöpfen. Bis zum Jahr 2025 fehlt dem Arbeitsmarkt nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ein Erwerbspersonenpotenzial in Millionenhöhe, falls es nicht weiter gelingt, zusätzliche Potenziale in der Bevölkerung zu erschließen (IAB 2011). Auch eine schwache Konjunktur oder eine Krise kann die Verknappung nur verzögern, nicht verhindern. Laut einer Studie des ZEW Mannheim und des IfW Kiel könnte das Bruttoinlandsprodukt andererseits um insgesamt 57 Mrd. Euro wachsen, wenn sich bis zum Jahr 2016 jährlich 100.000 Menschen zusätzlich entscheiden würden, ihre Fähigkeiten im Arbeitsmarkt anzubieten.

Um die bei Fachkräfteengpässen drohenden Einbußen an Wirtschaftskraft zu vermeiden, müssen Unternehmen und Sozialpartner rechtzeitig handeln. Bund, Länder und Kommunen unterstützen sie dabei, indem sie Rahmenbedingungen schaffen, die möglichst viele erwerbsfähige Menschen aktivieren und in sichere Beschäftigungsverhältnisse bringen.

Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung im Jahr 2011 ein Konzept zur Fachkräftesicherung (BMAS 2011c) entwickelt, in dem sie fünf Sicherungspfade angelegt hat: (1) Aktivierung und Beschäftigungssicherung, (2) bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, (3) Bildungschancen für alle von Anfang an, (4) Qualifizierung, Aus- und Weiterbildung sowie (5) Integration und qualifizierte Zuwanderung. Das dahinter

stehende Bündel von Maßnahmen ist darauf gerichtet, die Potenziale aller Zielgruppen des Arbeitsmarktes zu nutzen. Der im Januar 2013 vorgelegte erste Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung (BMAS 2013) wies bereits Erfolge nach. Die Erwerbsbetei-ligung ist gestiegen, die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte wurde erleichtert. Er belegt aber auch, dass noch mehr und vor allem kontinuierlich etwas getan werden muss. Insbesondere muss die Politik dem wachsenden Bedarf an Kinderbetreuung durch Kindertages-stätten, Ganztagsschulen und Familien

unterstützende Dienstleistungen auf hohem qualitativen Niveau gerecht werden. Auch die Reduzierung der Schulabbrecherquote bzw. des Anteils von jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss wird die Bundesregierung weiter aktiv vorantreiben. Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Fachkräftesicherung und entsprechende Aktivitäten in den Ländern und Kommunen können ihre volle Wirkung jedoch nur dann entfalten, wenn auch die Unternehmen und Sozial­partner als die wesentlichen Akteure ihren Teil beitragen.

Mann in Arbeitskleidung und Helm in einem Werk
Unternehmen sollten ihre Fachkräfte bei Laune halten – etwa mit guten Karriereaussichten, Weiterbildungsangeboten und betrieblicher Mitbestimmung. // Foto: © industrieblick - Fotolia.com

Alle an einen Tisch

Die entscheidenden Handlungsfelder, auf die auch das Unternehmensbarometer Fachkräftesicherung 2013 daher seinen Fokus richtet, sind betriebliche Maßnahmen, die Frauen ermöglichen, ihre Potenziale stärker und zeitlich länger einzubringen, die junge Erwachsene ohne Berufsabschluss in die Betriebsabläufe integrieren und qualifizieren, die die Integration von Fachkräften mit Migrationshintergrund u.a. durch Sprachförderung verbessern und die helfen, das Potenzial von älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch Gesundheitsprävention und Weiterbildung aufrechtzuerhalten.

Darüber hinaus müssen die Strategien zur Fachkräftesicherung von der Bevölkerung mitgetragen werden. Die gute Zusammenarbeit der gesellschaftlichen Akteure, etwa in den vielen regionalen Netzwerken zur Fachkräftesicherung, zeugt von der Notwendigkeit und Bereitschaft, die Herausforderung einer hinreichenden Fachkräfteversorgung gemein­sam anzugehen. Über solche übergreifenden Aktivitäten hinaus müssen die Unternehmen jedoch auch intensiver an Maßnahmen zur Fachkräftesicherung arbeiten, die auf ihre jeweiligen Anforderungen und Möglichkeiten zugeschnitten sind. Für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Strategien bedarf es nicht nur den Willen des Managements, sondern auch das Bekenntnis der Arbeitnehmerschaft selbst zu dieser Strategie.

Neue Qualität in Erhebung und Auswertung

Diverse Studien der letzten Jahre gehen anhand von Umfragen der Frage nach, wie deutsche Unternehmen mit der Herausforderung der Fachkräftesicherung personalpolitisch umgehen oder künftig umgehen wollen. Die Mehrheit dieser Untersuchungen enthält keine Daten, die sich konsistent auf die Gesamtheit der deutschen Unternehmen hochrechnen lassen, da sie entweder nicht repräsentativ erhoben wurden oder sich nur auf einen beschränkten Teil der Wirtschaft beziehen.

Das Unternehmensbarometer Fachkräftesicherung 2013 hingegen bringt eine neue Qualität in den Prozess, zumal es fortgeführt werden soll. Es analysiert, welche Bedeutung die einzelnen Potenzialgruppen für die Unternehmen haben. Zudem liefert das Unternehmensbarometer eine differenzierte Bestandsaufnahme der personalpolitischen Maßnahmen zur Beschäftigung und Integration dieser Zielgruppen, die deutsche Unternehmen bereits ergriffen haben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat hierfür das ZEW Mannheim und infas mit zwei repräsentativen Erhebungen bei Unternehmensleitungen und Betriebsräten beauftragt. Diese gewähren Einblicke in die Innenansicht der Unternehmen aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerperspektive. Die Ergebnisse der Umfragen werden durch gute Beispiele aus einzelnen Unternehmen ergänzt, die in Interviews mit Praktikerinnen und Praktikern gefunden wurden. Vervollständigt werden diese Einblicke in die Unternehmen durch eine Befragung der Bevölkerung, die TNS Emnid im Auftrag des BMAS in drei Wellen zwischen Sommer 2012 und Frühjahr 2013 ausgeführt hat. Inhalt waren die Wahrnehmungen und Einstellungen der Bevölkerung zum Themenfeld Fachkräftesicherung.

BMAS / mho

 
Weitere Informationen

Die Broschüre ist erhältlich als kostenloser Download unter:

www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/inhalt.html


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