Wo steht das?

Wolfgang Pichl

Hand aufs Herz: Haben Sie das nicht auch schon mal zurückgefragt, wenn eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter der

Berufsgenossenschaft (BG) Ihnen mitgeteilt hat, dass in Ihrem Betrieb da oder dort Defizite im Arbeitsschutz zu beseitigen sind? Natürlich will man es dann genau wissen, ist doch der damit verbundene zeitliche und finanzielle Aufwand oft erheblich. Und natürlich hat die Frage auch eine psychologische Komponente.

Man spielt den Ball zunächst einmal in das Feld seines Gegenüber, um zu sehen, wie belastbar seine Forderungen sind – ob objektiv begründet durch Vorschriften oder subjektiv gewünscht aufgrund persönlicher Einschätzungen. Dann kann das bei Risiken, die nicht sofort einleuchten oder als gering eingeschätzt werden, für die BG-Vertreter schwierig werden.

Warum, werden Sie fragen. Weil sich die Struktur der Gesetze, Verordnungen und Vorschriften in den letzten Jahren stark verändert hat, sowohl was die inhaltliche Ausrichtung als auch das Zusammenwirken betrifft. So hat der Staat die Möglichkeit der BGen, arbeitsschutzspezifische Sachverhalte durch Unfallverhütungsvorschriften zu regeln, deutlich eingeschränkt. Daran waren die BGen allerdings nicht ganz schuldlos. Hat sich doch der in den Vorschriften gepflegte Sprachstil zunehmend von der betrieblichen Praxis entfernt und auch die Regelungsvielfalt und -tiefe ließen die Akzeptanz in den Betrieben bröckeln. Wer nun gedacht hat, der Staat macht es transparenter und klarer, sah sich mit abstrakten Vorschriften konfrontiert, die die Eigenverantwortung des Unternehmers betonen, der dieser nur durch eine intensive Beschäftigung mit der Gefährdungsbeurteilung gerecht werden kann. Eine Entwicklung, die insbesondere in kleineren Betrieben auf Probleme stößt, denn hier ist es dem Unternehmer oft nicht möglich, auf die Expertise von Sicherheitsfachkräften und Betriebsärzten in dem Maße zurückzugreifen, wie das große Unternehmen können.

Gespräche haben uns schnell deutlich gemacht, dass wir hier als BG RCI unterstützen müssen. So ist das „Praxishandbuch – Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in der Baustoffindustrie“ entstanden. Darin haben wir die wichtigsten Forderungen (aus zum Teil zurückgezogenen Unfallverhütungsvorschriften) in einer zeitgemäßen, ansprechenden Form zusammengefasst. Erst kürzlich haben wir das Praxishandbuch überarbeitet und sowohl die Technik als auch die Rechtsbezüge auf den neusten Stand gebracht. Es steht Ihnen in der bewährten Form ab September 2014 zur Verfügung.

Darüberhinaus arbeiten wir derzeit an den Branchenregeln „Gewinnung und Aufbereitung von mineralischen Rohstoffen“. Dabei handelt es sich um ein neues Informationsmedium der BGen für die Unternehmen. Darin werden die vielfältigen Facetten der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes einer Branche in einer kompakten, strukturierten Form behandelt. Im vorliegenden Fall wollen wir damit die UVV „Steinbrüche, Gräbereien und Halden“ in einer zeitgemäßen Form kommentieren.

Voraussichtlich wird die Branchenregel im Frühjahr 2015 zur Verfügung stehen. Zu gegebener Zeit werden wir das neue Informationsmedium ausführlich vorstellen.

Sowohl mit dem Praxishandbuch als auch mit der Branchenregel wollen wir Sie in der sicherlich manchmal etwas unübersichtlichen Welt der Arbeitsschutzregeln nicht allein lassen und bei der Wahrnehmung Ihrer Pflichten unterstützen. Damit die zweifelnde Frage „Wo steht das?“ einer positiven Aussage weicht: „Wir machen das!“

Herzlichst Ihr
Dipl.-Ing. Wolfgang Pichl