Industrienachrichten

Die Erdgeschichte ist spannend wie ein Krimi

Vor 15 Millionen Jahren krachte ein tausend Meter dicker Meteorit auf Süddeutschland – wo heute Großstädte liegen, schlugen tonnenschwere Trümmer ein. Selbst nach 50 Jahren Forschungsgeschichte gibt das Nördlinger Ries in Baden-Württemberg Wissenschaftlern noch immer Rätsel auf. 35 Geographielehrer nutzten die Chance, sich vor Ort zu informieren.

Würde das kosmische Geschoss, das einst mit 70.000 Stundenkilometern auf der Albhochfläche einschlug, heute die Erde treffen, wäre das Ausmaß der Verwüstung schlimm. Gisela Pösges vom Rieskrater Museum in Nördlingen erklärte, dass die Sprengkraft des Meteoriten der von 250.000 Hiroshimabomben entsprach. Sie katapultierte einen Hagel aus 300 Milliarden Tonnen Gestein in die Luft. Einzelne Steine des Auswurfs flogen damals bis zu 70 Kilometer und Tektite sogar bis zu 450 Kilometer weit.

Gerade einmal acht Minuten hatte es gedauert, bis sich zwei Krater mit 25 und vier Kilometern Durchmesser bildeten. In einem Umkreis von rund 100 Kilometern löschte der Einschlag jegliches Leben aus und veränderte die Landschaft nachhaltig, wie Diplom-Geologin Gisela Pösges berichtete. Die vom Landesverband der Schulgeographen und dem Industrieverband Steine und Erden (ISTE) organisierte Lehrerfortbildung zeigte: Geologie ist spannend wie ein Krimi. Das mag nicht jeder Schüler so sehen, aber für Bernhard Wetzel vom Ulmer Kepler-Gymnasium stand am Freitag fest, dass die Exkursion Impulse für einen lebendigen Unterricht setzt.

Die Fortbildung trage dazu bei mit Naturphänomenen direkt in Kontakt zu kommen. „Natürlich kenne ich die wissenschaftlichen Zusammenhänge rund um das Nördlinger Ries“, sagte der Erdkundelehrer. „Aber wenn man Standorte, die geologisch bedeutsam sind, selbst besucht und dabei mit Fachleuten ins Gespräch kommt, dann können Eindrücke viel besser an Schüler weitergegeben werden.“

Schließlich ist vielen, die das Nördlinger Ries erkunden, nicht bekannt, dass die NASA im August 1970 mit den Astronauten der Apollo 14 und 17 Missionen hier ein Feldtraining absolvierte. Es vermittelte den Raumfahrern Grundlagen, um die Auswurfmassen von Kratern zu erkennen und gezielt Proben zu entnehmen. Jürgen Bauer vom Rotteck-Gymnasium in Freiburg, war überzeugt, dass solche Informationen bei Schülern das Interesse an erdgeschichtlichen Themen wecken.

Der renaturierte Steinbruch „Lindle“ am Nördlinger Ries ist ein Fenster in die Erdgeschichte und ein Hotspot der Biodiversität.
Der renaturierte Steinbruch „Lindle“ am Nördlinger Ries ist ein Fenster in die Erdgeschichte und ein Hotspot der Biodiversität.

Gesteine als Wirtschaftsgrundlage

Auch aktuelle Bezüge sind wichtig. Denn die vor Jahrmillionen entstandenen Gesteinsformationen bilden die wirtschaftliche Grundlage eines ganzen Industriezweiges. Der ISTE ermöglichte den Lehrern, den Steinbruch der Firma Hutter in Neresheim zu besuchen. Das Unternehmen produziert feinste Gesteinsmehle, die unter anderem als Zuschlagsstoff bei der Betonherstellung oder in der Futtermittelindustrie eingesetzt werden. ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger berichtete, dass Gesteinsmehle aber auch in der Pharma-, Lebensmittel-, Glas-, Eisen- und Stahlindustrie Verwendung finden.

Kurt Baldenhofer vom Verband der Schulgeographen Baden-Württemberg stellte den GeoKoffer vor. Ein multimediales Lerninstrument, das den Anforderungen eines modernen Unterrichts gerecht wird. Der Koffer enthält die 14 wichtigsten Bausteine des Landes, darunter Granit, Gneis, Jura- und Muschelkalk sowie Beton, der nach dem Abriss von Gebäuden als Recycling-Baustoff wiederverwendet wird. Das für die Klassenstufen acht bis zehn erarbeitete Lehrmittel beinhaltet Unterrichtsmaterialien wie Arbeitsblätter, Schaubilder, Literaturlisten oder Link-Sammlungen für das Internet. Auch Filme und PowerPoint-Dateien wurden dem Koffer auf einem USB-Stick beigefügt.

Inmitten der Terrassenlandschaft des herzoglichen Weinbergs in Mundelsheim präsentierte auch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller im Juli den GeoKoffer: Klaus-Peter Hutter, Mundelsheims Bürgermeister Holger Haist, ISTE-Vizepräsident Peter Röhm, Umweltminister Franz Untersteller, ISTE-Geschäftsführer Thomas Beißwenger und Herzog Michael von Württemberg (von links).
Inmitten der Terrassenlandschaft des herzoglichen Weinbergs in Mundelsheim präsentierte auch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller im Juli den GeoKoffer: Klaus-Peter Hutter, Mundelsheims Bürgermeister Holger Haist, ISTE-Vizepräsident Peter Röhm, Umweltminister Franz Untersteller, ISTE-Geschäftsführer Thomas Beißwenger und Herzog Michael von Württemberg (von links).
 
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