Unternehmensführung

Natursteine sicher abbauen und nachhaltig einsetzen

In Menschen, Ideen und Prozesse zu investieren, zahlt sich langfristig für eine verantwortungsvolle Gewinnung von Naturstein eher aus, als mit plakativen Thesen wie „an diesen Steinen hängt Blut“ die moralische Keule zu schwingen.

Diese These kann als Quintessenz einer Diskussionsrunde am Stand der BG RCI während der Messe Stone+tec in Nürnberg gelten. Was können wir auch am Standort Deutschland tun, um die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Steingewinnung in Entwicklungsländern zu verbessern?

Der als Ehrengast in die Runde geladene ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in der Vergabeordnung für öffentliche Aufträge bestimmte Rechtsnormen und Standards festgehalten werden müssten, um so nicht nur den billigsten Anbieter, sondern auch den mit höherer Kompetenz in Arbeitssicherheit und fairem Handel zu berücksichtigen.

Billigstein aus China reduziere beispielsweise in der Stadt Königswinter die Ausgaben für Sanierungen, aber in anderen deutschen Kommunen stiegen die Sozialausgaben, weil Steinbrüche geschlossen würden, nannte Rainer Krug vom Deutschen Natursteinverband eine weitere gesellschaftliche Unstimmigkeit.

Helmut Ehnes (Generalsekretär ISSA Mining und Präventionsleiter BG RCI) verwies in der Diskussion ebenfalls auf die erheblichen sozialen Auswirkungen, die gefährliche Arbeitsbedingungen in den Ländern mit hohen Unfallzahlen hätten: „Zum Teil schlägt sich das mit einem gesamtwirtschaftlichen Verlust von bis zu vier Prozent nieder.“ Familien und ganze Gesellschaften sind von den Folgen von Arbeitsunfähigkeit beispielsweise durch die Staublungenkrankheit Silikose betroffen.

Heinecke Werner, Initiator des Sozial- und Umweltstandards Fair Stone, pflichtete Jana Stange vom Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten bei, als es um eine für die Käufer einfach zu handhabende Möglichkeit ging, fair gehandelte Steine zu erkennen: „Wir haben zwar mittlerweile eine Labelflut. Aber international anerkannte Standards wie beim Holz- und Fischhandel haben sich mittlerweile durchgesetzt“, sagte Stange. Könne ein entsprechendes Zertifikat installiert werden, wäre dem Naturstein geholfen. „Ein Label wie das vor rund 15 Jahren initiierte FSC (Forest Stewardship Council) streben wir an!“, ergänzte Werner.

Und die ISSA Mining als international etablierte Fachorganisation könne helfen, einen solchen Standard zu etablieren, sagte Walter Riester mit Blick in die Zukunft: „Ich hatte es schon mal dem Arbeitsministerium vorgeschlagen.“

Ausgezeichnete Leistungen

Auf der Stone+tec wurden auch herausragende Leistungen in Architektur und Handwerk geehrt: Der Gewinner des Deutschen Naturstein-Preises 2013 aus rund 60 eingereichten Arbeiten ist der Neubau des E-Science Lab der ETH Zürich des österreichischen Architekturbüros Baumschlager Eberle.

Den Peter Parler-Preis, mit dem besondere Leistungen des Steinmetzhandwerks in der Restaurierung und Denkmalpflege ausgezeichnet werden, teilen sich in diesem Jahr Markus und Christof Traub für die Restaurierung der „Betsäule“ in Halle sowie Roland Heimbach und Christoph Mai, Monolith Bamberg, für die Restaurierung und Konservierung des Hallenchors von St. Lorenz in Nürnberg.

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Walter Riester (Bundesminister a.D.), Reiner Krug (DNV), Jana Stange (BHB), Heinecke Werner (Fair Stone) und Helmut Ehnes (BG RCI, ISSA Mining) sprachen mit Moderatorin Gudrun Loeb (von links) über Optionen zu fair gehandeltem Naturstein.
Walter Riester (Bundesminister a.D.), Reiner Krug (DNV), Jana Stange (BHB), Heinecke Werner (Fair Stone) und Helmut Ehnes (BG RCI, ISSA Mining) sprachen mit Moderatorin Gudrun Loeb (von links) über Optionen zu fair gehandeltem Naturstein.