Arbeitssicherheit

Gefährdungsbeurteilung anhand des Beispiels „Baggerführer in der Nassgewinnung“

Arbeitsplätze in Deutschland - und damit auch in den Mitgliedsbetrieben der Branche Baustoffe - Steine - Erden der Berufs­genossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) - haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund eines Strukturwandels in der Wirtschaft deutlich verändert. Alleinarbeit ist heute in den verschiedensten Wirtschaftszweigen, Unternehmen und Berufen weit verbreitet. Als Folge eines unverändert bestehenden Rationalisierungs- und Technisierungsdruckes in den Unternehmen ist davon auszugehen, dass die Anzahl von Einzelarbeitsplätzen in der Zukunft weiter zunehmen wird. Vor dem Hintergrund dieses Trends zu mehr Alleinarbeit oder Einzelarbeitsplätzen erscheint es wichtig, dass sich die Prävention dem Thema der spezifischen Risiken und Belastungen im Bereich der Alleinarbeit zuwendet.

Der zweite Teil des Artikels von BG RCI-Aufsichtsperson Maik Schlademann befasst sich nun unter anderem mit einer beispielhaften Gefährdungsbeurteilung und der Analyse der psychischen Belastungsfaktoren.

Zum ersten Teil des Artikels

Einzelarbeitsplatz eines Schwimmgreiferbaggerführers.
Einzelarbeitsplatz eines Schwimmgreiferbaggerführers.

Anhand des Arbeitsplatzes des Bedieners einer Schwimmgreiferanlage (in der Umgangssprache als Baggerführer bezeichnet) werden die auftretenden Belastungen ermittelt und bewertet. Als Beispielbetrieb dient das Kieswerk Vennebeck der Fa. Rhein-Umschlag GmbH & Co. KG in Porta Westfalica. Vor Ort wurden die Mitarbeiter des Betriebes, insbesondere der Baggerführer, zu seinem Einzelarbeitsplatz befragt. Die Arbeitsaufgabe des Baggerführers besteht im Wesentlichen in der Überwachung und Kontrolle des automatischen Gewinnungsvorganges. Diese Aufgabe nimmt nach eigener Aussage rund  80 Prozent seiner Arbeitszeit in Anspruch.

Außerdem beinhaltet seine Arbeitsaufgabe:

Belastungs-Beanspruchungsmodell (Diagramm)
Belastungs-Beanspruchungsmodell (Quelle: BGHM-Aktuell 3/2012, Prävention psychischer Belastungen im Arbeitsleben).

Die Gefährdungs- und Belastungsfaktoren für diesen Einzelarbeitsplatz sind:

Mechanische Gefährdungen

offene Antriebe, Einzugstellen an Maschinen (z.B. Krananlage, Winden) und Bandanlagen, Seilriss, getroffen werden durch herabfallende Steine aus Greifer und Vorsieb.

Elektrische Gefährdungen

Betreiben von elektrischen Betriebsmitteln in nasser, leitfähiger Umgebung. Die Oberfläche des Schwimmpontons wird beim Ein- und Auftauchen des Greifers mit Wasser bespritzt.

Gefährdung durch Arbeitsplatzgestaltung

Sturz auf der Ebene, Ausrutschen (Nässe), Stolpern (über Bord geführte Ankerseile, Übergänge an Bandanlagen, übergelaufenes Material (Kies)), Umknicken, Fehltreten

Psychische Belastungsfaktoren

Soziale Vereinsamung, Monotonie, mangelnde Wertschätzung, Unterforderung

Ergonomische Belastungsfaktoren

Einseitig belastende körperliche Arbeit durch Sitzen, schlechte Beleuchtung, Klima in der Kabine

Organisatorische Belastungsfaktoren

Auswahl von geeignetem Personal, Verhalten in besonderen Situationen, z.B. bei Gewitter, Sturm oder Nebel (Angst), Erste Hilfe-Organisation

Physikalische Gefährdungen

Lärm

Sonstige Gefährdungen

Sturz ins Wasser und die sich daraus ergebende Gefahr des Ertrinkens.Da bei Einhaltung der Vorschriften keine höheren Risiken als an anderen Arbeitsplätzen bestehen, wird im Folgenden nur noch auf die sogenannten „weichen Gefährdungsfaktoren“, die Alleinarbeit prägen, näher eingegangen.

Psychische Belastungsfaktoren

Die Norm DIN EN ISO 10075 definiert psychische Belastung als: „…die Gesamtheit aller erfassbaren äußeren Einflüsse, die auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“ Psychische Beanspruchung wird „…als die unmittelbare Auswirkung der psychischen Belastung in Abhängigkeit von den individuellen Voraussetzungen und Bewältigungsmöglichkeiten“ definiert. Psychische Belastungen können bei starker Ausprägung zu Leistungsminderung, Fehlern, Unfällen oder Erkrankungen beitragen. Um den Zusammenhang zwischen Belastungen und Auswirkungen deutlich zu machen, hat sich das sogenannte Belastungs-Beanspruchungsmodell bewährt.

Man sieht, dass die Auswirkungen auf Mitarbeiter abhängig von persönlichen Merkmalen individuell sehr unterschiedlich sein können. Im Folgenden werden nun die bei Alleinarbeit vorhandenen psychischen Belastungsfaktoren näher betrachtet.

Soziale Vereinsamung

Im Gespräch schilderte der Baggerführer, dass er seinen Arbeitsplatz zu Schichtbeginn in der Regel zu Fuß über den Laufsteg entlang der Bandstraße erreicht. Er kommt immer direkt zu seinem Arbeitsplatz, ohne dass er morgens seine Kollegen trifft. Er verbringt dann die gesamte Schicht allein auf dem Schwimmbagger, der sich rund 1.000 Meter entfernt von den nächsten Mitarbeitern des Kieswerkes befindet.

Nach Schichtende oder Schichtübergabe auf dem Schwimmbagger fährt er dann meistens direkt nach Hause ohne seine Kollegen zu treffen. In seiner Kabine ist er mit einem Funkgerät und einem Mobiltelefon ausgestattet, mit dem er bei Bedarf mit anderen Kollegen und dem Werkleiter sprechen kann. Er sagt, er nutzt diese Möglichkeit von sich aus kaum. Ab und zu käme mal jemand vorbei, aber das sei im Vergleich zu früher auch weniger geworden. Bei Schichtwechsel sei auch kaum Zeit, sich mit dem Kollegen der anderen Schicht zu unterhalten, da die Überschneidungszeit der zwei Schichten nur eine Stunde betrage und der Weg zu Fuß zum Schwimmbagger ja schon recht lange dauere.

Der geringe Kontakt mit anderen Menschen isoliert den Mitarbeiter innerhalb des Betriebes und scheint ihn psychisch zu belasten, so dass hier Handlungsbedarf angezeigt ist.

Monotonie der Arbeit

Die Arbeitsaufgabe des Baggerführers besteht in erster Linie aus einer überwachenden Tätigkeit aus dem Leitstand heraus, da der Schwimmgreifbagger fast ausschließlich im Automatikbetrieb läuft. Die Überwachung erfolgt im Leitstand mit Hilfe eines Monitors.

Der Baggerführer kann die Kabine auch verlassen, um Kontrolltätigkeiten im Bereich des Vorsiebs oder der Schwimmbänder und Pontons durchzuführen.

Er nutzt diese Möglichkeit zur Bewegung oder Abwechslung aber nur sehr selten, da er das Gefühl hat, eine tägliche mehrfache Kontrolle ist in diesem Bereich unnötig. Der Arbeitsalltag wird meist als sehr monoton empfunden, da es kaum Unterschiede im täglichen Arbeitsablauf gibt. Der Baggerführer schildert, dass er manchmal Vögel im Umfeld des Gewässers beobachtet und dies für ihn eine willkommene Abwechslung darstellt. Der Ort des Arbeitsplatzes (die triste Steuerkabine) auf dem Schwimmbagger bietet ebenso kaum Abwechslung.

Die beschriebene Situation scheint den betroffenen Mitarbeiter psychisch ebenfalls zu belasten, so dass auch hier Handlungsbedarf angezeigt ist.

Mangelnde Wertschätzung der Arbeit

Der Baggerführer hat das Gefühl, dass seine Arbeit nicht ausreichend wahrgenommen wird. Er fragt sich, ob seine Kollegen und Vorgesetzten überhaupt wissen, was er an seinem Arbeitsplatz leistet. Er bekommt keine oder nicht ausreichend Rückmeldung über seine Arbeit.

Durch diesen Zustand stellt sich beim Baggerführer eine gewisse Gleichgültigkeit ein. Neben der Tatsache, dass der Baggerführer nicht weiß, ob seine Leistung gesehen und anerkannt wird, ist es für ihn und seine Vorgesetzten schwierig, seine Leistung zu messen. Er überwacht lediglich einen Arbeitsprozess, der weitestgehend im Automatikbetrieb abläuft. Das Ergebnis seiner Arbeit ist somit nicht „sichtbar“ und der eigene Beitrag des Baggerführers zum Arbeitsergebnis wird kaum wahrgenommen.

Aus den Aussagen des Baggerführers lässt sich schließen, dass er die Wertschätzung ihm gegenüber als zu gering beurteilt und diese Situation ihn gefühlsmäßig belastet. Er kann im Grunde gar nicht einschätzen, wie seine Arbeit von seinen Vorgesetzten und Kollegen bewertet wird. Die geschilderte Situation belastet den Mitarbeiter, Handlungsbedarf ist angezeigt.

Ergonomische Belastungsfaktoren

Ergonomie beschäftigt sich mit der Untersuchung und Gestaltung des Systems Mensch-Arbeit-Technik. Ziel ist die menschengerechte Gestaltung der Arbeit zur Verbesserung von Gesundheitsschutz, Sicherheit, Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Zufriedenheit der Beschäftigten.

Einseitig belastende körperliche Arbeit

Nach seinen Angaben sitzt der Baggerführer überwiegend in seiner Kabine auf dem im Bild links dargestellten Stuhl, der fest mit dem Boden verschraubt ist, aber eine Drehung um die eigene Achse zulässt. Er ist insgesamt sehr starr, stark verschlissen und besitzt kaum individuelle Einstellungsmöglichkeiten.

Als Belastung wird die überwiegend sitzende Tätigkeit derzeit zwar nicht empfunden, allerdings ist hier dennoch Handlungsbedarf gegeben, da andernfalls in der Zukunft negative Auswirkungen auf den Bewegungsapparat zu erwarten sind.

Beleuchtung

Die Beleuchtung in der Kabine wird durch das natürliche Licht, das durch die Fenster einfällt, als ausreichend empfunden. In der „dunklen Jahreszeit“ wird die künstliche Beleuchtung, die durch eine Leuchtstoffröhre gewährleistet ist, als manchmal zu dunkel und teilweise anstrengend für die Augen empfunden. Auch hier ist Handlungsbedarf gegeben, gerade vor dem Hintergrund möglicher negativer Auswirkungen in der Zukunft (Langzeitschäden).

Klima

Die Kabine des Baggerführers ist nicht klimatisiert. Auf die Frage nach der Temperatur innerhalb der Kabine merkte der Baggerführer an, dass es hier gerade im Sommer teilweise sehr heiß wird, zumal die Sonne von allen Seiten ungeschützt auf die Kabine scheint. Er öffnet dann die Tür seiner Kabine, um eine gewisse Luftzirkulation zu ermöglichen. Durch diese Maßnahme ließe sich die Hitze dann besser ertragen.

Hier ist ebenfalls Handlungsbedarf gegeben, um die beschriebene Situation zu verbessern (Klimaanlage, zumindest effektiver Sonnenschutz durch Beschattung ist Stand der Technik).

Organisatorische Belastungsfaktoren

Leitstand mit Monitor zur Überwachung.
Leitstand mit Monitor zur Überwachung.

Der Baggerführer erklärte, dass er nunmehr seit 14 Jahren auf dem Schwimmbagger eingesetzt ist. Zuvor hatte er am Fließband gearbeitet. Die Umstellung auf den neuen Einzelarbeitsplatz, insbesondere die Einsamkeit, war ihm anfangs doch recht schwer gefallen. Es hat rund zwei Jahre gedauert, sich an die neuen Arbeitsbedingungen zu gewöhnen. Richtig vorstellen konnte er sich die Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit der Alleinarbeit seinerzeit bei seiner Einstellung nicht, sagte er. Im Hinblick auf eine mögliche Optimierung bei der Auswahl von Personal ist Handlungsbedarf gegeben.

Verhalten in besonderen Situationen

Im Arbeitsalltag treten immer wieder Situationen auf, die eigenständige Entscheidungen des Baggerführers erfor­derlich machen. So besteht Gefahr des Kenterns bei schlechten Wetterbedingungen wie plötzlich einsetzende Gewitter und Sturm, besonders wenn der Arbeitsplatz auf einem großen Gewässer liegt.

Es ist auch schon einmal vorgekommen, dass der Greifer durch eine Böschungsrutschung verschüttet wurde. Der Kollege aus der anderen Schicht hatte den Vorfall nicht gemeldet, sondern war nach Schichtende nach Hause gefahren. Erst am nächsten Morgen bemerkte der Baggerführer, dass der Greifer festgesetzt war und geriet in leichte Panik. Er meldete den Vorfall und es wurden Maßnahmen zum Lösen der Schaufel eingeleitet.

Es besteht Handlungsbedarf, da der Baggerführer in solchen besonderen Situationen bei der Alleinarbeit überfordert ist.

Erste-Hilfe-Organisation

Im Notfall stehen dem Baggerführer eine Funkverbindung und eine separate Verbindung über ein Mobiltelefon zur Verfügung. Die weiteren Rettungs- und Erste-Hilfe-Maßnahmen sollen nach dem vorhandenen Notfallplan eingeleitet werden.

Es sind auch schon Notfallübungen im Betrieb durchgeführt worden, wobei eine reale Rettung des Baggerführers simuliert wurde, was gut funktioniert hat.

Weiterhin ist eine Betriebsanweisung zum Verhalten des Baggerführers in Notfällen vorhanden. Die Betriebsanweisung ist inhaltlich so konkret gefasst, dass der Baggerführer sie Punkt für Punkt abarbeiten kann ohne selbstständige Entscheidungen treffen zu müssen. Der Baggerführer hat keine Angst vor einem Notfall. Hier ist nur ein bedingter Handlungsbedarf erkennbar.

Übersicht der gewichteten Gefährdungen

Alle aufgezeigten Gefährdungen werden in der folgenden Tabelle noch einmal zusammengefasst und gewichtet.

Gefährdungen Risiko/Belastung
Groß Mittel Klein
soziale Vereinsamung
x
Monotomie
x
mangelnde Wertschätzung
x
Schädigung der Gelenke und Rückenmuskulatur
durch ständiges Sitzen
x
Beleuchtung
x
Klima
x
Auswahl von geeignetem Personal
x
Verhalten in besonderen Situationen
x
Erste Hilfe-Organisation
x

Gewichtete Gefährdungen des Baggerführers.

Mangelhafter Stuhl des Baggerführers.
Mangelhafter Stuhl des Baggerführers.

Präventionsmaßnahmen

Nachfolgend werden Präventionsmaßnahmen für die gewichteten Gefährdungen abgeleitet. Dabei wird im Grundsatz von der Maßnahmenhierarchie nach dem STOPP-Modell ausgegangen:

S ubstitution der Gefahrenquelle steht vor

T echnischen und

O rganisatorischen Maßnahmen.

P ersönliche Schutzausrüstung (PSA) steht vor

P ersonenbezogenen Maßnahmen.

Bei den im Folgenden aufgezeigten Präventionsmaßnahmen stößt das bewährte Prinzip „Rangfolge der Schutzmaßnahmen“ allerdings an Grenzen. Die Reduzierung von Belastungen und Gefährdungen erfordert hier regelmäßig auch die Umsetzung in organisatorische Maßnahmen.

Die im Folgenden beschriebenen Maßnahmen haben das Ziel, den Baggerführer stärker in die betrieblichen Abläufe zu integrieren.

Informationsbesuche

Das Unternehmen organisiert mindestens einen täglichen Informationsbesuch durch den Vorgesetzten oder einen Kollegen, zeitlich variabel, wobei nach aktuellen Problemen und Störungen gefragt werden soll.

Der Weg vom Land zum Schwimmbagger könnte gleichzeitig genutzt werden, um den Laufsteg und die Bandstraße regelmäßig auf Beschädigungen zu kontrollieren. Dies sollte anschließend auch dokumentiert werden. Ein Nebeneffekt wäre hierbei eine angemessene Umsetzung von Prüffristen und Dokumentation nach einem gefährdungsorientierten Ansatz.

Die Kontrollbesuche sollen als Hilfestellung für den Baggerführer und nicht als „Dienstaufsicht“ verstanden werden. Hierbei sollen regelmäßig Informationsfragen nach der Befindlichkeit des Baggerführers gestellt werden.

Weiterhin sollen regelmäßige Kontrollanrufe (mindestens vier mal pro Schicht) per Mobiltelefon eingeführt werden. Wichtig ist auch ein Anmelde-Abmeldeverfahren, wenn der Baggerführer aus welchen Gründen auch immer seinen Stuhl verlässt. Durch diese Maßnahmen soll unter anderem auch die Kommunikation gefördert werden, um so der sozialen Vereinsamung entgegenzuwirken.

Rotation

Falls der Baggerführer es möchte, wird innerbetrieblich die Möglichkeit für eine  wochenweise Rotation geschaffen. Er kommt dann abwechselnd in andere Arbeitsbereiche des Unternehmens (an Land), was der Belastung aus Monotonie entgegenwirkt. Der Baggerführer wird durch diese weiteren Aufgaben an Land aufgewertet, die Kollegen lernen die Problematik des Arbeitsplatzes an Bord kennen, was ebenfalls zu einer Aufwertung des Baggerführers führt.

Hierbei ist es wichtig, dass die Rotation nicht zwangsweise durchgeführt wird, sondern als Angebot für die Alleinarbeitenden verstanden wird. Der gewünschte positive Effekt einer Arbeitsbereicherung durch Rotation kann sich nur dann einstellen, wenn der Mitarbeiter dies für sich persönlich als gut und angenehm empfindet.

Innerbetriebliche Kommunikation

Die Abläufe insbesondere vor und nach der Arbeitsschicht werden dahingehend geändert, dass der Baggerführer seine Schicht im Betrieb (an Land) beginnt und beendet.

Er soll zukünftig nicht mehr direkt zum schwimmenden Gerät fahren und von dort direkt nach Hause, sondern der Treffpunkt ist immer im Sozialgebäude der Firma, wo dann auch die Zeiterfassung seiner Schicht erfolgen soll. Durch diese Maßnahme soll die Kommunikation insbesondere zu den Kollegen verbessert werden.

Weiterhin könnte der Betrieb zukünftig zweimal jährlich eine Betriebsfeier anbieten, ein Grillfest  und eine Weihnachtsfeier, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und so auch die innerbetriebliche Kommunikation zu verbessern.

Außerdem sollte einmal wöchentlich Betriebssport angeboten werden, der bei Zuspruch durch die Beschäftigten verbindlich eingeführt werden könnte.

Als flankierende Maßnahme wird einmal pro Quartal ein fester Termin für ein Gespräch des Baggerführers mit seinem Vorgesetzten vorgeschlagen. Durch diese Gespräche können einerseits mögliche Probleme besprochen werden, andererseits wird aber auch die Wichtigkeit des Arbeitsplatzes unterstrichen, denn der Vorgesetzte nimmt sich Zeit mit dem Baggerführer zu sprechen. Diese Zeit für ein Gespräch drückt schon für sich genommen eine Wertschätzung aus. In diesen Gesprächen soll der Baggerführer auch zu seinen täglichen Arbeitsprozessen befragt werden und kann so Verbesserungsvorschläge einbringen.

Nur wenn die Arbeitsprozesse aus Sicht des Baggerführers „stimmig“ sind und nicht als „umständlich“ empfunden werden, wird er sie auch in Alleinarbeit wie vorgesehen ausführen. Dieser Aspekt ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass bei Alleinarbeit soziale Kontrolle schwierig ist.

Ausstattung des Arbeitsplatzes

Um den ergonomischen Belastungen des Baggerführers entgegenzuwirken, wird die Ausstattung des Arbeitsplatzes modernisiert. Der vorhandene Stuhl wird durch einen modernen Drehstuhl, der sich gut individuell einstellen und anpassen lässt, ersetzt.

Bei der Beleuchtung wird geprüft, ob die gemäß Technischer Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4 vorgeschriebenen Werte eingehalten sind und bei Bedarf werden neue Beleuchtungskörper beschafft. Bei der Anordnung der Beleuchtung sollen insbesondere Belastungen des Auges durch große Kontraste vermieden werden

Weiterhin soll die Kabine des Baggerführers klimatisiert werden und durch Außenjalousien, -lamellen beschattet werden, um so die zu hohen Innenraum-Temperaturen im Sommer zu senken.

Baggerführer beim Beobachten des Greifvorgangs.
Baggerführer beim Beobachten des Greifvorgangs.

Anforderungsprofil für Personal

Bei der Auswahl von geeignetem Personal für Alleinarbeit soll von folgenden Fragestellungen als Leitfragen ausgegangen werden:

In jedem Fall sollten bei diesen Fragestellungen der zuständige Betriebsarzt und die Sicherheitsfachkraft beteiligt werden. Psychisch ungeeignet sind Personen, die zeitweise oder dauernd unter psychischen Störungen oder Krankheiten leiden. Die eingesetzten Personen sollten keine Angst haben abgeschieden und allein zu arbeiten. Dies sollte auch bei Arbeiten in der Dämmerung, nachts oder bei Nebel gelten.

Weiterhin sollte eine psychische Belastbarkeit in Notsituationen gegeben sein, wo die allein arbeitenden Mitarbeiter angemessen ruhig reagieren müssen und auf keinen Fall in Panik verfallen dürfen.

Physisch ungeeignet sind Menschen, die Beschwerden wie

Intellektuell ungeeignet sind Personen, die aufgrund ihrer geistigen Fähigkeiten nicht in der Lage sind, Anweisungen exakt auszuführen oder in Notsituationen richtig zu reagieren, was natürlich eine vorherige Unterweisung der Baggerführer voraussetzt.

Diese persönliche Eignung für Alleinarbeit könnte beispielsweise bereits bei der Einstellung durch die Unternehmen erfragt oder durch eine Einstellungsuntersuchung durch den Betriebsarzt festgestellt werden.

Unterweisungen – Verhaltensregeln

Alle Baggerführer in Alleinarbeit werden einer besonderen Unterweisung unterzogen, damit sie genau wissen, wie sie sich an ihrem Arbeitsplatz zu verhalten haben. Die Erstunterweisung erfolgt vor dem ersten Arbeitsantritt als Baggerführer.

Später plant der Betrieb periodisch, d.h. mindestens einmal jährlich, eine Unterweisung, um zunächst zu überprüfen, ob das vermittelte Wissen noch vorhanden ist, und davon abhängig die Unterweisung ggf. zu wiederholen.

Inhaltlich soll bei der Unterweisung auf folgende Fragestellungen des Baggerführers eingegangen werden:

Diese Unterweisungen sollen vorrangig am Arbeitsplatz vor Ort durchgeführt werden, um sie möglichst praxisnah zu gestalten.

Unterstützung durch die BG RCI

Vor dem Hintergrund, dass nur rund sechs Prozent der Mitgliedsbetriebe in ihren Gefährdungsbeurteilungen psychische Belastungsfaktoren berücksichtigen, erscheint es sehr wichtig, diese Notwendigkeit in Seminaren der BG RCI deutlich zu machen und entsprechende Hilfestellungen anzubieten.

Dabei stehen etliche Seminare, die sich an unterschiedliche Adressaten in den Betrieben richten, zur Verfügung. In den „Unternehmerseminaren“ (Seminare, die zur alternativen Betreuung nach DGUV Vorschrift 2 vom Unternehmer besucht werden müssen) kann die oberste Führungsebene in den Betrieben erreicht werden, nämlich die Unternehmer selbst.

In „Führungskräfteseminaren“ kann die Ebene Meister und Vorarbeiter gezielt angesprochen werden und schließlich stehen auch noch die „Sicherheitsbeauftragten-Schulungen“ zur Verfügung, die sich an die Sicherheitsbeauftragten in den Betrieben richten.

Bei der inhaltlichen Gestaltung der Seminare sollte an oberster Stelle die Sensibilisierung der Teilnehmer für das Thema „psychische Belastungen der Mitarbeiter bei Alleinarbeit“ stehen. Es sollte aufgezeigt werden, mit welchen Maßnahmen die zwangsläufig vorhandenen Belastungen aus der Alleinarbeit vermindert werden können. Sehr wichtig erscheint hier der Aspekt, dass diese Maßnahmen in den Mitgliedsbetrieben meistens relativ kostengünstig umgesetzt werden können.

Maik Schlademann, BG RCI

Weiterführende Literatur:

Arbeitsstättenverordnung, Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV) vom 19.07.2010

BGV A1, Grundsätze der Prävention vom 01.01.2011

BGR A1, Grundsätze der Prävention, Ausgabe 01/2009

BGR 139, Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen, Ausgabe 01/2012