Industrienachrichten

Europaweit einmalig: Zementwerk nutzt Abwärme zur Stromgewinnung

Das Zementwerk Rohrdorf bei Rosenheim, Bayern, nahm im Juni mit einem Festakt europaweit das erste Kraftwerk zur Stromerzeugung in einem Zementwerk in Betrieb.

Das Unternehmen investierte in den vergangenen sechs Jahren insgesamt 100 Millionen Euro in den Klimaschutz sowie die Energieeffizienz und sichert damit langfristig den Produktionsstandort in der Region.

Sechs Jahre lang wurde in Rohrdorf umgebaut und in Umweltschutzmaßnahmen investiert, jetzt sind die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit der Inbetriebnahme des Abwärmekraftwerkes kann das Unternehmen von sich behaupten, das umweltfreundlichste und gleichzeitig energieeffizienteste Zementwerk der Welt zu betreiben. Das Rohrdorfer Zementwerk ist Teil der Rohrdorfer Gruppe, die an 40 Standorten in Deutschland, Österreich, Italien und Ungarn neben Zement auch Transportbeton, Betonwaren und Betonfertigteile herstellt sowie Sand und Kies abbaut.

Heinrich Rodlmayr, technischer Leiter der Rohrdorfer Gruppe, unterstrich die Bedeutung der Anlage für den Standort mit einem Zitat des Bayerischen Umweltmi-nisters Marcel Huber: „Wir wollen unseren Strombedarf selber decken können, die bayerische Industrie darf nicht davon abhängen, ob sich die Windräder in der Nordsee drehen.“ Rodlmayr ergänzte: „Wir können nun mit Stolz behaupten, das Zementwerk Rohrdorf trägt mit seinem neuen Kraftwerk seinen Teil dazu bei.“

Das Herzstück der Anlage – hier wird die bisher ungenutzte Abwärme mittels einer Turbine und eines Generators in Strom umgewandelt.
Das Herzstück der Anlage – hier wird die bisher ungenutzte Abwärme mittels einer Turbine und eines Generators in Strom umgewandelt.

Die bisher ungenutzte Abgaswärme des Drehrohrofens, des Klinkerkühlers und der Restwärme der Entstickungsanlage erzeugt mit Hilfe einer Dampfturbine und eines Generators Strom. In einem neuartigen Verfahren wird mit der Wärmeenergie der Abgase Heißdampf gewonnen; dieser treibt die Turbine an, die über den Generator Strom erzeugt. Mindestens ein Drittel des Bedarfes des gesamten Betriebes wird so gedeckt.

Rund sieben Megawatt soll das Abwärmekraftwerk produzieren, das entspricht ungefähr dem jährlichen Verbrauch von 10.000 Haushalten. Die Einsparung an fossilen Brennstoffen beträgt 12.000 Tonnen, der jährliche CO2-Ausstoß wird damit um 30.000 Tonnen gesenkt. Die Investitionssumme betrug 31 Millionen Euro. Die Anlage wurde durch das Bundesumweltministerium im Rahmen der Klimaschutzinitiative gefördert. Zudem erhielt die europaweit erste Anlage in einem Zementwerk den ersten Preis in der Kategorie „Umweltverträgliche Produkte und Lösungen“ des Siemens Umweltpreises 2011.

Umweltschutz hat Priorität

Nicht nur das Abwärmekraftwerk, sondern weitere drei Großprojekte zur Verbesserung des Umweltschutzes und der Energieeffizienz wurden in den letzten Jahren in Angriff genommen, obgleich zu Beginn der  Baumaßnahmen die Marktlage in der Zementindustrie nicht rosig schien. Doch Gesellschafter wie auch Geschäftsleitung des Südbayerischen Portland-Zementwerks Gebr. Wiesböck & Co. GmbH, so der offizielle Name, sind sich ihrer Verantwortung gegenüber Mensch und Natur bewusst. Geschäftsführer Mike Edelmann sagt: „Das geht nur mit Eigentümern, die nicht auf kurzfristige Rendite setzen, sondern in langen Zeiträumen denken.“

Begonnen wurde 2006 mit einer neuen Rohmühle mit Filteranlage. Mit dem Bau der SCR-Entstickungsanlage 2011, einem Katalysator zur Reduzierung der Stickoxide, nahm das Unternehmen eine Vorreiterrolle in der Branche ein. In dem komplizierten Verfahren wird das Ofenabgas mit Hilfe eines Katalysators, ähnlich wie bei einem Auto, gereinigt. Stickoxide werden so in unschädlichen Luftstickstoff und Wasser umgewandelt. Der Pilotcharakter des Projektes wurde gleichfalls vom Bundesumweltministerium mit einer Förderung in Höhe von 4,7 Millionen Euro honoriert. Zudem erhielt das Zementwerk den zweiten Preis des „Energy Efficiency Award 2011“ der Deutschen Energieagentur (dena) für seine mutige Investition.

2011 wurde der Drehrohrofen umgebaut. Der 35 Jahre alte Satellitenkühler wurde durch einen modernen und energieeffizienten Pendelrostkühler ersetzt.

Durch den neuen Kühler werden jährlich 10.000 Tonnen Steinkohle und damit 28.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Die Inbetriebnahme des Kraftwerkes markiert bislang den Schlusspunkt der langjährigen Umbauphase.

Die zum Kraftwerk gehörende Kesselanlage links im Bild, rechts die weltweit erste SCR-Entstickungsanlage dieser Bauart. Sie wurde vor rund einem Jahr in Betrieb genommen.
Die zum Kraftwerk gehörende Kesselanlage links im Bild, rechts die weltweit erste SCR-Entstickungsanlage dieser Bauart. Sie wurde vor rund einem Jahr in Betrieb genommen. // Fotos: Rohrdorfer Zement
 
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