Arbeitssicherheit

Präventionsarbeit lohnt sich!

Kürzlich stellte die Johannes Nickel GmbH Co. KG als Mitgliedsunternehmen der BG RCI und einzige deutsche Firma ihre Präventions-Aktivitäten und den daraus resultierenden ökonomischen Nutzen Experten aus ganz Europa vor. Das geschah bei der Abschlussveranstaltung der dänischen EU-Ratspräsidentschaft „Review of the EU OSH Strategy 2007-2012 and priorities for the future" in Kopenhagen.

Ziel der Konferenz war eine Bestandsaufnahme der aktuellen EU-Strategie zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Mehr als 200 Vertreter der europäischen Sozialpartner, Regierungsvertreter der EU-Mitgliedsstaaten sowie hochrangige Mitarbeiter verschiedener EU-Institutionen nahmen daran teil. Die Evaluation der aktuellen Strategie, Möglichkeiten zur Akzeptanzsteigerung des Arbeitsschutzes in Europa sowie die Betrachtung der wirtschaftlichen Effekte von Arbeits- und Gesundheitsschutz unter Einbeziehung aktueller Studienergebnisse und der Darstellung guter betrieblicher Beispiele kamen zur Sprache.

Investitionen in die Prävention von Arbeitsunfällen und berufsbedingten Erkrankungen helfen betriebliche Kosten zu vermeiden, bedingen aber auch Aufwendungen.

In wieweit rechnen sich diese Investitionen aus betriebswirtschaftlicher Sicht? Diesem Thema widmen sich zwei aktuelle, international angelegte wissenschaftliche Untersuchungen, deren Ergebnisse in Kopenhagen vorgestellt wurden.

Teresa Moitinho, Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit der Europäischen Kommission, stellte die Studie zu „Sozioökonomische Kosten von arbeitsbedingten Unfällen und Gesundheitsproblemen im Vergleich zu entsprechenden Präventionsmaßnahmen“ (benOSH) vor. Bei dieser Studie wurden betriebliche Kosten von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen ermittelt und denen für Präventionsmaßnahmen gegenübergestellt. In der deutlichen Mehrheit der untersuchten Fälle führten Investitionen in Arbeits- und Gesundheitsschutz zu beträchtlichen Einsparungen für die Unternehmen.

Dr. Walter Eichendorf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), sprach über die Ergebnisse der  2010 von der Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS), der DGUV und der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) initiierten  Studie „Calculating the international return on prevention for companies: Costs and benefits of investments in occupational safety and health“.

Die international ausgerichtete Untersuchung befasst sich mit der Frage, ob sich betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Unternehmen lohnt – und kommt zu einem deutlichen Ergebnis: Unternehmen profitieren definitiv von Investitionen in den Arbeitsschutz. Der Nutzen aus Investitionen in den Arbeitsschutz beläuft sich im Schnitt auf mehr als das Doppelte der investierten Summe.

Insgesamt 300 Unternehmen in 16 Ländern wurden nach ihrer Einschätzung der betriebswirtschaftlichen Vor- und Nachteile von Ausgaben für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb befragt. Im Ergebnis erzielten die befragten Firmen insgesamt einen „Return on Prevention" (ROP) von 2,2. Das bedeutet, dass jeder Euro, den ein Unternehmen in betriebliche Präventionsarbeit investiert, sich mit einem ökonomischen Erfolgspotenzial von 2,2 Euro auszahlt.

Darüber hinaus zeigte sich, dass vor allem die mit dem Arbeitsschutz verbundene Verbesserung der Außendarstellung in der Öffentlichkeit und der Betriebskultur, eine gestiegene Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten sowie die Reduzierung von Ausfallzeiten und Betriebsstörungen bedeutsam sind.

Um die Ergebnisse der Studien anhand ihrer Beobachtungen und Erkenntnisse zu erläutern, erhielten fünf Unternehmen die Möglichkeit, ihre Präventionsmaßnahmen und deren Auswirkungen in Kopenhagen vorzustellen.

Neben Vertretern aus Frankreich, Polen, Dänemark und Großbritannien waren Dr. Bettina Nickel als Repräsentantin der Unternehmensleitung und Phillip Tuschhoff für die Belegschaft der Einladung ins Scandic-Tagungshotel gefolgt. Das 1881 gegründete Familienunternehmen Johannes Nickel GmbH & Co. KG betreibt Basaltsteinbrüche, Asphaltmischanlagen sowie mehrere Deponien für Erdaushub und unbelasteten Bauschutt  in Hessen. Es produziert mit seinen 70 Beschäftigten rund eine Million Tonnen mineralische Baustoffe pro Jahr.

Mit der innerbetrieblichen iSiS-Initiative (immer Sicher im Steinbruch) treibe man systematisch die nachhaltige Verbesserung des Arbeitsschutzes voran, sagte Bettina Nickel.

Dr. Bettina Nickel und Phillip Tuschhoff waren für die Johannes Nickel GmbH Co. KG in Kopenhagen.
Dr. Bettina Nickel und Phillip Tuschhoff waren für die Johannes Nickel GmbH Co. KG in Kopenhagen.

Quintessenz der Aktion: Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten können nur durch ein Zusammenspiel von technischen Verbesserungen auf der einen Seite und Kommunikation, Verhaltensänderung sowie betrieblicher Organisation auf der anderen Seite minimiert werden. Zwischen 2004 und 2011 verbesserte der Betrieb die technische Ausstattung in den Basaltwerken und veränderte einige organisatorische Strukturen.

Als roter Faden diente dabei ein auf acht Säulen basierendes Konzept, das einige Aspekte des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes zusammenfasst. Das Spektrum reicht von der Thematisierung der Vorbild-Funktion von Vorgesetzen und Kollegen, der Einbeziehung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Arbeitsverträge und das Qualitätsmanagement-System sowie einer innerbetrieblichen, auf die Bedürfnisse des Betriebs abgestimmten Informationskampagne bis zur Einführung eines Prämiensystems, das bei Unfallfreiheit die Auszahlung von Gruppenprämien vorsieht. Außerdem werden im Zusammenhang mit dem betrieblichen Vorschlagswesen Ideen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes angemessen belohnt. Zusätzlich bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern in Kooperation mit der BG RCI im Hause Seminare zum Thema Arbeitssicherheit an.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die Unfallzahlen sind deutlich gesunken und das Bewusstsein der Beschäftigten für den Arbeitsschutz wurde geschärft.

Phillip Tuschhoff galt der besondere Dank der europäischen Arbeitsschutzexperten. Er absolvierte seine Ausbildung im Unternehmen und arbeitet nun als Fachkraft bei Nickel. Vor der Konferenz hatte Tuschhoff 45 Interviews mit Kolleginnen und Kollegen geführt, um herauszufinden welche Aspekte der iSiS-Aktion von ihnen als besonders positiv und nachhaltig betrachtet werden. Verbesserungen der persönlichen Schutzausrüstung oder die intensivierten, regelmäßigen Unterweisungen standen dabei im Vordergrund. Allerdings wurde auch klar, dass Kommunikation und Kooperation weiter verbessert werden können.

Ein Fazit, das Bettina Nickel mit ihrer Schlussbemerkung stützte: „Wir haben im Laufe der Aktion erkannt, dass es bei dem Bemühen um mehr Sicherheit kein Ende gibt. Nachhaltige Präventionsarbeit muss von allen Beteiligten gelebt werden.“  Es gelte der alte Spruch, Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr’. Je früher Arbeitssicherheit im Bewusstsein der Menschen Verankerung fänden, umso leichter lasse sie sich praktisch leben: „Die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz bleibt auch zukünftig eine Herausforderung!“

Holger Imhoff, BG RCI

Der Nyhavn Canal in Kopenhagen.
Der Nyhavn Canal in Kopenhagen. // Fotos: Imhoff, BG RCI