Arbeitssicherheit

Nachhaltiges Sicherheitsmanagement – Bernd Freibott erläutert im zweiten Teil die Gesamtstrategie

Notfallmanagement als Grundpfeiler einer wirksamen Sicherheitskultur

Zum ersten Teil in Ausgabe 3/2012

Das sogenannte Incident Management (Incident: Störfall) umfasst alle Prozesse von der Ersterfassung eines Vorfalls über das Sicherheitsmanagement bis hin zur Erfüllung gesetzlicher Meldepflichten. Entsprechend groß ist die Zahl der Beteiligten und der zu berücksichtigenden Aspekte. Eine Incident-Management-Lösung erfüllt ihren Zweck nur dann, wenn sie allen Beteiligten und ihren unterschiedlichen Ansprüchen gerecht wird. Jede einseitige oder isolierte Herangehensweise ist zum Scheitern verurteilt. Daher ist es unerlässlich, das Incident Management im größeren Rahmen der EHS-Strategie zum Schutz von Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umweltschutz insgesamt zu betrachten und seine Wechselwirkungen mit Faktoren innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu berücksichtigen.

Besprechung
Die Funktionsbereiche beim Notfallmanagement müssen klar zugewiesen sein. // Foto: Nierzwicki, BG RCI

Eine komplexe Realität

Bei der Gestaltung und Einführung einer vorbeugenden Sicherheitskultur, die von einem modernen Incident-Management-System unterstützt wird, müssen die vielfältigen Wechselwirkungen und Abhängigkeitsbeziehungen im Gesamtzusammenhang des Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzes (EHS) analysiert werden.

Die mit EHS verbundenen Aufgaben verteilen sich auf verschiedene Kompetenz- und Tätigkeitsgruppen, die als Funktionsbereiche bezeichnet werden können. Diese Bereiche – etwa das Gefahrstoffmanagement, der Arbeitsschutz, die Arbeitsmedizin, der Umweltschutz, die Einhaltung von Umweltschutzauflagen und Meldepflichten – greifen stark ineinander. Sie teilen Prozessabläufe und Informationsflüsse. Das nachfolgende Schaubild verdeutlicht die Zusammenhänge zwischen den Funktionsbereichen innerhalb des EHS und zwischen EHS und anderen Unternehmenseinheiten.

Betrachten wir als Erstes die Zusammenhänge von Gefahrstoffmanagement, Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz. Gegenstand des Gefahrstoffmanagements sind Materialien, von denen ein gewisses Risiko für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und die Umwelt ausgeht. Sofern Arbeitnehmer diesen Stoffen ausgesetzt sind, gehen sie in die Belastungsprofile ein, die im Bereich Arbeitsschutz erstellt werden. Die Belastungsprofile zur Bewertung von Gesundheitsrisiken wiederum dienen zusammen mit Informationen aus dem Personalwesen als Planungsgrundlage für die arbeitsmedizinischen Untersuchungen.

Darüber hinaus gibt es eine direkte Verbindung zwischen dem Abfallmanagement und dem Gefahrstoffmanagement, da aus Gefahrstoffen häufig Abfall wird, der als Sondermüll entsorgt werden muss. Als solcher stellt er ein Risiko für die Mitarbeiter der Abfallentsorgung dar. Ferner ist zu beachten, dass das Gefahrstoffmanagement von Anfang an eng mit dem Materialfluss im Unternehmen verflochten ist, von der Beschaffung des betreffenden Stoffs bis zu dem Zeitpunkt, zu dem er das Unternehmen als Produkt, Produktbestandteil oder Abfall wieder verlässt.

Auch mit dem Beschaffungswesen und der Materialwirtschaft hängt die Abfallwirtschaft zusammen, da Dienstleistungen für die Lagerung und Entsorgung von Abfällen eingekauft werden müssen. Darüber hinaus ist auch der finanzielle Aspekt der Abfallentsorgung von großer Bedeutung, weil die Entsorgungskosten in die allgemeinen Materialkosten eingehen und Entscheidungen über die Beschaffung alternativer Stoffe beeinflussen können. Aus diesem Grund muss diese Komponente mit denjenigen für das Rechnungswesen und die Finanzbuchhaltung verknüpft werden. Auch die Einhaltung von Umweltauflagen, beispielsweise der Nachweis einer ordnungsgemäßen Entsorgung, hat einen gewissen Einfluss auf das Abfallmanagement.

Der Funktionsbereich des Incident- oder Unfallmanagements weist in Bezug auf die Meldung von Vorfällen, Unfällen, Gefahren oder Beinahe-Unfällen eine Reihe von Übergängen zu anderen Bereichen auf. Nach einem Schadensereignis kommen häufig noch zahlreiche weitere Funktionsbereiche ins Spiel, beispielsweise das Schadensmanagement und das betriebliche Eingliederungsmanagement. Bei Verletzungen und medizinischen Erstversorgungen tritt der Bereich Arbeitsmedizin hinzu, der für das Unfallmanagement genaue Angaben über die jeweiligen Verletzungen und Erste-Hilfe-Maßnahmen beisteuert.

Besonders wichtig ist die Verbindung zwischen dem Incident Management und dem Arbeitsschutz im Hinblick auf die Prävention, da Vorfälle, Gefahrenberichte und Statistiken über Beinahe-Unfälle wichtige Auslöser für Korrekturen und neue Sicherheitsvorkehrungen sind. Auch die Bereiche Wiedereingliederung, Personalwesen und Gesundheitsschutz hängen eng zusammen, da langfristige Einschränkungen verunfallter Personen sich auf deren Belastbarkeit und damit auf potenzielle Tätigkeiten auswirken können. Die jeweiligen relevanten Strategien zur Wiedereingliederung von Mitarbeitern mit körperlichen Einschränkungen werden von den Wiedereingliederungsbeauftragten in Zusammenarbeit mit der Personalabteilung und dem Gesundheitsschutz erarbeitet.

Der Arbeitsschutz liefert zusätzliche Informationen zur Belastung in alternativen Arbeitsbereichen. Die Personalabteilung steht in Verbindung mit allen Funktionsbereichen im Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutz, die mit dem Schutz der Mitarbeiter befasst sind. Neben diesem Zusammenhang mit dem Personalwesen besteht auch eine Verbindung zur Verwaltung von externe Dienstleistern, da für diese dieselbe Fürsorgepflicht und die gleichen Richtlinien gelten wie für eigenen Mitarbeiter.

Der Arbeitsschutz wiederum weist infolge der Maßnahmen, die nach Risikobewertungen und Schadensereignissen ergriffen werden, eine direkte Schnittstelle zur Instandhaltung auf. Das Compliance Management (Handeln in Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften) im Bereich Umweltschutz muss unbedingt in das Incident Management einbezogen werden. Dies gilt insbesondere bei meldepflichtigen Freisetzungen umweltgefährdender Stoffe aufgrund von Vorfällen. Im Hinblick auf gewöhnliche Emissionen, etwa von CO2 oder anderen meldepflichtigen Schadstoffen, geben die Bereiche Beschaffung oder Materialwirtschaft Auskunft über die Einsatzmengen, auf deren Grundlage Verbrauch und Ausstoß berechnet werden können.

Faktor Mensch

Ein Faktor schließlich verdient besondere Beachtung: der Mensch. Ein ganzheitliches Konzept für den Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutz muss den Einzelnen als Schlüsselfaktor für den Erfolg des EHS-Systems mit einbeziehen. Neben Experten wie Fachkräften für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz müssen viele andere Personengruppen am EHS-Konzept beteiligt werden. Zu berücksichtigen sind verschiedene Managementebenen mit ganz unterschiedlichen Informationsbedürfnissen, von komprimierten Managementberichten und Alert-Funktionen für Abweichungen über die Sicht einer Führungskraft auf die Belastungen seiner Teammitglieder bis hin zur Planung im Gesundheitsschutz, zu Sicherheitsschulungen und mehr.

Schließlich ist es unabdingbar, alle internen und externen Mitarbeiter – alle, die im Unternehmen tätig sind – einzubinden. Ein Höchstmaß an Sicherheitsbewusstsein kann erwiesenermaßen nur dann entstehen, wenn alle Beteiligten in das EHS-Konzept einbezogen werden. Hierzu eignen sich insbesondere Self-Service-Portale und Infor­mation Center, mit deren Hilfe sich alle Mitarbeiter über

Belastungen, Sicherheitsvorschriften, Schutzausrüstungen, geplante und erfolgte medizinische Protokolle und vieles mehr informieren können. Transparenz und Integration sind die ersten und wichtigsten Voraussetzungen für eine Sicherheitskultur, die durch allgemeine Verhaltensstandards ein hohes Niveau erreicht. Ein ganzheitliches Konzept für den Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutz muss alle Mitarbeiter von Anfang an einbeziehen und den Faktor Mensch ausreichend gewichten.

Wenn wir nun auch noch die Produktsicherheit und die Erfüllung gesetzlicher Produktnormen in unser Konzept einbeziehen, ergeben sich weitere Abhängigkeiten und Wechselwirkungen, die bei der Gestaltung einer EHS-Lösung berücksichtigt werden müssen.

Noch komplexer wird dieses Wechselspiel dadurch, dass die meisten Unternehmen in globalen Zusammenhängen agieren. Ihre Kunden, Partner und Auftragnehmer sind über die ganze Welt verteilt. Auch die Produktion erfolgt in den meisten Branchen in einem globalen Verbund, dessen Fabriken und Niederlassungen sich in verschiedenen Ländern mit jeweils eigener Rechtsprechung, Sprache und Kultur befinden.

Dieser internationale Aspekt muss gebührende Beachtung finden. Nur dann kann eine EHS-Strategie für das gesamte Unternehmen entstehen, die für alle Regionen geeignet ist, alle Sprachen abdeckt und die jeweiligen lokalen oder regionalen Anforderungen erfüllt. Gleiches gilt für das Incident Management als untergeordneten Bestandteil dieser Gesamtstrategie.

Die hier beschriebenen Wechselwirkungen und Abhängigkeiten machen deutlich, dass isolierte Konzepte und Vorgehensweisen für einzelne Funktionsbereiche im Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutz nicht zielführend sein können.

Incident Management im Kontext des Unternehmens

Aus den bisherigen Überlegungen folgt, dass im nächsten Schritt sämtliche Aspekte des Incident Managements zu beleuchten sind: alle Verbindungen, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen mit anderen Funktionsbereichen oder Unternehmenseinheiten. Viele davon liegen auf der Hand.

Am naheliegendsten sind die Verbindungen zu anderen Funktionsbereichen, die mit Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutz befasst sind. An erster Stelle steht die Arbeitsmedizin, welche bei Verletzungen für die Erstversorgung zuständig ist und die Weiterbehandlung der Betroffenen in die Wege leitet. Erste-Hilfe-Maßnahmen müssen angefordert und gemeldet werden. Hinzu kommt die Wiedereingliederung verletzter Mitarbeiter mit körperlichen Beeinträchtigungen. Dabei arbeiten die Beauftragten für Gesundheitsschutz beispielsweise eng mit der Personalabteilung, Arbeitsschutzexperten und Unfallmanagern zusammen.

Hier bestehen also Schnittstellen zu den Bereichen Personalwesen und Arbeitsschutz. Die Verbindung zum Personalwesen ist sehr direkt, da bei Verletzungsfällen eng zusammengearbeitet werden muss. Gleiches gilt für externe Mitarbeiter und damit für den Einkauf externer Dienstleistungen, sobald externe Mitarbeiter an einem Schadensereignis oder Unfall beteiligt sind. Der Arbeitsschutz stützt seine Vorbeugemaßnahmen in hohem Maße auf die Erkenntnisse des Incident Managements, insbesondere auf die aus den Vorfällen abzuleitenden Erfahrungen und Maßnahmen.

Auch die Verbindung zum Gefahrstoffmanagement ist offenkundig. Denn oftmals spielen Gefahrstoffe bei Schadensereignissen oder Unfällen eine Rolle oder es ist wichtig, genau zu wissen, welche Gefahrstoffe im Bereich des Vorfalls sind, welche Schutzausrüstungen erforderlich wären oder welche Notfallmaßnahmen relevant sein könnten.

Präventionsmaßnahmen setzen voraus, dass bekannt ist, an welchen Stellen im Unternehmen sich welche Gefahrstoffe mit welchen Eigenschaften befinden. Darüber hinaus dokumentiert der Bereich Gefahrstoffmanagement alle sicherheitsrelevanten Informationen mit Bezug auf diese Stoffe, von der gebotenen Schutzausrüstung bis hin zur Erstversorgung bei Unfällen.

Die Verbindungen zum Anlagenmanagement, zum Fuhrparkmanagement und zur Instandhaltung leuchten ebenfalls unmittelbar ein; sie betreffen die Anlagen, Maschinen und Fahrzeuge, die an Unfällen beteiligt sind oder anschließend für Reparaturen zu berücksichtigen sind. Ein Incident Management mit vorbeugendem Charakter verleiht der Instandhaltung wichtige Impulse zur Ver­besserung der Anlagensicherheit, etwa durch Schutzvorrichtungen, Sicherheitsschalter oder Geschwindigkeitsbegrenzer.

Risikomanagement

Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Verbindung zum Funktionsbereich Governance, Risk und Compliance, dem Risikomanagement. Das Incident Management muss Aufschluss darüber geben, wie sich die von ihm registrierten Gefahren, Schadensereignisse oder Unfälle zu den Risiken verhalten, die im Rahmen des Risikomanagements beurteilt wurden. Nur so können diese Risiken überprüft und mit der Realität abgeglichen werden.

Von herausragender Bedeutung ist ferner der lückenlose Informationsfluss vom Incident Management zur Führungsebene, zur Presseabteilung und zur Rechtsabteilung des Unternehmens. Ein größerer Unfall wird heute umgehend in der Öffentlichkeit bekannt. Kaum sind Feuerwehr und Krankenwagen vor Ort, da treffen auch schon die ersten Reporter ein. Zum Schutz des Unternehmens vor unzutreffenden Berichten und unangemessenen Reaktionen müssen daher wichtige Vertreter und Anwälte des Unternehmens ebenso schnell Kenntnis von großen Unfällen erhalten, wie Erste Hilfe angefordert wird. Nur so lassen sich unnötige Rechtsstreitigkeiten und Imageverluste vermeiden oder zumindest reduzieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Incident Managements ist das externe und interne Meldewesen. Zum einen streben Unternehmen (mithilfe von Dashboards, Kennzahlen-Blättern) eine genaue interne Effizienzüberwachung an – in diesem Fall geht es um die Effizienz der Sicherheitsprozesse und der Statistiken über Schadensereignisse und Unfälle. Zum anderen gibt es diverse rechtliche Auflagen, wie beispielsweise die Meldepflicht von Verletzungen an gesetzliche Organe oder Versicherungsträger oder Schadstofffreisetzungen an Umweltbehörden.

Nicht zuletzt muss ein Unternehmen betriebswirtschaftliche Kriterien einkalkulieren. Es muss die direkten und indirekten Kosten von Unfällen oder Schadensereignissen kennen. Auch die Kosten von Vorbeuge- und Sicherheitsmaßnahmen müssen bekannt sein. Dasselbe gilt für die Beteiligung an Kosten für die Dekontamination von Wasser oder Boden nach großen Unfällen. Sicherheitsmaßnahmen ermöglichen auf der anderen Seite Einsparungen, deren Höhe zu ermitteln ist. Und schließlich ist zu klären, welcher Unternehmenseinheit die Kosten für Schadensereignisse oder Unfälle zugerechnet werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Incident Management ist kein isolierter Prozess, sondern eng mit zahlreichen Bereichen, Abläufen und Tätigkeiten im Unternehmen verflochten. Es mag Aufgabenstellungen geben, die bis zu einem gewissen Grad durch Einzellösungen bewältigt werden können.

Ein umfassendes vorbeugendes Sicherheitsmanagement mit einer aktiven Sicherheitskultur jedoch setzt eine Lösung voraus, die alle Bereiche flexibel verbindet und dem Kenntnis- und Ausbildungsstand aller Beteiligten entspricht. Nur auf diesem Wege entsteht eine ganzheitliche Lösungslandschaft für den Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz.

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Incident Management planmäßig einführen

Wenn Sie eine Incident-Management-Lösung einführen möchten, die alle Aspekte und Anforderungen berücksichtigt, empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen.

Dabei sind unterschiedliche Modelle und Granularitäten möglich. Die folgenden fünf Schritte sollen als Orientierungshilfe dienen:

  1. Problemanalyse
  2. Prozessdesign
  3. Integrationskonzept
  4. Einrichtung der Lösung
  5. flexible Bereitstellung

Problemanalyse

Bestimmen Sie zunächst durch eine sorgfältige und genaue Analyse den Status quo, den Ist-Zustand, die Aufgaben und die Ziele Ihres neuen Incident-Management-Konzepts.

Prozessdesign

Auf der Grundlage der Problemanalyse muss ein detailliertes Design ausgearbeitet werden. Dabei sollte nicht von Funktionen, sondern von Prozessen ausgegangen werden. Viele dieser Prozesse erstrecken sich über mehrere Funktionsbereiche. Dies wird sofort deutlich, wenn man die Funktionsbereiche des Incident Managements visualisiert, von der Erstmeldung eines Vorfalls über die Ursachenanalyse bis zum Abschluss aller Präventions- und sonstigen Maßnahmen.

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Integrationskonzept

Dabei stellt sich sehr schnell heraus, welche Informationen aus welchen Bereichen benötigt werden, welche Funktionsbereiche also integriert werden müssen. Ausschlaggebend für den Erfolg einer Incident-Management-Lösung ist eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Bereiche und folglich auch Interaktion von Funktionsbereichen. Dies ergibt sich aus der bereits beschriebenen Komplexität einer Lösungslandschaft für den Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutz und aus der großen Zahl der Aspekte, die das Incident Management kennzeichnen.

Implementierung der EHS-Lösung

Dieser Schritt beinhaltet letztlich die eigentliche Implementierung der anzustrebenden Lösungslandschaft, mittels derer das Incident Management die Prozesse unterstützt. In Anbetracht der zahlreichen beteiligten Gruppen, die grundverschiedene Ansprüche an die EHS- und Incident-Management-Lösung stellen, muss diese möglichst benutzerorientiert, flexibel und einfach zu bedienen sein. Nur dann wird sie angenommen und kann ihren Zweck erfüllen. Neben der unerlässlichen Prozessgestaltung sind Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz ausschlaggebend für den Erfolg der Lösung.

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Flexibler Einsatz

Der letzte, aber nicht minder wichtige Schritt ist die Bereitstellung der Incident-Management-Lösung, die flexibel gehalten werden sollte. Ein Unternehmen ist dann erfolgreich, wenn es als lernende Organisation mit neuen Entwicklungen Schritt hält und sich seine Dynamik bewahrt.

Grundlage für diesen Lern- und Entwicklungsprozess ist die Überwachung von Erfolg und Effizienz. Von daher sollte ein Incident-Management-System Werkzeuge bereithalten, mit denen sein Erfolg (beispielsweise anhand der Unfallzahlen und anderer Werte) gemessen werden kann. Auch die Effizienz der Prozesse und Aktivitäten muss das System durch Überwachungsfunktionen kontrollieren. So wird ein Lernprozess in Gang gesetzt, der einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess ermöglicht. Gerade Unternehmen, die bislang mit einem eher rudimentären, reaktiven Sicherheitskonzept arbeiteten, sind auf objektive Ergebnisdaten angewiesen. Auf dieser Grundlage können sie ihr Konzept gezielt weiterentwickeln, bis schließlich aus Erfahrung und Wissen eine proaktive Sicherheitskultur und ein vorbeugendes Sicherheitsmanagement erwachsen.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Incident Management weit über die mit Schadensereignissen oder Unfällen verbundenen Verwaltungsprozesse hinausgeht. Es stellt einen Prozess dar, der in hohem Maße auf Interaktion und Zusammenarbeit beruht und auf mannigfache Weise mit anderen Unternehmenseinheiten und Funktionsbereichen verbunden ist. Und so bildet das Incident Management den Grundpfeiler einer aktiven Sicherheitskultur. Es unterstützt nicht nur Prozesse und Funktionen, sondern hilft Ihnen auch, die Sicherheit Ihres operativen Betriebs kontinuierlich zu verbessern. Damit wird Ihr Unternehmen in Sachen Sicherheit zu einer lernenden Organisation. Das Incident Management bildet die wesentliche Voraussetzung für die Schaffung einer Umgebung, in der Unfälle gar nicht erst entstehen.

Bernd Freibott

Der Autor:

Bernd Freibott ist Mitglied der ASSE (American Society of Safety Engineers) und der IOSH (Institution of Occupational Safety and Health). Der Text beruht auf einem Anfang des Jahres bei einer Konferenz (Motto: „Ihre Sicherheit ist unser Auftrag – Ihre Zukunft unsere Mission“) in Bahrein gehaltenen Vortrag.