Arbeitssicherheit

Sicherheitszonen für Steinbearbeitungsmaschinen

Das Demonstrationsmodell für mehr Sicherheit an Steinbearbeitungsmaschinen war am Stand der BG RCI während der stone+tec 2011 in Nürnberg zu sehen.

Müssen Steinbearbeitungsmaschinen wirklich kindersicher sein? Kann man nicht auf die antrainierte gute Reaktion der Mitarbeiter vertrauen? Ist es möglich, bei soviel eingebauter Sicherheit überhaupt noch zu produzieren?

Diese und weitere Fragen beantworteten die Experten den Besuchern am Gemeinschaftsstand des Deutschen Natursteinverbandes und der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) während der stone+tec 2011, wo zusammen mit der Burkhardt GmbH das Demonstrationsmodell einer Sicherheitszone ausgestellt wurde.

Thomas Meyer (Burkhardt GmbH) erklärt Moderatorin Gudrun Loeb das Prinzip der Sicherheitszone für Steinbearbeitungsmaschinen.
Thomas Meyer (Burkhardt GmbH) erklärt Moderatorin Gudrun Loeb das Prinzip der Sicherheitszone für Steinbearbeitungsmaschinen.

Moderne Schutzeinrichtungen müssen nicht zwangsläufig den eigentlichen Arbeitsprozess einschränken. Dies war praxisnah zu sehen. Das Modell lud daher zum aktiven Ausprobieren durch die Messebesucher ein. Ein schwerer Drehtisch innerhalb der Sicherheitsbereiches, beladen mit einem 1,2 Tonnen schweren Sandsteinblock, stand dabei symbolisch für die abzusichernde Maschine.

René Ulbrich (BG RCI) präsentiert einem Besucher den Sicherheitslichtvorhang: Erst die ganze Hand führt zur Auslösung.
René Ulbrich (BG RCI) präsentiert einem Besucher den Sicherheitslichtvorhang: Erst die ganze Hand führt zur Auslösung.

Lichtvorhänge stoppen beispielsweise nicht zwangsweise die gefahrbringende Werkzeugbewegung, wenn nur einzelne Strahlen unterbrochen werden. Dies geschah in der Vergangenheit häufig durch Strahl- oder Tropfwasser. Am Modell war das nachzuvollziehen, indem ein oder zwei Finger das Lichtgitter ohne Auslösung durchdrangen. Spätestens wenn aber eine ganze Hand in den Vorhang griff, stoppte die Maschine. Ein Erreichen der Gefahrstelle durch den Bediener ist so nicht möglich, andererseits lösen ein Wasserstrahl oder ein Staubteilchen nicht sofort die Schutzeinrichtung aus.

Die Türen in den Schutzzäunen des Demonstrationsmodells stehen als ein Beispiel für beweglich trennende Schutzeinrichtungen. Sie sind mit einem Endschalter, einer sogenannten Verriegelung versehen, die jedes Öffnen der Tür an die Steuerung weitermeldet. Besucher konnten sich davon überzeugen, dass beim Öffnen der Tür die gefahrbringende Bewegung unmittelbar gestoppt wird.

Türen in Schutzzäunen benötigen eine elektrische Verriegelung (Endschalter).
Türen in Schutzzäunen benötigen eine elektrische Verriegelung (Endschalter).

Neu auf den Markt gekommen sind in den vergangenen Jahren berührungslos wirkende Näherungsschalter, bei denen der individuell kodierte Transponder für große Manipulationssicherheit sorgt. Spritzwasser und häufiges Öffnen und Schließen können diesen Schaltern nichts anhaben. Schalter mit mechanischen Kontaktzungen sorgten in der Vergangenheit immer wieder für fehlende Akzeptanz.

Denn unter den rauen Umgebungsbedingungen eines Steinbearbeitungszentrums mit viel Spritzwasser und Staub kam es häufig zu vorzeitigen Ausfällen der mechanischen Endschalter, so dass diese in der Folge überbrückt wurden. Mit der modernen berührungslosen Schaltergeneration sind diese Probleme weitgehend überwunden.

Transponder (links) mit zugehörigem Näherungssschalter (rechts) im Einsatz als Sicherheitsendschalter an einer Schutztür.
Transponder (links) mit zugehörigem Näherungssschalter (rechts) im Einsatz als Sicherheitsendschalter an einer Schutztür.

Bei allen Steinbearbeitungsmaschinen gibt es besondere Situationen, in denen Arbeiten im Gefahrbereich der Maschine, also innerhalb der Sicherheitszone, durchzuführen sind. Um auch in diesen Situationen mit erhöhter Gefährdung sicher arbeiten zu können, sind Zusatzmaßnahmen erforderlich. Am Demonstrationsmodell der Firma Burkhardt wurde ein kabelgebundener Zustimmtaster als eine solche zusätzliche Schutzmaßnahme gewählt.

In der speziellen Betriebsart „Einrichten“ konnten die Messebesucher mit Hilfe des Zustimmtasters, den sie in einer Hand gedrückt halten mussten, in den Sicherheitsbereich der Maschine gehen. Auf diese Weise ist an Maschinen im Alltag eine sichere Prozessbeobachtung aus der Nähe möglich. Ein Loslassen oder Durchdrücken des Zustimmtasters führte zu einem sofortigen Stopp des Drehtisches, der ja symbolisch für den potenziell gefahrbringenden Arbeitsprozess stand. 

Thomas Meyer hält den Zustimmtaster in der Hand.
Thomas Meyer hält den Zustimmtaster in der Hand.

Die Experten unter den Standbesuchern wurden auch über die Details der sicherheitsgerichteten Steuerung (Sicherheits-SPS) informiert. Denn was nützen die besten Schutzeinrichtungen, wenn ihr Einsatz nicht einer gut durchdachten Logik folgt.

Not-Halt-Befehlsgeräte und weitere kleine Details der Schutzeinrichtungen vervollständigten das Modell zu einer realistischen Sicherheitszone, wie sie heute an allen automatisierten Steinbearbeitungsmaschinen, ob alt oder neu, Standard sein sollte.

Not-Halt-Befehlsgerät mit Quittiertaster (rechts).
Not-Halt-Befehlsgerät mit Quittiertaster (rechts).

Die 9. GPSGV (als Umsetzung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG) und die Betriebssicherheitsverordnung (Betr-SichV) geben die Schutzziele verbindlich vor. Die Burkhardt GmbH bietet, neben anderen Herstellern, auch für bestehende Maschinen individuelle Konzepte zur Nachrüstung.

Das Modell wurde von den Besuchern der stone+tec gut angenommen, da es bewusst zum Ausprobieren einlud. Dabei hatten auch die kleinen Besucher ihren Spaß und zeigten so, dass moderne Schutzeinrichtungen eine (fast) kindersichere Sache sind.

Begleitend zum Demonstrationsmodell referierte Jost-Peter Sonnenberg vom Kompetenz-Center „Prüf- und Zertifizierungsstelle“ der BG RCI im Rahmenprogramm zum Thema „Steinbearbeitungs- maschinen – Stand der  Sicherheitstechnik“ und nahm dabei Bezug auf das ausgestellte Modell.

Vortrag zum Thema „Sichere Steinbearbeitungsmaschinen“ mit Jost-Peter Sonnenberg (rechts) von der BG RCI.
Vortrag zum Thema „Sichere Steinbearbeitungsmaschinen“ mit Jost-Peter Sonnenberg (rechts) von der BG RCI.

Die Ausstellung der Sicherheitszone und der Vortrag stehen im Zusammenhang mit den aktuellen gemeinsamen Aktivitäten der BG RCI, Behörden, Maschinenherstellern und Betreibern in einem Arbeitskreis zur Verbesserung des Arbeitsschutzes an Steinbearbeitungsmaschinen.

Ein BG RCI Arbeitskreis erarbeitet aktuell auch eine Handlungsanleitung, adressiert an Hersteller und Betreiber stationärer Steinbearbeitungsmaschinen, in der konkrete Hinweise für die Ersteinrichtung von Maschinen sowie für die Nachrüstung von Schutzeinrichtungen und -konzepten an bestehenden Maschinen gegeben werden.

Jost-Peter Sonnenberg, BG RCI

Jörg Nierzwicki (Fotos), BG RCI

 
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