Technik

D.I.G liefert eine Maßanfertigung

Saugbaggern auf höchster Höhe

Es schneit Ende Juli am höchsten Berg Österreichs. Die Teilnehmer der Schiffstaufe auf dem Stausee Margaritze am Großglockner in rund 2000 Metern Höhe sind dennoch guter Laune. In nur viereinhalb Monaten war es dem renommierten niederländischen Unternehmen Dredging International Gendringen (D.I.G.) gelungen, einen Saugbagger der Sonderklasse für ein diffiziles Einsatzgebiet im Naturraum  der Hochalpen zu entwickeln und termingerecht auf den See zu setzen.

Der fertige Saugbagger in seinem Element.
Der fertige Saugbagger in seinem Element.

Gutachten zum Schallschutz, Luftemissionen sowie sieben naturschutzfachliche Gutachten gingen der Inbetriebnahme des für eine Fördermenge von stündlich 350 Kubikmetern Gletschersediment ausgelegten Baggerschiffs voraus. „Die Farbgebung des Schiffes, des Elektroantriebs und selbst der Bojen mussten der Umgebung unterhalb des Pasterzen-Gletschers angepasst werden“, erinnerte sich Karl Heinz Gruber vom Betreiber, der Verbund Hydro Power AG, zu deren Kraftwerksverbund Kaprun die Margaritze gehört.

Gletschersediment

Noch in den 1970er-Jahren reichte die Pasterze bis in den Pasterzengrund, der sich einige hundert Meter oberhalb der Margaritze erstreckt, und seinerzeit einen Gletscherendsee ausbildete, den Sandersee. Bis in die 1990er-Jahre hatte dieser See die freiwerdenden Gletschersedimente zurückgehalten, ist heute aber vollständig verlandet, wodurch jetzt im Mittel 40 000 Kubikmeter Sediment jährlich im Speicher Margaritze abgelagert werden.

Eine Speicherspülung ist nicht möglich, der Grundablass muss mittels einer Baggerpumpe freigehalten werden. Bislang geschah das mittels eines alten, dieselbetriebenen Saugbaggers in die Flachbereiche.

Die holländischen VIS Baggerwerke erhielten dann mit ihrem deutschen Tochterunternehmen aus Mönchengladbach, der Konatec Nassbaggertechnik GmbH, den Auftrag, einen elektrischen Saugbagger zu liefern, der die Sedimente aus bis zu 50 Metern Tiefe holen und in ein 25 Meter über dem See liegendes Pumpenhaus fördern kann. Von dort gelangt das Material mit einer maximalen Dichte von zehn Prozent und einem Maximalkorn von fünf Millimetern über einen 12 Kilometer langen Stollen in den Totraum des Speichers Wasserfallboden zur Ablagerung.

Zudem durften die Einzelteile des in Katamaranform ausgelegten Schiffes 12 Tonnen und 8 x 2,5 x 2,4 Meter Abmessungen nicht übersteigen, da von der Pasterzenalm bis zum See nur ein steiler Feldweg führt.

Aufgrund der beengten Platzverhältnisse musste das Schiff auf dem Wasser montiert werden (Foto Konatec).
Aufgrund der beengten Platzverhältnisse musste das Schiff auf dem Wasser montiert werden (Foto Konatec).

Schwieriger Transport

Ein speziell von D.I.G. neu entwickeltes Computerprogramm gewährleistet, dass die geforderten Produktionsgrenzen eingehalten werden. Das Programm ist mit einer Saugrohrautomatik, einer Produktionsautomatik der Unterwasserpumpe sowie für beide Boosterpumpen ausgestattet. Es reagiert automatisch auf die Anforderungen der Landanlage. Eine Darstellung der Position beider Leitern sowie des Saugrohres ist integriert. D.I.G. arbeitet auch hier mit den Qualitätspumpen der Firma Weir Minerals (Warman). Jedoch sind Unterwasserpumpe und -motor eine Eigenkonstruktion.

Die Verbund Hydro Power AG sowie Konatec waren bereits vier Jahre mit einer Gesamtanlagenkonzeption beschäftigt, als ein Konkurrent von D.I.G absprang. Innerhalb einer Woche musste aufgrund der Vertragsbedingungen Ersatz gefunden werden. Jutta und Gerrie Winands hatten es mit ihrer Firma D.I.G. geschafft.

In dieser grandiosen Landschaft liegt der Margaritzenspeicher, rechts im See befindet sich bereits Sediment.
In dieser grandiosen Landschaft liegt der Margaritzenspeicher, rechts im See befindet sich bereits Sediment.

„Das alte Schiff, wo dr Kamin aussekomma is, hat mir net so gfalln“, kommentierte Sepp Schachner, der Bürgermeister der zuständigen Touristen-Gemeinde Heiligenblut, trocken die Verbesserungen. „Schön, dass der Neubau unfallfrei abgelaufen ist.“ Er sah sich zusammen mit Veronika Wallner, der Taufpatin des Schiffes und Eignerin der Pasterzen-Alm, den Leitstand an. Konatec-Geschäftsleiter Jos P.M. van der Borght erklärte die Funktionen.

Und im Hinterkopf hatten alle Beteiligten die Summe von 11 Millionen Euro, die das Gesamtprojekt an Investitionen brauchte. Ohne Schiff, wie die Verbund AG mitteilte. Nun kann der Margaritzenspeicher wieder problemlos zur Erzeugung von 152 Gigawattstunden Strom im Jahr beitragen.

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Jos P.M. van der Borght (Konatec), Michael Amerus (Verbund), Trompeter Johannes Kramser, Bürgermeister Sepp Schachner, Taufpatin Veronika Wallner, Projektleiter Helmut Biberger und Karl Heinz Gruber (beide Verbund) bei der Inbetriebnahme.
Jos P.M. van der Borght (Konatec), Michael Amerus (Verbund), Trompeter Johannes Kramser, Bürgermeister Sepp Schachner, Taufpatin Veronika Wallner, Projektleiter Helmut Biberger und Karl Heinz Gruber (beide Verbund) bei der Inbetriebnahme.
 
Weitere Informationen

D.I.G.

Dredging International Gendringen bv

T +31 314 667 908

info@dredging-international.com

www.dredging-international.com

 

 

Konatec Nassbaggertechnik GmbH

T +49 2166 48045

info@konatec.de

www.konatec.de

www.verbund.com