Arbeitssicherheit | International

Prävention – Risikoanalyse – Soziale Sicherheit

Seoul-Roadmap für mehr Sicherheit und Gesundheit

Konferenzteilnehmer

Das 13 Jahre alte Mädchen Thao aus Da Nang in Vietnam schrieb einen Brief an den Präsidenten ihres Landes. Sie berichtete vom bescheidenen, aber zufriedenen Leben ihrer Familie bis zu dem Tag, an dem ihre Mutter einen Anruf erhielt, durch den sie erfuhr, dass der Vater des Mädchens einen schweren Arbeitsunfall in der Baustoffproduktion erlitten hatte. Danach konnte sich der Vater nur noch im Rollstuhl bewegen und nicht mehr arbeiten. Die Mutter musste ihren kleinen Friseurbetrieb aufgeben, um sich der Pflege des Vaters zu widmen. Die Lebensbedingungen der Familie verschlechterten sich drastisch. Die Ausbildung der Kinder war nicht mehr zu finanzieren. Warum, fragt Thao ihren Präsidenten, musste ihr Vater unter riskanten Bedingungen arbeiten? Warum wurde es toleriert, dass das Unternehmen den elementaren Arbeitsschutz vernachlässigte? Was wird aus den Kindern weiterer Arbeiter, die aufgrund dieser Umstände verunglücken?

Rie Vejs-Kjeldgaard, Direktorin der Internationalen Arbeitsorganisation Vietnam, zitierte diesen Brief bei der Eröffnung des Workshops im März 2010 in Hanoi. Mehr als drei Viertel aller Beschäftigten in der ASEAN-Region sind in der so genannten informellen Ökonomie oder in Klein- und Kleinstunternehmen beschäftigt. Damit fehlt ihnen in aller Regel jede Form von systematischem Arbeitsschutz. Aufgrund der fehlenden sozialen Strukturen sind sie existentiell bedroht, wenn sie bei der Arbeit verunglücken oder durch die Beschäftigung erkranken. Finanzielle Sicherung bei Arbeitsunfähigkeit fehlt, und häufig besteht nicht einmal der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung.

Dringend benötigt werden daher wirksame Erfassungs- und Analyseinstrumente, die auf Defizite in der Arbeitssicherheit zielen, und funktionierende soziale Sicherungssysteme.

Teilnehmer aus Deutschland, Japan und Repräsentanten internationaler Organisationen stellten bewährte Strategien und Lösungen zur Optimierung der Arbeitssicherheit vor. Beteiligt waren Wissenschaftler, Unternehmensvertreter, Arbeitschutzbehörden und Unfallversicherer. Nach einem intensiven Erfahrungsaustausch entwickelten die Teilnehmer aus Vietnam, Thailand, Laos, den Philippinen, repräsentiert durch Delegierte des ASEAN-Netzwerks für Sicherheit und Gesundheit, einen Sechs-Punkte-Plan und ein klares Bekenntnis zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen als direk­te Umsetzung der Erklärung von Seoul.

 
Weitere Informationen

Präsentationen und das Ergebnis:

www.issa.int/prevention-mining