Arbeitssicherheit

Ein Feldversuch zum Tragen von Kühlwesten

Versicherte aus der Branche Baustoffe - Steine - Erden kennen den Einsatz von Kühlwesten unter vielen schwierigen Voraussetzungen. Das Arbeiten mit den Westen bei hohen Temperaturen ist ein oft diskutiertes Thema. Beispiele lassen sich für alle im Hochsommer für alle Branchen. Jahreszeitlich unabhängig sind dagegen die hohen Umgebungstemperaturen in der Gips,- Zement und Asphaltindustrie. In einem kleinen Feldversuch hat die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie den Einsatz von sogenannten Ventilationskühlwesten in einigen Mitgliedsbetrieben getestet. Die Knauf Gips KG (Iphofen), das Solnhofer Portland Zementwerk SPZ und die HeidelbergCement AG (Werk Lengfurt) beteiligten sich.

Für den menschlichen Organismus stellen hohe Temperaturen eine große Belas­tung dar. Sie ist bei körperlicher Anstrengung noch größer und wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus und kann das subjektive Wohlempfinden beeinflussen. Dadurch entstehen nicht nur körperliche Risiken, es kann dazu zur psychischen Überforderung kommen. Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Konzentrationsschwierigkeiten und andere Symptome sind Anzeichen dafür.

Aufgrund der obligatorischen Gefährdungsbeurteilung müssen in den Betrieben Maßnahmen ergriffen werden. Aus der Maßnahmenhierarchie im Arbeitsschutz ist die zwingende Reihenfolge Technik – Organisation – Persönliche Schutzmaßnahmen bekannt. Wenn nun die technischen und organisatorischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, bleiben noch die persönlichen. Hier kommt der Einsatz von Kühlwesten ins Spiel.  Die Firma Entrak Energie- und Antriebstechnik stellte einige Testexemplare zur Verfügung.

Kühlweste
Kühlwesten beugen körperlichen und psychischen Belastungen aufgrund von Hitze vor.

Die Ventilationskühlwesten sind aus zwei textilen Schichten aufgebaut. Die äußere Schicht besteht aus luftundurchlässigen Material, die innere Schicht wird aus luftdurchlässigem, druckfestem, dreidimensionalem Abstandsgewirke gebildet. Lüftereinheiten in den Außentaschen ziehen Luft ins Innere der Weste. Die Luft umströmt den Oberkörper und wird wieder nach außen geleitet. Die Luftzirkulation bewirkt, dass schweißfeuchte Luft von der Körperoberfläche abtransportiert wird.

Verdunstungskühlung wird durch abtrocknenden Schweiß ermöglicht. Die Weste wiegt rund ein Kilo. Die Luftfördermenge wird durch drei Lüfterstufen geregelt, je nach körperlicher Belastung. Die Einsatzzeit liegt bei bis zu 20 Stunden.

Doch nicht nur im Arbeitsschutz findet die Kühlweste von Anwendung: Auch die Universitätskliniken Erlangen und Münster sowie das Multiple-Sklerose-Rehazentrum in Wilhelmshaven haben die entsprechenden Westen von Entrak ihren Patienten zum Praxistest überlassen. Die kühlende Wirkung kann besonders bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen Abhilfe schaffen.

Horst König, BG RCI

 
Weitere Informationen

Horst.Koenig@bgrci.de

T +49 9305 993962


Versuchsergebnisse nach Einsatztemperaturen

Insgesamt beteiligten sich 15 Personen am Versuch unter realen Arbeitsbedingungen. Die Einsatztemperaturen lagen dabei zwischen 20 und 60 Grad Celsius.

Zwei Tests bei 20 und 25 Grad

Zwei Personen setzten die Weste bei 20 und 25 Grad ein. Die Tragezeiten la­gen bei 24 und 64 Minuten, die Luftfeuchtigkeit bei 48 und 55 Prozent. Beanspruchung, Kühlwirkung, Tragekomfort wurden mit „mittel“ angegeben, die Bedienfreundlichkeit mit „gut“ beziehungsweise „mittel“. Ein Proband monierte das Gewicht, die Unflexibilität an engen Stellen und die Staubempfindlichkeit der Kühlungsgeräte, der andere Proband machte keine Angaben. Beide würden die Weste nicht regelmäßig tragen.

Fünf Versuche zwischen 33 und 40 Grad

Die Tragezeiten lagen bei 15, zweimal 30, 45 und 120 Minuten. Die Luftfeuchtigkeit schwankte zwischen 28 und 42 Prozent, in einem Fall betrug sie 87 Prozent, die Beanspruchung der Mitarbeiter lag in einem Fall bei „leicht“ in einem Fall bei „mittel“, zwei Fälle bei „schwer“, ein Fall ohne Angabe. Die Kühlwirkung wurde in einem Fall mit „niedrig“, in drei Fällen mit „mittel“ und in einem Fall mit „hoch“ eingeschätzt. Der Tragekomfort wurde in einem Fall mit „gut“ in drei Fällen mit „mittel“ und in einem Fall mit „schlecht“ bewertet. Die Bedienungs­freundlichkeit wurde zweimal mit „gut“, zweimal mit „mittel“ und einmal mit „schlecht“ bewertet. Das regelmäßige Tragen wird von drei Testpersonen bejaht, von zwei verneint. Zwei Mitarbeiter fügten keine eigenen Bewertungen an, zwei weitere machten Aussagen über ihre Erfahrungen mit dem Bedienungskomfort und eine Person kam offenbar mit der Weste nicht zurecht.

Drei Tests bei 46 bis 48 Grad

Die Einsatzzeiten lagen bei 60, 90 und 120 Minuten. Die relative Luftfeuchtigkeit lag bei niedrigen 25 beziehungsweise 26 Prozent, die drei Personen fühlten sich „mittel“ bis „schwer“ beansprucht. Die Kühlwirkung wird von zwei Probanden als „mittel“, von einem Probanden als „niedrig“ eingeschätzt. Der Tragekomfort wird von einem Probanden als „gut“, von zweien als „mittel“ bewertet. Die Bedienungsfreundlichkeit wurde hier von allen 3 als „gut“ bewertet. Bei den persönlichen Einschätzungen zeigte sich eine Diskrepanz zwischen zwei geäußerten Meinungen: bei gleichen Umgebungsbedingungen war der einen Person die Kühlwirkung zu viel, der anderen zu wenig.

Fünf Personen bei 35 bis 60 Grad

Die Tragezeiten lagen bei 30, 80, 120, 130, und 360 Minuten. Zur relativen Luftfeuchtigkeit lassen sich keine Angaben machen, da die Aufzeichnungen unvollständig sind. Die Beanspruchung der Personen lagen dreimal bei „mittel“, zweimal bei „schwer“. Die Kühlwirkung wird einmal als „niedrig“, zweimal mit „mittel“ und zweimal mit „hoch“ bewertet. Der Tragekomfort einmal mit „gut“, dreimal mit „mittel“, einmal mit „schlecht“ bewertet. Die Bedienungsfreundlichkeit zweimal mit „gut“, zweimal mit „mittel“ und einmal mit „schlecht“. Das regelmäßige Tragen wird einmal bejaht und viermal verneint. Bei den persönlichen Bemerkungen fanden sich Hinweise zu einer gewünschten größeren Variabilität der Einstellmöglichkeiten.

Fazit:

Persönliche Schutzausrüstungen – hier die Ventilationskühlwesten – zum Einsatz in Hitzearbeitsbereichen sind geeignet, körperliche Belastungen zu reduzieren. In der vorliegenden Untersuchung zeigte sich im mittleren Temperaturbereich von 33 bis 48 Grad Celsius bei der Mehrheit der Probanden eine Kühlwirkung verbunden mit mittlerem Tragekomfort und einer guten bis mittleren Bedienungsfreundlichkeit. Viele würden das Angebot zum regelmäßigen Tragen nutzen.

Was tun?

Im Einzelfall wird es nicht ausreichen, eine Ausrüstung zu beschaffen und sie dem Versicherten zu überlassen. Vielmehr wird es immer darauf ankommen, im Vorfeld eine genaue Analyse durchzuführen und darauf aufbauend die Auswahl und den Einsatz genau festzulegen. Gegebenenfalls müssen nach Kontrolle und festgestellten Abweichungen Korrekturen vorgenommen werden.

Weitere Informationen: www.personenkuehlung.de