Arbeitssicherheit

Das neue Beitragsausgleichsverfahren

Zum 1. Januar 2010 wurde für Mitgliedsunternehmen der Branche Baustoffe - Steine - Erden der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie ein neues Beitragsausgleichsverfahren eingeführt. Mit diesem innovativen Instrument werden in der Arbeitssicherheit erfolgreiche Unternehmen bezogen auf ihren BG-Beitrag finanziell entlastet – insbesondere unter Berücksichtigung einer langfristigen positiven Entwicklung. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Unternehmen, die sich auf diesem Gebiet weniger engagieren und die Solidargemeinschaft aller Mitgliedsunternehmen überdurchschnittlich stark belasten, intensiver am Beitrag zur Berufsgenossenschaft beteiligt werden.

In der gesetzlichen Unfallversicherung der gewerblichen Wirtschaft werden die zur Beitragsberechnung heranzuziehenden Risikomerkmale mehrfach differenziert. Dies geschieht unter anderem durch die Bildung von Gefahrtarifstellen und Gefahrklassen sowie durch das gesetzlich vorgeschriebene Beitragsausgleichsverfahren. Hierbei werden den Unternehmen unter Berücksichtigung der anzuzeigenden Versicherungsfälle Zuschläge auf den Beitrag auferlegt oder Nachlässe bewilligt.

Von der ehemaligen Steinbruchs-Berufsgenossenschaft wurde bis Ende 2009 ein Verfahren gewählt, bei dem ausschließlich Zuschläge zum Tragen kamen. Dieses aus der Sicht der Prävention unbefriedigende Anreizinstrument wurde auf Initiative der damaligen Selbstverwaltung und unter Beteiligung eines Finanzmathematikers dahingehend geändert, dass bei einer positiven Unfallentwicklung Nachlässe gewährt oder bei einer überdurchschnittlich hohen Unfallbelastung dem Unternehmen Zuschläge auferlegt werden. Dazu wird die Unfallbelastung des Einzelunternehmens mit der aller Unternehmen der jeweiligen Gefahrtarifstelle verglichen. Kerngedanke der Neukonzeption ist, das Unfallgeschehen zunächst in eine Punktbewertung zu überführen. In einer Weiterstufungsmatrix wurde die individuell erreichte Bonus- oder Malusklasse in Abhängigkeit von der Relation aus Eigen- und Durchschnittsbelastung festgelegt. Die Regeln zur jährlichen Vor- und Rückstufung innerhalb der Klassen in Abhängigkeit von dieser Relation sind ähnlich einem „modifizierten Kfz-Haftpflichtmodell“ definiert.

In Zusammenarbeit mit dem Kompetenz-Center „Mitgliedschaft und Beitrag“ am Standort Langenhagen und der Branchenprävention Baustoffe - Steine - Erden wurden in den vergangenen Wochen bundesweit zwölf Informationsveranstaltungen angeboten und dort schwerpunktmäßig das neue Beitragsausgleichsverfahren und die von den Unternehmen zu beeinflussenden „Stellschrauben“ vorgestellt. Dabei stieß insbesondere die Auswirkung des individuellen Unfallgeschehens auf mögliche Beitragszuschläge oder -nachlässe bei den mehr als 500 Teilnehmern auf großes Interesse.

Ein weiteres wichtiges für die Teilnehmer aufbereitetes Thema waren Änderungen beim Prämiensystem „Wer mehr tut, wird belohnt!“. Die Ziele des Prämiensystems sowie die Teilnahmebedingungen wurden vorgestellt und die seit dem 1. Januar 2010 gültigen Prämienbedingungen ausführlich erläutert. Abgerundet wurden die Veranstaltungen durch grundlegende Informationen zum Thema „Wie errechnet sich der Beitrag zur Berufsgenossenschaft?“ und zur Struktur der neuen Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemi­sche Industrie und deren Auswirkungen insbesondere auf die Prävention. Für alle diejenigen, die keine Zeit hatten an einer dieser Informationsveranstaltungen teilzunehmen, werden wir in einer der nächsten Ausgaben unseres Fachmagazins Steine+Erden“ das neue Beitragsausgleichsverfahren nochmals ausführlich vorstellen.       

Wolfgang Pichl, BG RCI

Teilnehmer
Mehr als 45 Teilnehmer kamen nach Leinfelden in die  Filderhalle.