Steinbruchs-BG: Unfallbilanz 2008 weiterhin erfreulich

Das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen im Jahr 2008 hat sich unterschiedlich entwickelt, allerdings weiterhin mit einer grundsätzlich positiven Tendenz. Wenn auch die Anzahl der nicht anzeigepflichtigen und anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle leicht zugenommen hat, so ist doch die Unfallhäufigkeit, d. h. die Anzahl der Arbeitsunfälle bezogen auf die tatsächlich in der Steine und Erden-Industrie beschäftigten Mitarbeiter, weiterhin rückläufig. Nach wie vor erfreulich ist auch die Entwicklung bei den neuen Unfallrenten. Noch immer kritisch zu bewerten ist dagegen die Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle. Sie hat zwar gegenüber dem Vorjahr abgenommen, bewegt sich aber immer noch auf einem zu hohen Niveau.

Die Basis: Unternehmen und Mitarbeiter

Für eine Analyse des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens ist die Kenntnis einiger wichtiger Versicherungskenndaten unerlässlich. Dazu gehört die Anzahl der in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft beschäftigten Mitarbeiter. Für die Ermittlung des relativen Unfallgeschehens wird traditionell bei den Berufsgenossenschaften die Anzahl der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle in das Verhältnis zur Vollarbeiterzahl gesetzt.

Die Anzahl der Vollarbeiter ist eine fiktive Größe und errechnet sich aus der von den Unternehmen im Lohnnachweis übermittelten Anzahl der in einem Unternehmen geleisteten Arbeitsstunden durch Division mit dem so genannten Vollarbeiter-Richtwert. Dieser wird vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden jedes Jahr neu ermittelt. In diesen Wert fließen u. a. ein: Die durchschnittlich in den Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft geleisteten wöchentlichen Arbeitsstunden, die durchschnittlichen Ausfalltage durch Krankheit und Arbeitsunfälle, die durchschnittlichen Urlaubstage sowie die Anzahl der Feiertage, die in die Wochenarbeitszeit fallen. Der Vollarbeiter-Richtwert für 2008 wurde um 20 Stunden angehoben und auf 1.610 Stunden pro Jahr festgesetzt.

Für die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ergibt sich nunmehr im zweiten Jahr in Folge, dass die Anzahl der Vollarbeiter gestiegen ist. Sie betrug aktuell im Jahr 2008 128.696. Dies entspricht einer Zunahme um 2,93 Prozent bezogen auf 2007. Auch die Anzahl der Versicherten – so werden im Sprachgebrauch der Sozialversicherung die Mitarbeiter in Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft bezeichnet – hat sich im Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zum zweiten Mal in Folge auf nunmehr 142.693 (Vorjahr 142.492) leicht erhöht. Mit dem Begriff „Versicherte“ wird die Anzahl von Beschäftigten unabhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses, z. B. Vollzeit oder Teilzeit, und der geleisteten Arbeitsstunden erfasst.

Wenig erfreulich ist die Entwicklung der Anzahl der bei unserer Berufsgenossenschaft versicherten Mitgliedsunternehmen. Diese hat auch im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr um rund 1,5 Prozent auf 5.074 abgenommen.

In den letzten 10 Jahren hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft rund 20 Prozent ihrer Mitgliedsunternehmen verloren. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen ist diese Entwicklung der wirtschaftlichen Situation in der Baustoff- und Steine und Erden-Industrie geschuldet. Zum anderen sind auch Konzentrationsprozesse zu beobachten: so wurden in den letzten Jahren eine Reihe von kleinen und mittelständischen Unternehmen durch große Baustoffkonzerne übernommen.

Arbeitsunfälle

Die Anzahl der nicht anzeigepflichtigen und anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle bewegt sich mit 6.530 bzw. 5.820 auf dem Niveau des Vorjahres (6.475 / 5.791). Die Berufsgenossenschaft erhält Kenntnis über nicht anzeigepflichtige Arbeitsunfälle, wenn eine ärztliche Behandlung vom Beschäftigten in Anspruch genommen, aber keine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Tagen attestiert wurde. Eine wichtige Kenngröße in der Unfallbilanz ist die Anzahl der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter.

Durch die Ermittlung dieses Wertes erhält man ein objektives Bild des Unfallgeschehens, da hier die Anzahl der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle in das Verhältnis zu den in einer Branche „voll“ beschäftigten Mitarbeitern gesetzt wird. Bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hat sich die insgesamt positive Tendenz der letzen 10 Jahre auch im Berichtsjahr fortgesetzt (Abbildung 1). Die „Tausend-Mann-Quote“ betrug für das Jahr 2008 45,22. Diese Zahl bedeutet, dass jeder 22. Vollarbeiter im Berichtsjahr einen Arbeitsunfall erlitten hat, der zu mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit führte. Vor 10 Jahren lag dieser Wert noch bei 81,04. Rein statistisch betrachtet hatte im Jahr 1999 jeder 12. Beschäftigte in der Baustoff- und Steine und Erden-Industrie einen anzeigepflichtigen Arbeitsunfall.

Dabei ist seit Jahren in den bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft versicherten Branchen eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten. So weisen die Industriezweige „Zement“, „Kalk und Gips“ sowie „Erdöl- und Erdgasgewinnung“ ein deutlich niedriges Unfallgeschehen auf, während die Branchen „Naturstein“ sowie „Beton- und Fertigteile“ deutlich über dem Durchschnitt liegen und die Zahlen im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr eine wenn auch nur leicht zunehmende Tendenz aufweisen (Abbildung 2).

Auch vor dem Hintergrund der finanziellen Bedeutung für eine Unfallversicherung ist die Entwicklung bei den neuen Arbeitsunfallrenten sehr positiv zu bewerten. So konnte die absolute Anzahl der neuen Arbeitsunfallrenten in den letzten 10 Jahren durch die gemeinsame Anstrengung aller Akteure um knapp 50 Prozent auf im Berichtsjahr 187 Fälle gesenkt werden. Das relative Risiko dieser schweren Unfälle liegt jetzt bei 1,45 neuen Arbeitsunfallrenten pro 1.000 Vollarbeiter. Auch bei dieser Größe verläuft die Entwicklung in den einzelnen Branchen unterschiedlich (Abbildung 3). Einer sehr erfreulichen Entwicklung im Bereich „Kalk und Gips“ sowie „Erdöl- und Erdgasgewinnung“ steht eine zunehmende Tendenz im Bereich „Naturstein“ und „Zement“ gegenüber. 

Nach wie vor unbefriedigend ist die Entwicklung bei den tödlichen Arbeitsunfällen (Abbildung 4). Mit 10 Fällen liegt sie zwar unter dem Stand des Vorjahres (14), bewegt sich aber immer noch auf einem zu hohen Niveau. In den letzten 10 Jahren haben insgesamt 152 Beschäftigte der Steine und Erden-Industrie bei der Arbeit ihr Leben verloren.

Das ist eine unerträglich hohe Zahl. Hier sind unser aller Anstrengungen gefragt, um die Entwicklung in eine positive Richtung zu drehen. Tödliche Arbeitsunfälle haben sich in nahezu allen Branchen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ereignet. Eine eindeutige Tendenz bezüglich der Unfallursachen lässt sich nur schwer ausmachen. Allerdings ist ein gewisser Schwerpunkt beim Umgehen und Manipulieren von Sicherheitseinrichtungen zu beobachten.

Wegeunfälle

Im Gegensatz zu den Arbeitsunfällen hat die Anzahl sowohl bei den anzeigepflichtigen als auch nicht anzeigepflichtigen Wegeunfällen zugenommen. So waren im Berichtsjahr 261 nicht anzeigepflichtige Wegeunfälle (Vorjahr 208) und 476 anzeigepflichtige Wegeunfälle (Vorjahr 416) zu bearbeiten. Diese Tendenz schlägt sich auch in der Anzahl der anzeigepflichtigen Wegeunfälle pro 1.000 Versicherte nieder (Abbildung 5). Die Anzahl der neuen Wegeunfallrenten hat erfreulicherweise mit 24 Fällen einen neuen Tiefstand erreicht. Mit 3 tödlichen Wegeunfällen – als Verkehrsmittel wurde in 2 Fällen ein PKW und in einem Fall ein Motorrad benutzt – bewegen wir uns auf dem Niveau des Vorjahres.

Berufskrankheiten

Bei den Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit ist zum dritten Mal in Folge eine, wenn auch nur leichte, Zunahme auf 458 Fälle zu beobachten. Mit 147 Verdachtsanzeigen liegt die Lärmschwerhörigkeit an der Spitze der Statistik, gefolgt von der Silikose (67) und den Hauterkrankungen (51). Mit 61 neuen Berufskrankheitenrenten (Abbildung 6) hat sich die Anzahl um 5 Fälle gegenüber dem Vorjahr erhöht. Insgesamt ist aber auch in diesem Bereich die Entwicklung positiv zu bewerten, hat sich doch in den letzten 10 Jahren die Anzahl der neuen Berufskrankheitenrenten nahezu halbiert. An der Spitze der neuen Berufskrankheitenrenten steht mit 24 Fällen die Silikose, gefolgt von der Lärmschwerhörigkeit (11) und der Asbestose (7). 

Schließlich waren im Jahr 2008 auch 32 Todesfälle im Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu beklagen, bei denen Mitarbeiter auf Grund einer anerkannten Berufskrankheit verstarben (Vorjahr 28). Anders als bei Unfällen spiegeln angezeigte und erstmals durch Renten entschädigte
Berufskrankheiten das Risiko vor langer Zeit wieder. Insbesondere bei Berufskrankheiten aufgrund einer Quarzstaub- und Lärmexposition führen in der Regel Latenzzeiten von Jahrzehnten zu einer ausgeprägten Erkrankung.

Fazit für das Jahr 2008

Insgesamt kann das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft im Jahre 2008 am besten mit dem Satz „Wo Licht ist, ist auch Schatten“ bezeichnet werden:. So ist die Entwicklung bei der Unfallhäufigkeit und bei den neuen Unfallrenten – das trifft sowohl für Arbeits- als auch Wegeunfälle zu – sehr erfreulich. In diesen Bereichen konnten historische Tiefstände verzeichnet werden. Demgegenüber muss die Entwicklung bei den Wegeunfällen kritisch beobachtet werden. Hier hat das Unfallgeschehen im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Ob es sich hierbei um einen „Ausreißer“ oder eine Tendenz handelt, muss die nahe Zu-kunft zeigen. Unerfreulich ist nach wie vor die Höhe der tödlichen Arbeitsunfälle. Hier ist eine enge Zusammenarbeit von Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und Mitgliedsunternehmen zwingend erforderlich.

Dass in allen Bereichen noch ein deutliches Verbesserungspotential liegt, macht ein Vergleich des relativen Arbeitsunfallgeschehens zwischen den Fusionspartnern der zukünftigen Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) deutlich. Mit 45,2 Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeiter liegt die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft an der Spitze. Die Branchen Bergbau (18,7), Chemie (14,8) und Zucker (11,3) weisen hier eine deutlich niedrigere Unfallbilanz auf. Sicherlich spielen hier unterschiedliche Risiken, Unternehmensstrukturen und -größen eine wichtige Rolle und das Zahlenmaterial bedarf einer differenzierten Betrachtung.

Ohne Zweifel wurde in der Baustoff- und Steine-Erden-Industrie in den letzten Jahren im Bereich des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens eine Menge erreicht. Allerdings zeigt der Vergleich mit den Fusionspartnern und den von ihnen betreuten Zweigen der produzierenden Industrie: Es gibt noch viel zu tun!

Alle statistischen Werte finden Sie als Infografik sowie in Tabellenform auch auf unserer Internetseite. Neben langjährigen Verläufen finden Sie dort auch weitere Begriffsdefinitionen und Links zu weiteren Ressourcen.

http://www.stbg.de/site.aspx?url=html/stat/index.html

Wolfgang Pichl, StBG

Abb. 1: Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 1: Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 2: Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle 2007 u. 2008 pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 2: Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle 2007 u. 2008 pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 3: Neue Arbeitsunfallrenten 2007 und 2008 pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 3: Neue Arbeitsunfallrenten 2007 und 2008 pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 4: Tödliche Arbeitsunfälle
Abb. 4: Tödliche Arbeitsunfälle
Abb. 5: Anzeigepflichtige Wegeunfälle pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 5: Anzeigepflichtige Wegeunfälle pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 6: Neue Berufskrankheitenrenten absolut
Abb. 6: Neue Berufskrankheitenrenten absolut
Screenshot - Unfall-Statistiken der StBG im Internet
Die Unfall-Statistiken der StBG werden auch im Internet veröffentlicht