Weltweit erfolgreich unterweisen – mit Safety First

Monier Group GmbH und Steinbruchs-BG entwickeln videogestützte Unterweisung

Die Monier Gruppe ist der weltweit führende Anbieter von Baustoffen für das geneigte Dach und von Dach- und Schornsteinsystemen, mit mehr als 200 Produktionsstandorten weltweit und Geschäftsaktivitäten in 46 Ländern auf 4 Kontinenten. Gemeinsam mit der StBG wurde ein Konzept zur videogestützten Unterweisung – „Safety First – Sicherheit geht vor“ – entwickelt. Alle Videoszenen sind realitätsgerecht und kommen ohne gesprochene Texte aus. So sind sie weltweit verständlich.

Faktor Mensch

Der Faktor Mensch hat einen wesentlichen Anteil bei den Ursachen der Arbeitsunfälle und arbeitsbedingten Erkrankungen. Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen können nur dann voll wirksam werden, wenn die Mitarbeiter sich sicherheits- und gesundheitsgerecht verhalten. Haupteinflussgrößen auf das menschliche Verhalten in den Betrieben sind:

Regeln werden in einem viel höheren Masse akzeptiert, wenn die Mitarbeiter bei der Entwicklung einbezogen waren. Die Akzeptanz von Anweisungen und Regeln ist nur durch eine interessante Vermittlung von Wissen und gute Schulungskonzepte, die über die Methode des Frontalunterrichts hinausgehen, zu verbessern.

Ziel von Monier, ehemals Lafarge Roofing, war es deshalb, ein Schulungskonzept zu entwickeln, um das Sicherheitsbewusstsein zu erhöhen und den gestellten Anforderungen (siehe Kasten) gerecht zu werden.

Die Herausforderung hierbei lag zudem in der Internationalen Organisation der Monier Gruppe, denn das Schulungskonzept soll in 46 Ländern angewendet werden. Das Ziel war, den verbalen Informationsanteil auf ein Minimum zu reduzieren.

Gelungene Kooperation

Um diesen innovativen Weg zu gehen, wurde eine Kooperation zwischen der Monier Gruppe und der StBG geschmiedet. Mit der Abteilung Ausbildung der StBG wurde der optimale Partner für die weitere Entwicklung des Konzeptes sowie die Durchführung des Projektes gefunden. Der Erfolg dieser Kooperation gründet auf dem offenen Austausch von Erfahrungen über professionelle Schulungskonzepte und deren betriebliche Umsetzung. Inhalte und Themen sind so abgestimmt, dass sie sowohl auf den internationalen Bereich für Monier als auch für die Mitgliedsbetriebe der StBG anzuwenden sind. Das Safety First Konzept war geboren.

Das Projektteam hat sich für eine Mischung aus nonverbalen Videosequenzen und durch den Vorgesetzten moderierte Diskussionen entschieden. Daraus ist ein Medienpaket entstanden, das aus einer DVD mit Filmszenen und einer CD mit Kurzhandbuch und Unterweisungsnachweis besteht.

Bei einigen Themen sind außerdem noch praxisgerechte Arbeitshilfen enthalten. Zum Beispiel gibt es zum Thema „Heben und Tragen“ noch zusätzlich eine leicht verständliche Anleitung zum gesundheitsgerechten Heben und Tragen.

Herzstück von Safety First ist die DVD mit ihren kurzen und knackigen Filmszenen. Zu jedem Thema gibt es mehrere Szenen, in denen typische unsichere Handlungen realistisch dargestellt werden. Jede Szene besteht aus einer Negativszene, die das Problem sichtbar macht, und einer Positivszene, die eine praxisbewährte Lösung zeigt. Für den Vorgesetzten ist das Handbuch eine ideale Hilfe, um eine lebendige und wirkungsvolle Unterweisung zu leiten. Auf nur einer Seite sind tabellarisch alle wichtigen Infos zur jeweiligen Szene in Kurzform vorhanden, so dass man sich in kurzer Zeit gut vorbereiten kann.

4-Schritte-Struktur zur Gesprächsführung

Diese einfache und wirkungsvolle Struktur garantiert, dass der Unterweiser mit seinen Mitarbeitern leicht ins Gespräch kommt. So wird die Unterweisung lebendig und bindet die Beschäftigten ein.

Schritt 1: Das Negativbeispiel wird gezeigt. Die Mitarbeiter werden aufgefordert, die unsicheren Handlungen herauszufinden

Schritt 2: Anhand von Fragen wird der Bezug zur eigenen Praxis hergestellt: Was wurde falsch gemacht? Welche Folgen können eintreten? Wo gibt es vergleichbare Probleme in unserem Betrieb?

Schritt 3: Die Positivszene wird gezeigt. Die Mitarbeiter werden aufgefordert zu beurteilen, wie das Positivbeispiel auch im eigenen Betrieb umgesetzt werden kann.

Schritt 4: Die Beteiligten legen fest, welche Voraussetzungen ggf. noch geschaffen werden müssen und erarbeiten Verhaltensregeln und Konsequenzen bei Verstoß.

Ablauf des Trainings
Ablauf des Trainings

Das Besondere an der 4-Schritte-Struktur zur Gesprächsführung ist, dass sie sich auf alle anderen Unterweisungsthemen übertragen lässt: statt der Videosequenzen kann der Vorgesetzte auch Fotos aus dem eigenen Betrieb zeigen und somit schnell und effizient eine Unterweisung vorbereiten und durchführen.

Hierdurch kann der Vorgesetzte seine Führungsaufgabe wirksam erfüllen. Gleichzeitig wird der Mitarbeiter angeleitet, das Fehlverhalten zu erkennen, die Gefährdung zu verstehen und selbst das sichere Verhalten und die dazugehörigen Regeln in der Diskussion mitzubeeinflussen, was wiederum zu einer höheren Akzeptanz der Regel führt.

Im Vergleich zu anderen Medien wurde bewusst auch eine „gewöhnliche“ Arbeitsumgebung gewählt. Man hat darauf verzichtet, eine „astreine“ Umgebung darzustellen (z.B. frisch gereinigte Arbeitskleidung, auf Hochglanz polierte Fahrzeuge), um so nahe wie möglich an einer gewöhnlichen Arbeitsumgebung zu sein.

Themenvielfalt

Bisher wurden sechs Unterweisungsthemen als DVD produziert:

In Produktion sind im Augenblick außerdem:

Erfahrungen

Eine Befragung der Vorsetzten, die mit den DVD gearbeitet haben, ergab folgendes Ergebnis: Die Beiträge zielen auf typische Risikoschwerpunkte und sind praxisgerecht. Das Handbuch hat einen angemessenen Umfang und ist gut verständlich. Safety First bewirkt Aufmerksamkeit. Alle befragten Personen berichteten, dass es durch das neue Konzept zu regen Diskussionen während der Unterweisungen kam. Zur nachhaltigen Verhaltensbeeinflussung ist allerdings auch das Konsequente der disziplinarischen Komponente erforderlich. Die Dauer der Unterweisung pro DVD lag bei ca. 45 Minuten (alle Szenen wurden gezeigt). Die Vorbereitungszeit pro Unterweisung lag im Mittel bei ca. 30 Minuten. Die Rückmeldungen aus den Betrieben der StBG bestätigen die positive Resonanz.

Ludwig Berger, Monier Group GmbH
Michael Sturm, Monier Group GmbH

Erhöhung des Sicherheitsbewusstsein

Führung der Mitarbeiter

Unterweisung ist Führungsaufgabe. Geeignete Medien unterstützen den Vorgesetzten bei der Vermittlung des Themas und fördern den Dialog. Der Vorgesetzte kann seiner Führungsaufgabe wirkungsvoller nachkommen.

Beteiligung der Mitarbeiter

Die Mitarbeiter sollen intuitiv in die Unterweisung einbezogen sein, um durch Interaktion eine bessere Wahrnehmung für unsichere Bedingungen und Handlungen zu entwickeln. Die Mitarbeiter sollen erkennen, dass sie durch ihr Verhalten wesentlich dazu beitragen, Unfälle und Erkrankungen zu vermeiden. Sie sollen das sicherheits- und gesundheitsgerechte Verhalten mit dem Vorgesetzten erarbeiten.

Akzeptanz der Regeln

Sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten benötigt eindeutige Regeln. Die Mitarbeiter sollen bei der Entwicklung der Regeln beteiligt sein, weil gemeinsam erstellte Regeln eine höhere Akzeptanz finden. Neben den eindeutigen Regeln werden Konsequenzen bei Verstoß besprochen und festgelegt.

Interview mit der Regisseurin Judith Hoffmann

 

Steine + Erden: Frau Hoffmann, Sie sind die Regisseurin der „Safety First – Sicherheit geht vor“ Videoclips. Welche Vorteile bietet das Medium Film?

Judith Hoffmann: Erfahrungen zeigen, nach einem Unfall ist man höchst sensibilisiert und in unmittelbarer Folge wird die gleiche Fehlhandlung kaum noch einmal begangen. Leider lässt die-se „Immunisierung“ im Laufe der Zeit wieder nach und leider sind auch die Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, deutlich variabler als umgekehrt. Aus diesem Grunde geht es bei  „Safety First – Sicherheit geht vor“ weniger um Information, sondern um Motivation. Achtsamkeit ist angesprochen. Die eingesetzten Mittel: Konsequent visuell. Und das nicht nur, um die Binsenweisheit „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ umzusetzen, sondern auch aus Rezeptionsgründen.

Steine + Erden: Viele Unterweisungsfilme dauern 10 min. und länger. Bei  „Safety First – Sicherheit geht vor“ sind die Filmszenen sehr kurz, manche kaum 20 Sekunden lang. Warum?

Judith Hoffmann: Die Themen und Handlungen bzw. Fehlhandlungen sind dem betrieblichen Alltag entnommen und sie sollen auch eine gewisse „internationale“ Relevanz haben. Doch eine reale oder scheinbar reale Situation aus dem betrieblichen Alltag abfilmen, das ist selten spannend. Selbst beim Fußball wird mittels Live-Schnitt aus mehreren Kameraperspektiven das Geschehen veredelt. Weil uns diese Mittel nicht zur Verfügung stehen, weder in punkto Spannungspotenzial noch seitens der Aufnahmetechnik, haben wir uns für diese kurze, klar strukturierte, schnell erfassbare Form entschieden. Auch mittels der bewusst gestalteten Aha-Effekte im jeweiligen Clip hoffen wir Aufmerksamkeit, die in Achtsamkeit mündet, zu erzielen.

Steine + Erden: Was bedeutet „internationale“ Relevanz?

Judith Hoffmann: Mit Monier haben wir einen international agierenden Konzern als Co-Produzent. „Safety First – Sicherheit geht vor“ wird also weltweit eingesetzt. Das erfordert entweder Mehrsprachigkeit oder nonverbale Kommunikation. Aus Kostengründen haben wir uns für die nonverbale Variante entschieden, die so an den weltweit über 240 Standorten ohne Probleme verstanden werden kann.