Kurs halten!

Helmut Ehnes

Verfolgt man die Initiativen und Aktivitäten von Politik und Ministerialbürokratie der letzten Monate und Jahre aufmerksam, gewinnt man den Eindruck, die gesetzliche Unfallversicherung muss um jeden Preis total umgekrempelt werden. Und wer weiß am besten, was Volk und Wirtschaft gut tut: natürlich die besagten Beamten und Politiker! Zum Beispiel wird die öffentliche Unfallversicherung mit dem gewerblichen Teil fusioniert – am besten natürlich in einer Zwangskörperschaft, um den Einfluss von Bund und Ländern auf die ausschließlich durch Arbeitgeber finanzierte Unfallversicherung sicherzustellen.

Bei der Strukturreform legt die Politik für den gewerblichen Bereich ganz andere Maßstäbe an als für die eigenen Unfallkassen: dort soll auch weiterhin jedes Bundesland seine eigene Unfallkasse behalten, auch wenn es noch so klein ist. Auch die Reform des Leistungsrechts kommt nur schwer in Gang: Die Politik präsentiert Entwürfe, die über 30 Jahre zu Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich führen sollen – die Arbeitgeber fordern dagegen Einsparungen.

Zu guter Letzt verordnet uns das Ministerium eine neue Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA), unter deren Dach der Arbeitsschutz in Deutschland schlagkräftiger werden soll. Im Prinzip eine gute Idee, wenn da nicht wiederum – typisch deutsch – die Bürokraten und eben nicht die Praktiker und die Betroffenen aus den Betrieben (die Sozialpartner also) das Sagen hätten. Ist das nicht „Verstaatlichung“ auf ganzer Linie?

Die Kehrseite der Medaille ist die Wirklichkeit in den Betrieben. Die eigentlichen Ursachen für Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung liegen noch immer direkt in den Unternehmen. Nur im Betrieb ereignen sich Arbeitsunfälle oder eben nicht. Nur im Betrieb lässt sich das Entstehen von Berufskrankheiten verhindern oder eben nicht. Und entscheidend für Erfolg oder Misserfolg in der Prävention ist und bleibt das Handeln des Unternehmers und die Einstellung von Führungskräften und Managern. Arbeitsschutz gehört auf jede Tagesordnung: vom Produktionsmeeting bis zur Vorstandssitzung. Und eben nicht unter Verschiedenes ans Ende der Sitzung, sondern auf Punkt 1.

Dass durch konsequentes Handeln unfallfreies Arbeiten in einer Branche mit potentiell hohen Risiken, wie der Baustoff-Industrie, möglich ist, beweisen inzwischen viele erfolgreiche Mitgliedsunternehmen. Hier zwei bemerkenswerte Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit: Am 13. Juni 2007 erhielt das Werk Hahnstätten von Schäfer-Kalk das Gütesiegel der StBG. Lag man in diesem Betrieb 1998 noch bei einer Unfallquote von etwa 60 je 1000 Vollarbeiter, so betrug diese 2006 nur noch 4,3 !Das Ergebnis konsequenten Handelns von Unternehmensleitung und Belegschaft.

Das Komponentenwerk von Lafarge Roofing, in Oestrich-Winkel am Rhein gelegen, hatte am 10. Juli 2007 Grund zum Feiern: In einer Feierstunde wurde dem Unternehmen das Gütesiegel verliehen. Die Erfolgsgeschichte ist beeindruckend: 1998 lag dieses Werk bei einer Unfallquote von 147 Arbeitsunfälle je 1000 Beschäftigte. Inzwischen ist der Betrieb bei einer Größe von 100 Beschäftigten seit 945 Tagen ohne meldepflichtigen Arbeitsunfall! Warum? Auch hier ist es das Ergebnis verantwortungsbewussten Handelns und klarer Vorgaben für das Management.

Man sieht also: Unfallfrei Produzieren, und damit wirtschaftlich Qualität herstellen, ist keine Träumerei, sondern bereits Realität in immer mehr Unternehmen. Erlauben sie mir deshalb heute einen Appell an alle Unternehmer und Führungskräfte : Lassen sie uns trotz aller Systemveränderungen und notwendiger Reformen den gemeinsam eingeschlagenen erfolgreichen Weg ohne Abstriche weiter gehen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass tödliche und schwere Arbeitsunfälle und das damit verbundene Leid endlich der Vergangenheit angehören. Natürlich wird ihnen die BG auch weiterhin mit Angeboten, Service und Rat bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe hilfreich zur Seite stehen. Lassen sie uns also gemeinsam Kurs halten – um jeden Preis!