Stolpern, Rutschen und Stürzen: folgenschwer, kostenintensiv – vermeidbar!

Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle (SRS-Unfälle) bilden auch in der Baustoff-Industrie den Unfallschwerpunkt. Der folgende Artikel zeigt Möglichkeiten der Prävention.

In dieser Ausgabe finden Sie eine Analyse des Unfallgeschehens und zum „SRS-Check“, mit dem seit dem letzten Jahr die Organisation zur Vermeidung von SRS-Unfällen in den Mitgliedsbetrieben der StBG überprüft wird.

Wir stellen zudem neben anderen Präventionsmedien die neue CD-ROM „SRS online“ vor, die der gedruckten Ausgabe des Heftes beiliegt und Sie bei der Gestaltung Ihrer individuellen betrieblichen Maßnahme oder Kampagne unterstützt.

In den nächsten Ausgaben stellen wir daher in lockerer Folge Möglichkeiten zur systematischen Vermeidung von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen vor.

SRS-Unfälle – Unfallursache Nr. 1

„Stolpern, Ausrutschen oder Abstürzen? Das passiert vielleicht den anderen, mir muss doch niemand erklären, wie man richtig geht!“ – eine häufig gehörte Einstellung. Sicher, wir alle haben gelernt, zu gehen, Treppen zu steigen und auf Leitern zu klettern. Und fast immer bleiben wir dabei unfallfrei. Bis es eines Tages passiert: in der Eile übersehen wir die Bordsteinkante, verfehlen beladen mit Unterlagen die letzte Treppenstufe oder unterschätzen die Eisglätte auf dem Weg zum Auto. Wir rutschen auf der Öllache aus, die schon seit einigen Tagen auf dem Werkstattboden glänzt und von niemandem beseitigt wurde, wir verletzen uns beim Absprung vom Radlader, der vermeintlich Zeit gegenüber dem Abstieg spart.

Diese Ereignisse sind ganz und gar nicht selten: Jeden Tag ereignen sich in der gewerblichen Wirtschaft etwa 1.000 Sturzunfälle. Und bei weitem nicht alle verlaufen glimpflich – ein großer Teil führt zu erheblichen Verletzungen, 5.000 Unfallopfer verletzten sich jedes Jahr sogar so stark, dass Sie aufgrund dauernder gesundheitlicher Beeinträchtigungen eine Rente von der Berufsgenossenschaft erhalten.

Die Berufsgenossenschaften wenden pro Jahr etwa 330 Millionen Euro für die Erstattung der Kosten aus Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen auf. Die Ausfallstunden, die den Betrieben darüber hinaus entstehen, schlagen mit etwa acht Milliarden Euro zu Buche – Jahr für Jahr.

Das auf den ersten Blick so banale Thema „Stolpern und Stürzen“ ist auch in den Betrieben der Steinbruchs-BG Unfallursache Nummer Eins und bietet erhebliche Potentiale in der Prävention – denn jeder vermiedene Unfall spart menschliches Leid und bares Geld für die Unternehmen!

Trotz der Präventionserfolge in den letzten Jahren verzeichnete allein die StBG im Segment Stolpern, Rutschen und (Ab)Stürzen 2005 noch

Gründe genug also, etwas zu tun!

Eine Bestandsaufnahme für die Baustoffindustrie

SRS-Unfälle in den Betrieben

Stolper- und Sturzunfälle ereignen sich nicht zufällig. Ihre Ursachen liegen

SRS-Tabelle 1 zeigt, wie häufig sich Arbeitsunfälle durch Stolpern, Rutschen und Stürzen in den Mitgliedsunternehmen der StBG während der letzten sechs Jahren ereignet haben.

Tabelle 1: meldepflichtige Arbeitsunfälle (mehr als drei Tage Arbeitsunfähigkeit) durch Stolpern, Rutschen und Stürzen

 

Sturz auf der Ebene

Absturz

Anstoßen

Eintreten

Sonstige

Summe

2000

1055

95

278

47

72

1547

2001

990

109

165

30

52

1346

2002

945

76

164

29

57

1271

2003

915

99

150

22

42

1228

2004

921

86

143

18

60

1228

2005

833

88

133

16

43

1113

Tabelle 2 zeigt die Zahl neuer Renten aus Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen im Vergleich zu allen im entsprechenden Jahr entstandenen Rentenansprüchen aus Arbeitsunfällen.

Tabelle 2: Neue Arbeitsunfallrenten (Fallzahlen) 2000 – 2005

 

2000

 

2001

 

2002

 

2003

 

2004

 

2005

 

Neue Renten insgesamt

301

100%

279

100%

280

100%

251

100%

251

100%

219

100%

darunter Absturz

70

23,3%

71

25,4%

70

25,0%

73

29,1%

57

22,7 %

44

20,1 %

darunter Stolpern, Rutschen, Stürzen

64

21,3%

62

22,2%

61

21,8%

59

23,5%

76

30,3%

51

23,3%

Diagramm 1: Neue Renten aus Arbeitsunfällen 2000 - 2005
Diagramm 1: Neue Renten aus Arbeitsunfällen 2000 - 2005

Tabelle 3 zeigt die resultierenden Kosten, die z. B. durch medizinische Behandlung, Rehabilitation und regelmäßige Rentenzahlungen entstanden sind.

Tabelle 3: Kosten aus neuen Arbeitsunfallrenten 2000 – 2005

 

 

2000

 

2001

 

2002

 

2003

 

2004

 

2005

 

Neue Renten insgesamt

20.919.718,26  €

100%

19.146.106,74 €

100%

  18.914.498,38 €

100%

16.815.461,53 €

100%

  14.695.033,25 €

100%

  11.182.429,90 €

100%

darunter Absturz

4.464.746,06 €

21,3 %

5.547.417,65 €

29,0%

4.972.804,87 €

26,3 %

4.312.823,96 €

25,6 %

3.549.926,67 €

24,2 %

2.445.188,80 €

21,9%

darunter Stolpern, Rutschen, Stürzen

2.477.690,77 €

11,8%

2.370.049,95 €

12,4 %

2.493.856,23 €

13,2 %

3.317.591,41 €

19,7%

3.264.466,25 €

22,2 %

2.312.508,39 €

20,7 %

Diagramm 2: Kosten aus neuen Arbeitsunfallrenten 2000 - 2005
Diagramm 2: Kosten aus neuen Arbeitsunfallrenten 2000 - 2005

Hierbei wurden jeweils die Fälle betrachtet, bei denen im entsprechenden Jahr erstmalig eine Arbeitsunfallrente gezahlt wurde; die Kosten je Fall wurden jeweils bis zum Stichtag 30. Juni 2006 dokumentiert und dem Jahr der ersten Rentenzahlung als Entstehungsjahr zugerechnet.

Die Analyse zeigt: trotz konstant rückläufiger Zahlen bei der Zahl der Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle insgesamt als auch bei den neuen Arbeitsunfallrenten aus diesem Segment spielen diese Unfälle noch immer eine erhebliche Rolle und verdienen damit, weiter im Fokus der Prävention zu stehen.

Das Ergebnis des SRS-Checks 2005

Im Jahr 2005 wurden ca. 1.000 Mitgliedsbetriebe der StBG systematisch auf Basis des „SRS-Checks“1 untersucht, der die betriebliche Situation in den Kategorien Arbeitsschutzorganisation, Verkehrswege, Arbeitsplätze und Aufstiege und Fahrzeugen und Erdbaumaschinen berücksichtigt.

Dabei ergaben sich als häufigste Defizite:

Den besten Wert nach den Kriterien dieser Checkliste erzielte die Versorgung der Mitarbeiter mit Sicherheitsschuhen – in fast jedem untersuchten Betrieb standen hier angemessene Schuhe bereit.

In den nächsten Ausgaben dieser Zeitschrift werden wir die Elemente des SRS-Checks mit konkreten Umsetzungshinweisen und Praxisbeispielen aus den Betrieben vorstellen.

Peter Schrandt, StBG

Materialien für die Praxis

Die StBG unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe mit Kampagnen und Medien in der Prävention von Stolper, Rutsch- und Sturzunfällen.

Brandneu: Das „Kochbuch gegen Stolpern, Rutschen und Stürzen“ auf CD-ROM

Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft haben zwei Aktionen im Rahmen der Kampagne „Sicherer Auftritt“ unterstützt. Im Anschluss wurden die wirksamsten Maßnahmen identifiziert und in aufbereiteter Form auf der Internetseite „SRS-online“ (www.stolpern-rutschen-stuerzen.de) zusammengestellt.

Um den Zugang zu den Informationen zu erleichtern, wurden die Inhalte auf einer CD-ROM, die diesem Heft beiliegt, zusammengestellt (siehe Seite 23). Ihr Technischer Aufsichtsbeamter berät sie gern bei der Auswahl und Konzeption.

Darüber hinaus stehen zur Verfügung:

Der Stolperparcours

Mit diesem seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzten Exponat werden alltägliche Unfallgefahren erlebbar.

Der Parcours besteht aus insgesamt neun Modulen und zeigt verschiedene Situationen auf, die im betrieblichen Alltag zu Stolperunfällen führen können. Unterschiedlich hohe Treppenstufen, defekte Geländer, liegengelassene Gegenstände und ungeeignete Bodenbeläge sind jeden Tag mögliche Ursachen für folgenschwere Unfälle. Der Parcours hilft dabei, den Blick für gefährliche Situationen im Alltag zu schärfen, um den Prozess der Bewusstseinsänderung zu unterstützen.

StBG-Stolperparcours
Der StBG-Stolperparcours zeigt neun gefährliche Situationen, die im betrieblichen Alltag zu Stolperunfällen führen können

CD-ROM „Sicherer Auftritt“

Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und Bergbau-Berufsgenossenschaft bieten ihren Mitgliedsunternehmen im Rahmen der BG-Aktion „Sicherer Auftritt“ eine interaktive CD-ROM zum Thema Stolpern, Rutschen und Stürzen an.

Unter den Punkten „Wissen, Quizzen und Schauen“ finden Sie auf der CD umfangreiche Informationen zum Thema 'Sicher gehen und stehen', ein motivierendes Quiz zum Thema Stolpern, Rutschen und Stürzen, einen Film aus der 'Napo'-Reihe, der ohne Sprache auskommt und somit universell einsetzbar ist .Als Bonus sind verschiedene Medien der StBG zum Thema Stolper- und Sturzunfälle enthalten.

Der SRS-Check

Mit dem SRS-Check können Sie den Stand Ihrer betrieblichen Organisation überprüfen und Optimierungspotentiale ermitteln. Der Check ist als Durchschreibesatz verfügbar und umfasst 26 Punkte für die betriebliche Überprüfung.

Moderationsleitfaden Stolpern, Rutschen, Stürzen

Der Moderationsleitfaden ist eine Grundlage für aktivierende Unterweisungen, bei denen die Mitarbeiter einbezogen werden – statt eines Vortrages kann die Unterweisung damit als Workshop durchgeführt werden, bei der die Teilnehmer das eigene Arbeitsumfeld kritisch diskutieren und dazu beitragen, Lösungen für bestehende Sicherheitsdefizite zu entwickeln.

Neben methodischen und inhaltlichen Hinweise für Ihr Gruppengespräch oder Ihre Moderation finden Sie vorbereite Folien.

Broschüre „FallStudie“

Die Broschüre geht ausführlich auf Ursachen und Gründe unfallträchtigen Verhaltens ein. Daneben werden zahlreiche Praxisbeispiele zur Vermeidung von Stolperunfällen im Betrieb gezeigt.

Das Praxishandbuch Baustoffe. Steine. Erden.

Das stark nachgefragte Kompendium für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz der StBG bietet neben vielen anderen Informationen auch auf den Punkt gebrachte Hinweise, wie sich SRS-Unfälle vermeiden lassen.

Das Praxishandbuch ist als Ordner, auf CD-ROM und als Internetfassung verfügbar.

Die Inhalte zum Thema SRS-Gefahren finden Sie im Handbuch im Abschnitt „A 1.16 Stolper- und Sturzgefahren“ und online unter http://www.praxishandbuch-stbg.de/pdf_praxishandbuch/ A_1_Allgemeines/A1_16_Stolper_und_Sturzgef.pdf

CD/DVD „Sicherheit geht vor“

Klare Ergebnisse der Unterweisungen zu SRS-Gefahren bei kurzen Vorbereitungszeiten bietet die videogestützte Unterweisungshilfe „Sicherheit geht vor“. 

  • Aufkleber der BAUZ-Kampagne für Sicheren Auftritt

    Aufkleber der BAUZ-Kampagne für Sicheren Auftritt

  • StBG-Moderationsleitfaden Stolpern, Rutschen und Stürzen

    Der StBG-Moderationsleitfaden Stolpern, Rutschen und Stürzen ist Grundlage für aktivierende Unterweisungen

Sie erhalten die Medien bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Geschäftsbereich Prävention, Tel.: (05 11) 72 57-799, Fax: (05 11) 72 57-790, Mail: medien@stbg.de