Schweißarbeiten: Neuregelung der Zulassungsbedingungen

An einem Backenbrecher mussten die verschlissenen Seitenkeile gewechselt werden. Nach der Durchführung von Vorbereitungsarbeiten stieg ein Versicherter über eine Leiter in das Brechermaul und schweißte an beide Seitenkeile Anhängeösen. Mit Hilfe eines Kranes sollten die Keile nacheinander aus dem Brecher gehoben werden. Nach mehreren Hebeversuchen, bei denen sich der offenbar verklemmte Keil nicht lockerte, riss die aufgeschweißte Öse plötzlich ab. Der Kranhaken und die Öse wurden durch die Spannung des Kranseiles emporgeschleudert. Dabei wurde der noch im Brecher stehende Versicherte im Gesicht schwer verletzt.

Unfallursachen/Verantwortung

Der Schweißer besaß einen 1978 erworbenen Schweißerpass, der ihn nicht berechtigte, Schweißarbeiten an dynamisch beanspruchten Teilen auszuführen. Um diese Arbeiten eigenständig durchführen zu können, wäre für das Unternehmen ein Großer Eignungsnachweis mit entsprechend ausgebildeten Schweißern erforderlich gewesen.

Durch mangelhafte Kenntnisse wurden sowohl Fehler bei der Dimensionierung der Anschlagöse als auch bei der Berücksichtigung auftretender dynamischer Kräfte gemacht.


Dieses Unfallbeispiel zeigt, wie wichtig es ist, Schweißarbeiten qualitäts- und normgerecht auszuführen. In vielen Unternehmen der Steine und-Erden-Industrie werden Schweiß- und Schneidarbeiten noch immer ohne Berücksichtigung der erforderlichen Eignung bzw. Herstellerqualifikation ausgeführt. Vielfach besteht auch Unkenntnis über das geltende Regelwerk zur Herstellung qualitäts- und normgerechter Schweißverbindungen.

Aus diesem Grund und wegen umfangreicher Neuregelungen sollen die aktuellen Regeln für die Zulassungsbedingungen zur Herstellung von Stahlbauten im Folgenden vorgestellt werden.

Rechtliche Grundlagen für Schweißarbeiten

Entsprechend Teil 2 Kapitel 2.26 Pkt. 3.2.1 der BGR 500 „Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren“ dürfen Schweißarbeiten nur von Versicherten ausgeführt werden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und mit den Einrichtungen und Verfahren vertraut sind. Grundsätzlich darf danach jeder Versicherte, der diese Voraussetzungen erfüllt, Schweißarbeiten ausführen. Das heißt jedoch nicht, dass alle anfallenden Schweißungen von ihm durchgeführt werden dürfen.

Schweißer tragen eine große Verantwortung. Jede Schweißnaht muss sorgfältig ausgeführt sein. Eine einzige Nachlässigkeit kann zu erheblichen personellen und materiellen Schäden führen. Deshalb wurden in Abhängigkeit von den Anforderungen Regelungen beim Schweißen und Schneiden eingeführt. Schweißarbeiten werden im „geregelten“ und „ungeregelten“ Bereich ausgeführt.

1. Ungeregelter Bereich

Diesem Bereich sind Schweißarbeiten zugeordnet, für die keine Normen oder vergleichbare Regeln vorhanden sind. Dazu gehören:

2. Geregelter Bereich

Normen und Regeln sind für Schweißarbeiten in folgenden Bereichen vorhanden:

Die Voraussetzungen zur Ausführung von Schweißarbeiten an Stahlbauten und Stahlhochbauten waren bislang DIN 18800 Teil 7 „Stahlbauten, Eignungsnachweise zum Schweißen“ (Ausgabe Mai 1983) geregelt. Diese wurde ersetzt durch die DIN 18800-7:2002-09 „Stahlbauten-Ausführungen und Herstellerqualifikation“. Nach wie vor ist diese Norm für das Herstellen tragender Bauteile aus Stahl mit

  1. vorwiegend ruhender Beanspruchung und
  2. nicht vorwiegend ruhender Beanspruchung (dynamisch)

anzuwenden.

Die neue DIN 18800-7 ist inzwischen in die Liste der Technischen Baubestimmungen der einzelnen Bundesländer aufgenommen worden. Die Rechtsverbindlichkeit ist jedoch an die bauaufsichtliche Einführung in den jeweiligen Bundesländern gebunden (Baurecht ist Länderrecht). Die Einführung erfolgte von 2002 bis 2004 in allen Bundesländern. Damit gilt dieses Regelwerk bundesweit als verbindliche Vorschrift zur Herstellung von qualitäts- und normgerechten Schweiß-nähten.

Betriebe, die in den zuvor genannten Beanspruchungsbereichen Schweißarbeiten durchführen wollen, müssen dazu ihre Qualifikation der jeweils zuständigen Bauaufsichtsbehörde nachweisen. Dieser Nachweis gilt als erbracht, wenn eine Herstellerqualifikation in den Klassen A, B, C, D E erworben wurde. Damit wird der bisherige Erwerb des Kleinen und Großen Eignungsnachweises ersetzt. Die Kleinen und Großen Eignungsnachweise nach DIN 18800-7:1983 behalten bis zum Ablaufdatum ihre Gültigkeit.

Ein Vergleich der Eignungsnachweise zu den Herstellerqualifikationen ist in der nebenstehenden Tabelle dargestellt.

Für das Schweißen von Betonstählen ist ein gesonderter Eignungsnachweis erforderlich. Die Anforderungen und der Erwerb sind in der überarbeiteten DIN 4099 Teil 1 und 2 (Fassung 2004) „Schweißen von Betonstahl“festgelegt. Diese DIN ist in die Musterliste für technische Baubestimmungen des Deutschen Institutes für Bautechnik (DIBT) aufgenommen, jedoch gegenwärtig noch nicht in allen Bundesländern bauaufsichtlich eingeführt. Dieser Eignungsnachweis ist bei einer „Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt“ (SLV) zu beantragen.

Die Herstellerqualifikation zum Schweißen nach DIN 18800-7 ist im § 20 (5) der Musterbauordnung der Länder verankert.

Qualitätsanforderungen

Bei der Herstellung geschweißter Bauteile sind abhängig von der Bauteilklasse (A,B,C,D,E) schweißtechnische Qualitätsanforderungen zu beachten. Die Herstellerqualifikationen sind bei einer SLV zu beantragen und zu erwerben

Schweißtechnisches Personal

Schweißaufsichtsperson (SAP)

Die Aufgaben der SAP sind in der DIN EN 719 „Schweißaufsicht, Aufgaben und Verantwortung“ definiert.

Danach müssen SAP Erfahrungen im Stahlbau besitzen und mit einem Vollzeitdienstvertrag angestellt sein. In Abhängigkeit von der Herstellerqualifikation resultiert daraus für die

Klasse A – keine SAP erforderlich

Klasse B – ausgebildeter Schweißfachmann (nach DVS - EWF 1171)

Klasse C – ausgebildeter Schweißtechniker (nach DVS - EWF 1172)

Klasse D und E – ausgebildeter Schweißfachingenieur (nach DVS - EWF 1173).

Schweißer

Der Betrieb muss über Schweißer mit gültiger Schweißerprüfung nach DIN EN 287-1 „Prüfung von Schweißern“ verfügen.

Zu beachten ist, dass bereits für untergeordnete Schweißarbeiten (z.B. Stahleinbauteile für Betonfertigteile, Geländer mit Horizontallast < 0,5 kN/m) geprüfte Schweißer eingesetzt werden müssen.

Für Brennschneiden wird empfohlen, dass ein entsprechender Ausbildungsnachweis  vorhanden ist, der den Qualitätsanforderungen nach DIN EN ISO 9013 „Toleranzen für Brennschnittflächen“ entspricht.

Anforderungen an betriebliche Einrichtungen

Mindestanforderungen an betriebliche Einrichtungen wie

sind im wesentlichen in DIN EN 792 Teil 2 und 3 beschrieben.

Zusammenfassung

Ab dem Jahr 2005 wurden der Kleine und Große Eignungsnachweis durch Herstellerqualifikationen in den Klassen A, B, C, D und E ersetzt.

Für das Schweißen von Betonstählen ist ein gesonderter Eignungsnachweis entsprechend der überarbeiteten DIN 4099 erforderlich.

Erworbene Eignungsnachweise behalten bis zum entsprechenden Ablaufdatum ihre Gültigkeit. Der Erwerb der neuen Herstellerqualifikationen erfolgt nach wie vor über eine SLV.

Neu zu beachten ist dabei, dass bereits für die Ausführung von einfachen oder untergeordneten Schweißnähten an Bauteilen mit vorwiegend ruhender Beanspruchung grundsätzlich Schweißer mit gültiger Schweißerprüfung eingesetzt werden müssen. Im Vergleich dazu waren nach dem bisherigen Kleinen Eignungsnachweis geprüfte Schweißer nur für ausgewählte, normierte Bereiche erforderlich.

Werden vorwiegend ruhend beanspruchte Bauteile von Betrieben geschweißt, die keine Herstellerqualifikation haben, so gelten diese Bauteile als nicht norm- und qualitätsgerecht hergestellt. Das bedeutet, dass insbesondere im Schadensfall dieser Nachweis gegebenenfalls erbracht werden muss.

Es wird empfohlen, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung betriebliche Festlegungen und Regelungen zur Qualifikation des Schweißpersonals in Abhängigkeit von den auszuführenden Schweißarbeiten zu treffen. Abzuwägen ist dabei, ob eigene personelle Voraussetzungen geschaffen werden oder auf ein zugelassenes Schweißunternehmen zurückgegriffen wird.

Dipl.-Ing. Jürgen Pester, StBG

Dipl.-Ing. Wolfgang Pohl, StBG