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[Die Industrie der Steine + Erden]






Globalisierung - Deregulierung - Soziale Verantwortung

Symposium aus Anlass der Verabschiedung von Hauptgeschäftsführer Willi Lange


Aus Anlass der Verabschiedung des langjährigen Hauptgeschäftsführers Willi Lange in den Ruhestand und der Einführung seines Nachfolgers Theodor Bülhoff luden die Vorstände von Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und Bergbau-Berufsgenossenschaft am 22. Juni 2005 zu einem Symposium nach Hannover ein. Es stand unter dem Motto "Globalisierung. Deregulierung. Soziale Verantwortung." und ging der Frage nach, wo sich die deutsche gesetzliche Unfallversicherung in diesem Spannungsfeld zukünftig positionieren muss.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Grundsatzreferat von Prof. Dr. Hans- Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Zum Thema "Arbeit der Zukunft - Zukunft der Arbeit" beleuchtete Prof. Bullinger in einem bemerkenswerten Vortrag Herausforderungen, aber auch Chancen, die sich als aktuelle Rahmenbedingungen auch für die Berufsgenossenschaften ergeben. Als Mega-Trends der Arbeit nannte der Referent: Globalisierung, Wissen als zentraler Produktionsfaktor, Informations- und Kommunikations-Technik, Flexibilisierung der Arbeit, demografische Entwicklung, Health-Life-Sciences (Lebensqualität bis ins hohe Alter, geistige und körperliche Fitness), Tertiarisierung (Dienstleistungsgesellschaft, Entstehung hybrider Produkte, Kundenorientierung, Individualisierung), Ökologie und Beschleunigung der Arbeit. Zu den Rahmenbedingungen für Deutschland machte Bullinger deutlich, wo die deutsche Volkswirtschaft hinsichtlich des Wachstums im weltweiten Vergleich zur Zeit steht, wie die Arbeitskosten im internationalen Vergleich zu bewerten sind und wie sich dagegen die Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens für Deutschland darstellt. Sein Zwischenfazit: Vorsprung durch Innovation ist der einzige Weg, um Wohlstand und Beschäftigung zu sichern. Das Gebot der Stunde heißt also Erneuerung und Innovation!


Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens im europäischen Vergleich (Deutschland = 100 Prozent)
Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens im
europäischen Vergleich (Deutschland = 100 Prozent)

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Nach Prof. Bullingers Ansicht ergeben sich daraus für den Innovationsraum Arbeit Herausforderungen und Chancen auf vier wichtigen Feldern:
  1. Die Organisation von Unternehmen
  2. Die Gesundheit der Beschäftigten
  3. Technologie
  4. Kompetenz und Wissen für die Beschäftigten in den Unternehmen.


Hinsichtlich der Herausforderung "Gesundheit" ergeben sich auch für die Berufsgenossenschaften wichtige Aufgaben und Handlungsfelder. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und steigenden Effizienzdrucks wird nämlich die Gesundheitsprävention zum kritischen Innovationsfaktor, so Prof. Bullinger. Er plädierte nachdrücklich für eine menschengerechte Gestaltung der Arbeitswelt, die veränderte Gefährdungs- und Belastungsspektren der Beschäftigten bei der Arbeit zur Kenntnis nehmen müsse, von einem umfassenden Verständnis von Gesundheit auszugehen habe und auf eine Aktivierung des arbeitenden Menschen abziele, der eigenständig handelt und Interesse an Gesundheit und Wohlbefinden hat. Vor allem der Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung des Einzelnen komme nach seiner Ansicht große Bedeutung zu. Ziel müsse sein, die Gesundheitsressourcen des Individuums zur Vorbeugung von Erkrankungen zu stärken, um die körperliche und psychische Gesundheit zu stabilisieren und die Leistungsfähigkeit zu mobilisieren.

Auch hinsichtlich der Herausforderung "Kompetenz" sieht Prof. Bullinger eine wichtige Rolle der Berufsgenossenschaften. Im internationalen Vergleich stehe Deutschland nämlich bei der Frage, ob Mitarbeiter in den vergangenen 12 Monaten an irgendeiner Form von allgemeiner oder beruflicher Bildung teilgenommen haben, zur Zeit schlecht da. Und dies vor dem Hintergrund, dass die Halbwertszeit von Wissen permanent abnehme. Neue Lernformen und neue Qualifikationen bestimmen den zukünftigen Qualifizierungsbedarf. Lebenslanges Lernen, verbunden mit der Fähigkeit, erworbenes Wissen schnell gestalterisch umzusetzen, stehe nicht nur im Lehrbuch, sondern sei für Deutschland lebenswichtig.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung reagierte dann der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG), Dr. Joachim Breuer, im Gespräch mit dem Moderator der Veranstaltung, dem Publizisten Alexander Niemetz, auf Prof. Bullingers Thesen, natürlich nicht ohne dem scheidenden Hauptgeschäftsführer von Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und Bergbau-Berufsgenossenschaft, Willi Lange, für die langjährige Zusammenarbeit zu danken. Schließlich war Lange Nachfolger von Breuer als Hauptgeschäftsführer der Bergbau-Berufsgenossenschaft.

Im weiteren Verlauf würdigte als nächster Redner der Vorsitzende des Vorstands der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Hans Enders, die Verdienste Langes. In einer umfassenden Replik gab Enders hierbei einen vollständigen Überblick über die Ära Lange und hob besonders hervor, dass dieser am 30. Juni 2005 exakt 28 Jahre als Hauptgeschäftsführer die Geschicke der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft maßgeblich lenkte.

Für die Ära Lange bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft stehen vor allem ein kooperativer Führungsstil, die Entwicklung zukunftsweisender EDV-Systeme, die Modernisierung und der Neubau der erforderlichen Verwaltungsgebäude sowie das konsequente Eintreten für Investitionen in die Prävention. Daneben engagierte sich Willi Lange, der auch langjähriges Mitglied im Vorstand des HVBG war, besonders für den Nachwuchs. Sowohl im Rahmen der Ausbildung und Prüfung der Sozialversicherungs-Fachangestellten als auch der angehenden Technischen Aufsichtsbeamten. Als weitere Aufgaben kamen seit 1997 die Geschäftsführertätigkeit für die berufsgenossenschaftliche Klinik für Berufskrankheiten in Falkenstein im Vogtland hinzu und für die letzten drei Jahre seines Wirkens die Übernahme der Hauptgeschäftsführerposition der Bergbau-Berufsgenossenschaft im Rahmen der damals neu gegründeten Verwaltungsgemeinschaft zwischen Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und Bergbau-Berufsgenossenschaft.


Die (symbolische) Schlüsselübergabe zwischen bisherigem Hauptgeschäftsführer Willi Lange (rechts) und seinem Nachfolger Theodor Bülhoff (links)   Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften, (links) im Gespräch mit dem Moderator der Veranstaltung, Alexander Niemetz.
Die (symbolische) Schlüsselübergabe zwischen bisherigem Hauptgeschäftsführer Willi Lange (rechts) und seinem Nachfolger Theodor Bülhoff (links)   Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften, (links) im Gespräch mit dem Moderator der Veranstaltung, Alexander Niemetz.



Bernd Tönjes, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bergbau-Berufsgenossenschaft, sprach anschließend für die Arbeitgeberseite im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft. Tönjes dankte Lange vor allem für die seit dem 1. Juli 2002 geleistete Aufbauarbeit für die damals neu gegründete Verwaltungsgemeinschaft zwischen Bergbau-Berufsgenossenschaft und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft. Damit hätten die beiden ältesten Berufsgenossenschaften Deutschlands in der berufsgenossenschaftlichen Landschaft ein Signal für Zusammenarbeit und Neugestaltung der berufsgenossenschaftlichen Strukturen setzen können. Dem Nachfolger Langes, Theodor Bülhoff, welcher als gelernter Jurist bereits seit 1980 für die Bergbau-Berufsgenossenschaft tätig gewesen sei, wünschte Tönjes für die schwierige Integrationsaufgabe der beiden Berufsgenossenschaften eine glückliche Hand und das nötige Durchsetzungsvermögen. Die Veranstaltung endete mit einer bewegenden Abschiedsrede des scheidenden Hauptgeschäftsführers Willi Lange, in welcher natürlich "seine Markenzeichen": wohlgesetzte Zitate und treffsichere Pointen, nicht fehlen durften. Zum Schluss überreichte Lange symbolisch den Schlüssel an seinen Nachfolger Theodor Bülhoff, der diesen mit Dank für das in ihn gesetzte Vertrauen entgegennahm. Sein Versprechen lautete: "Ich werde mich mit voller Kraft für den Ausbau der Verwaltungsgemeinschaft von Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und Bergbau-Berufsgenossenschaft einsetzen, die Reformvorhaben der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland unterstützen und auch weiterhin für Investitionen in Prävention, also die Sicherheit in der Arbeitswelt, engagieren".

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG


Zur Person Willi Lange:
Willi Lange kam 1977 mit 38 Jahren als damals jüngster Hauptgeschäftsführer einer gewerblichen Berufsgenossenschaft zur Steinbruchs-BG. In seiner langjährigen Amtszeit stellten sich ihm insbesondere zwei herausragende Aufgaben: die Neugliede-rung der StBG nach der Wieder-vereinigung Deutschlands sowie der Aufbau einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Bergbau-BG. Nach der "Wende" war die Zahl der Versicherten der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft von heute auf morgen um rund die Hälfte des alten Bestandes angestiegen, in Berlin und Dresden mussten zwei neue Verwaltungsstellen aufgebaut werden. Die Veränderungen in der Arbeitswelt erfordern seit Mitte der 90er Jahre auch Anpassungen in der gesetzlichen Unfallversicherung. Mit ihrer vor drei Jahren begonnenen Verwaltungsgemeinschaft treten die beiden - historisch gesehen - ältesten Berufsgenos-senschaften den Beweis an, dass sie in der Lage sind, die notwendigen Reformen aus eigener Kraft zu gestalten. Es gehört zu den besonderen Leistungen Langes, in Personalunion als Hauptgeschäftsführer beider Berufsgenossenschaften die dafür notwendigen Weichen gestellt zu haben. Mit 66 Jahren geht Willi Lange jetzt in den wohlverdienten Ruhestand - die Ära Willi Lange bei der StBG endet damit.


Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft   Theodor Bülhoff, der neue Hauptgeschäftsführer von Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft   Willi Lange
Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft   Theodor Bülhoff, der neue Hauptgeschäftsführer von Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft   Willi Lange






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