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[Die Industrie der Steine + Erden]






Unfallbilanz 2004: Viel Licht, wenig Schatten

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Mit dem Slogan "Unser Erfolg ist der Sinkflug" weisen die Berufsgenossenschaften auf den gemeinsam mit den Unternehmen erreichten niedrigen Stand im Unfall- und Berufskrankheitengeschehen hin. Auch bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft - zuständig für die Baustoff-Industrie - haben sich diese Zahlen in den letzten Jahren außerordentlich positiv entwickelt. Wie sich die Zahlen im Einzelnen für Arbeits- und Wegeunfälle sowie Berufskrankheiten darstellen, behandelt nachfolgender Bericht.

Für eine Analyse des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ist zunächst eine Betrachtung der Ausgangsdaten unerlässlich. Im Jahre 2004 hatten 5.591 Unternehmen ihre Mitarbeiter bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft versichert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 2,6 %. Die wirtschaftlich schwierige Situation in der Bau-Industrie und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Steine und Erden-Industrie machen die Entwicklung bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in den letzten zehn Jahren deutlich: die Zahl der Mitgliedsunternehmen hat um 13,5 % abgenommen. Noch deutlicher ist der Rückgang bei der Anzahl der Beschäftigten (die Berufsgenossenschaften sprechen in diesem Zusammenhang immer von Versicherten). Waren im Jahr 1995 noch gut 220.000 Mitarbeiter in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft beschäftigt, so hat diese Zahl im Vergleich zum Jahre 2004 um 35 % auf 145.000 abgenommen. Um vor diesem Hintergrund die Zahlenwerte besser vergleichen zu können, werden die Unfallzahlen und Berufskrankheitenfälle bei den Berufsgenossenschaften traditionell ins Verhältnis zu 1.000 Vollarbeitern gesetzt. Für die Ermittlung der Anzahl der Vollarbeiter ist der sogenannte Vollarbeiterrichtwert von großer Bedeutung. Dieser gibt die Stunden an, die ein Erwerbstätiger durchschnittlich im Berichtsjahr geleistet hat. Dieser Wert wird vom statistischen Bundesamt ermittelt und betrug für das Jahr 2004 exakt 1.580 Stunden pro Jahr.



Arbeitsunfälle

Im Jahre 2004 wurden der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft 13.812 Arbeitsunfälle gemeldet. Im Vergleich zum Jahr 1995 (28.431) hat sich dieser Wert mehr als halbiert. Dabei setzen sich die gemeldeten Arbeitsunfälle aus den anzeigepflichtigen und den nichtanzeigepflichtigen Arbeitsunfällen zusammen (Abb. 1). Auch von den nichtanzeigepflichtigen Arbeitsunfällen erhält die Berufsgenossenschaft Kenntnis, sobald ärztliche Leistungen in Anspruch genommen werden müssen.

Noch positiver ist die Entwicklung bei den anzeigepflichtigen Arbeitsunfällen, also bei den Unfällen, bei denen eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tage bestand. Hier hat die Anzahl in den letzten zehn Jahren um mehr als 63 % abgenommen. Auch unter Berücksichtigung des deutlichen Beschäftigungsrückgangs in der Baustoff-Industrie bedeutet dies einen Rückgang der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle um rund 42 % (Abb. 2). Mit 50,52 anzeigepflichtigen Arbeitsunfällen pro 1.000 Vollarbeiter wurde bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ein historischer Tiefststand erreicht.

Höchst unterschiedlich hat sich das Unfallgeschehen in den einzelnen Branchen entwickelt. Einer leichten Zunahme in den Industriezweigen Naturstein, Zement, Kalk und Gips sowie Beton und Betonfertigteile steht ein Rückgang in den Branchen Transportbeton, Kies und Sand sowie Erdöl gegenüber (Abb. 3).

Eine weniger erfreuliche Entwicklung ergibt sich bei den schweren Arbeitsunfällen: Diese haben im vergangenen Jahr leicht zugenommen (Abb. 4). Dabei sind unter dem Begriff "Neue Arbeitsunfallrenten" die Unfälle zu verstehen, die für die Betroffenen so schwere Verletzungen zur Folge hatten, dass von der Berufsgenossenschaft entweder zeitlich befristet oder dauerhaft Rentenzahlungen geleistet wurden. Auch hier ist für die einzelnen Branchen eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten. So hat die Unfallschwere in der Naturstein-, Kalk- und Gips-Industrie zugenommen. Eine positive Entwicklung weisen dagegen die Zement- sowie die Kies und Sand-Industrie auf.

Wenn auch immer noch mit zehn Fällen viel zu hoch, verlief die Entwicklung bei den tödlichen Arbeitsunfällen insgesamt positiv (Abb. 5). Dabei lassen sich die tödlichen Arbeitsunfälle bezüglich des unfallauslösenden Gegenstands bzw. der Branchen wie folgt strukturieren: Drei tödliche Arbeitsunfälle haben sich an maschinellen Einrichtungen bzw. Produktionsanlagen der Betonstein-Industrie ereignet. In zwei Fällen waren Förderbandanlagen beteiligt. In zwei weiteren Fällen wurden Mitarbeiter durch zurückfahrende Radlader getötet.



Wegeunfälle

Positiv ist auch die Entwicklung bei den Wegeunfällen. Nicht nur bei den absoluten Zahlen, sondern auch bei der 1.000-Mann-Quote sind deutliche Rückgänge im Unfallgeschehen zu verzeichnen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren hat die Unfallhäufigkeit bei den Wegeunfällen um ca. 37 % abgenommen (Abb. 6).

Unerfreulich dagegen die Entwicklung bei den Wegeunfallrenten. Bei diesen in der Regel schweren Unfällen hat die Häufigkeit deutlich zugenommen und das Niveau von vor rund zehn Jahren erreicht (Abb. 7).

Gerade zu dramatisch ist die Entwicklung bei den tödlichen Wegeunfällen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl auf neun tödliche Wegeunfälle verdreifacht. Eine erste Analyse dieser Unfälle ergab keine spezifischen Hinweise zum Beispiel in Bezug zu den eingesetzten Verkehrsmitteln, des Verkehrsbereiches, des Lebensalters sowie des Unfallzeitpunktes. Für eine Entwicklung von zielgerichteten Präventionsaktivitäten ist die Datenbasis sicherlich zu gering. Um hier weitere Hinweise zu bekommen, ist geplant, das Unfallgeschehen bei allen Wegeunfällen näher zu analysieren. Dabei soll auch das beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat umfangreich vorhandenen Datenmaterial berücksichtigt werden.



Berufskrankheiten

Neben den Arbeits- und Wegeunfällen sind die Berufskrankheiten (BK) der dritte wichtige Versicherungsfall bei den Berufsgenossenschaften.

Nach Jahren eines stetigen Rückgangs wurden im Jahr 2004 erstmals mehr Verdachtsanzeigen auf das Vorliegen einer Berufskrankheiten bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft eingereicht als im Vorjahr. Rund ein Drittel dieser Verdachtsanzeigen beziehen sich auf die Berufskrankheit "Lärm", gefolgt von Erkrankungen der Wirbelsäule, Silikose sowie Asbestose. In 89 Fällen führten die Erkrankungen zu Rentenzahlungen (neue Berufskrankheitenrenten) durch die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich hier die Anerkennungsquote erhöht (Abb. 9).

Bei der Rangfolge der häufigsten BK-Renten hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Hier steht traditionell die Silikose - aktuell mit 32 Fällen - an erster Stelle. Auf den Plätzen 2 und 3 finden sich neue Berufskrankheitenrenten für Lärmschwerhörigkeit und Asbesterkrankungen (Abb. 10). Nicht unerwähnt bleiben darf die traurige Tatsache, dass im Jahr 2004 21 Berufserkrankte an den Folgen der Exposition gegenüber Quarzstaub verstorben sind.



Fazit

Sowohl bei den anzeigepflichtigen und nichtanzeigepflichtigen Arbeits- und Wegeunfällen hat sich der positive Trend der letzten Jahre auch im Jahr 2004 fortgesetzt. Bemerkenswert ist die Entwicklung bei den tödlichen Arbeitsunfällen. Wenn auch zehn tödliche Arbeitsunfälle zehn tödliche Arbeitsunfälle zuviel sind, so hat sich doch die Anzahl im Berichtsjahr gegenüber den Vorjahren deutlich reduziert.

Weniger erfreulich ist die Entwicklung bei den schweren Arbeits- und Wegeunfällen; hier ist eine gewisse Stagnation bzw. bei den Wegeunfällen sogar eine Zunahme zu verzeichnen. Noch negativer ist die Entwicklung bei den tödlichen Wegeunfällen. Diese haben im Vergleich zu den Vorjahren dramatisch zugenommen. Insbesondere die Entwicklung bei den Wegeunfällen wird Anlass sein, sich intensiver mit den Unfallursachen und den daraus resultierenden Präventionsaktivitäten zu beschäftigen.

Alles in Allem kann die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft mit ihren Mitgliedsunternehmen jedoch eine positive Bilanz ziehen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren konnten alle Kennzahlen durch die Anstrengungen aller Beteiligten deutlich gesenkt werden. Deshalb gilt für das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen in der Baustoff-Industrie: "Unser gemeinsamer Erfolg ist der Sinkflug".

Dipl.-Ing. Wolfgang Pichl, StBG Die Abbildungen finden Sie auf einer separaten Seite





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