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[Die Industrie der Steine + Erden]






Das neue Prämiensystem kommt - pünktlich zum 1. Januar 2005!

In der Januar-Ausgabe der "Industrie der Steine und Erden" berichteten wir bereits über das neue 3-Säulen-Modell für eine zukunftsorientierte Prävention. Nunmehr ist auch die dritte Säule unter Dach und Fach: Das neue Prämiensystem zur Förderung innovativer Prävention wird pünktlich am 1 Januar 2005 eingeführt. Dies hat der Vorstand der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in seiner Sitzung im April beschlossen, die Vertreterversammlung hat es im Juni bestätigt.

Die Selbstverwaltung hat damit ein weiteres Anreizinstrument für eine zukunftsorientierte Prävention geschaffen. Im Folgenden sollen kurz die wichtigsten Eckdaten vorgestellt werden - soweit sie bisher bereits benannt werden können - um den Mitgliedsunternehmen bereits heute eine Planungsgrundlage zu geben. Die Details des neuen Prämiensystems werden zurzeit entwickelt, sodass im 4. Quartal 2004 alle Mitgliedsunternehmen ausführlich über die Bedingungen informiert werden.



Warum ein Prämiensystem?

Mit der Einführung des Prämiensystems trägt die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft dem vielfach geäußerten Wunsch aus den Reihen der Mitgliedsunternehmen Rechnung, innovative Präventionsanstrengungen zu fördern und finanziell zu honorieren. Es soll also dazu motivieren, in Arbeitssicherheit zu investieren. Des Weiteren soll die Umsetzung von bewährten, nachahmenswerten Ideen unterstützt werden.



Was kann prämiert werden?

Als Ergebnis der Diskussion innerhalb der Selbstverwaltung wurde der zunächst begrenzte Katalog prämienwürdiger Maßnahmen so erweitert, dass nunmehr alle innovativen Maßnahmen prämiert werden können, wenn
  • man davon ausgehen kann, dass sie zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren wirksam sind,
  • sie über das gesetzlich vorgeschriebene Mindestniveau des Arbeitsschutzes hinausgehen,
  • sie nachvollziehbar belegt werden können (z. B. durch Rechnungsbelege, Fotodokumentationen, Urkunden, Bescheinigungen),
  • sie bereits realisiert sind - Absichtsbekundungen im Vorfeld werden nicht prämiert.
Rückwirkend können Maßnahmen prämiert werden, die im Jahr der ersten Ausschreibung (also 2005) oder ein Jahr zuvor (2004) realisiert worden sind.
Die prämienwürdigen Maßnahmen können fünf Hauptgruppen zugeordnet werden, die der Abbildung zu entnehmen sind.
In Prämiengruppe 1 kann die erstmalige Einführung von Arbeitsschutzmanagement-Systemen honoriert werden, die auf dem Leitfaden der International Labour Organisation (ILO) beruhen. Das Gütesiegel "Sicher mit System" der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ist ein solches System - jedoch kommen auch andere Zertifikate in Betracht.
In Prämiengruppe 2 geht es um die Umsetzung ausgewählter Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit, die über den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestrahmen hinausgehen. In Betracht kommen z. B. die Installation von Systemen zur Überwachung des Rückraums an Erdbaumaschinen, Gabelstaplern oder Fahrzeugen (z. B. Kamerasysteme), die Einführung einer Schutzbrillentragepflicht in Produktionsbereichen, oder auch Investitionen zur elektronischen Bruchwand- und Bohrlochvermessung.
Bei Prämiengruppe 3 geht es um ausgewählte Maßnahmen zur Verminderung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren, die gleichfalls über den vorgeschriebenen Mindestrahmen hinausgehen müssen. Maßnahmen in dieser Gruppe dienen der Vermeidung von Berufskrankheiten ebenso wie der aktiven Gesundheitsprävention. In Betracht kommen hier beispielsweise Investitionen zur lärmarmen Betonverdichtung, die Einführung atmungsaktiver, gut sichtbarer, reflektierender Wetterschutzkleidung oder auch die Verbesserung der ergonomischen Arbeitsbedingungen und die Verminderung von Zwangshaltungen sowie die Durchführung von Rücktrainings zur Vermeidung von Wirbelsäulenberufskrankheiten.
In Prämiengruppe 4 werden herausragende Ergebnisse in der Verhütung von Arbeitsunfällen honoriert. Nach den bisherigen Überlegungen kommt die Ausschüttung von Prämien in dieser Gruppe in Betracht, wenn sich in Unternehmen mit bis zu 10 Vollarbeitern mindestens 60 Monate kein meldepflichtiger Arbeitsunfall ereignet hat. Unternehmen ab 130 Vollarbeitern müssen mindestens 12 Monate unfallfrei bleiben - für Unternehmen, die größenmäßig zwischen diesen beiden Eckpunkten liegen, ist eine lineare Staffelung des geforderten unfallfreien Zeitraums vorgesehen.
Prämiengruppe 5 dient der Verbreitung und Umsetzung von Innovationen, die im Rahmen des "Förderpreises Arbeit - Sicherheit - Gesundheit" als zukunftsweisend ausgezeichnet worden sind.



Wonach richtet sich die Höhe der Prämie?

Für jede der fünf Prämiengruppen werden Kriterien zur Prämienhöhe definiert. Für Prämiengruppe 1 "Arbeitsschutzmanagement-Systeme" ist z. B. vorgesehen, dass jedes Unternehmen, das hier aktiv ist, eine Mindestprämie in Höhe von 2.000 erhalten soll. Hinzukommt, ab dem elften Arbeitnehmer eine zusätzliche Prämie in Höhe von 200 je Arbeitnehmer, wobei eine Prämienobergrenze in Höhe von 20.000 vorgesehen ist.
Im Bereich der Prämiengruppen 2, 3 und 5 ist daran gedacht, für Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, also der sog. Verhältnisprävention, Prämien in Höhe von 20 Prozent der Investitionssumme auszuschütten. Trainingsmaßnahmen zur Verhaltensbeeinflussung sollen mit 10 Prozent der nachgewiesenen Fremdkosten prämiert werden. Gleichfalls wird jeweils eine Prämienobergrenze festgelegt.
In Prämiengruppe 4 ist vorgesehen, bei Erfüllung der Kriterien eine Prämie zu gewähren, welche 20 Prozent des letzten Jahresbeitrags entspricht.



Wie läuft das Prämienverfahren ab?

Alle Mitgliedsunternehmen werden im 4. Quartal 2004 die Ausschreibungsunterlagen zum ersten Prämienverfahren für das Jahr 2005 erhalten. Dort werden die konkreten Bedingungen für die Erlangung einer Prämie genau beschrieben und die erforderlichen Nachweiskriterien festgelegt. Ab dem 1. Januar 2005 können dann Prämienanträge seitens der Mitgliedsunternehmen eingereicht werden. Die Anträge werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Die Prämienausschüttung erfolgt unmittelbar nach Prüfung und Bearbeitung des Prämienantrages. Es besteht auch die Möglichkeit, Prämienanträge für mehrere innovative Maßnahmen zu stellen.
Da seitens des Vorstands der StBG für die Ausschüttung von Prämien ein Budget festgelegt wurde, welches 50 Prozent der eingenommenen Beitragszuschläge umfasst, können Prämien im laufenden Jahr nur gewährt werden, solange hierfür finanzielle Mittel vorhanden sind. Aufgrund der bisher vorliegenden Daten ist davon auszugehen, dass für das Prämienverfahren im Jahre 2005 etwa 1,5 Millionen zur Verfügung stehen.



Ausblick

Wie schon erwähnt, werden im 4. Quartal 2004 alle Unternehmen über die konkreten Bedingungen informiert. Des Weiteren wird ein ausführlicher Beitrag zum neuen Prämiensystem in der November/Dezember-Ausgabe der "Industrie der Steine und Erden" erscheinen.
Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft betritt mit der Einführung des Prämiensystems Neuland. Deshalb ist es sicherlich unabdingbar, in der Anfangsphase Erfahrungen zu gewinnen, um ggf. Optimierungsbedarf zu erkennen.
Eines ist jedoch bereits heute klar: Investitionen in zielgerichtete Prävention zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren rentieren sich immer - ab 2005 aber noch mehr als zuvor! Insofern liegt es nunmehr an den Mitgliedsunternehmen, die Chancen des neuen Prämienverfahrens aktiv zu nutzen.
Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG


Prämienwürdige Maßnahmen
Prämienwürdige
Maßnahmen




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