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[Die Industrie der Steine + Erden]






Wirtschaftliche Aspekte der Prävention: Sicher kostet Geld - Unsicher kostet mehr Geld

Taschenrechner   Lohnt es sich in der schwierigen wirtschaftlichen Situation überhaupt noch in Prävention zu investieren? Ja! Die Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ist nicht nur ein Gebot der Humanität, sondern auch ein elementares Ziel erfolgreichen unternehmerischen Handelns. Jede behandlungsbedürftige Unfallverletzung führt neben einer Belastung der in einer Berufsgenossenschaft zur Solidargemeinschaft zusammengeschlossenen Unternehmer auch zu hohen direkten betrieblichen Kosten.


Die International Labour Organization (ILO), eine Organisation der Vereinten Nationen (UN), befasst sich mit den Auswirkungen der Arbeitsbedingungen aus weltweiter Sicht. Nach Schätzung der ILO wird das weltweite Bruttoinlandsprodukt durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten jährlich um etwa 4 Prozent verringert. Dieses entspricht einem Verlust von rund 1,25 Billionen US-Dollar.
Der folgende Bericht zeigt, dass Prävention bei verhältnismäßig geringen Investitionen erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringt. Um dies zu verdeutlichen, werden nach einem Blick auf einige wirtschaftliche Rahmendaten die kostenseitigen Auswirkungen eines Arbeitsunfalles aufgezeigt, anschließend werden als konkretes Beispiel die Kosten, die der Solidargemeinschaft bei Unfällen an Förderbändern entstehen, quantifiziert und den Investitionen in die Prävention gegenübergestellt.



Kosten eines Unfalles

Unfälle bedingen betriebliche Kosten, die unmittelbar zu Lasten des Unternehmens gehen, sowie Kosten für die in der Unfallversicherung vereinigte Solidargemeinschaft. Die folgende Checkliste zählt einige Parameter auf, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


Betriebliche Unfallkosten und Auswirkungen

1. Produktivitätsverlust durch
  • Zeit zur Versorgung des Verletzten (betrifft häufig auch benachbarte Arbeitsplätze, ggf. zusätzlich durch Schaulustige)
  • Stillstand der Maschinen (Maschinen/Anlagen dürfen erst wieder nach Beseitigung der Gefährdung in Betrieb gehen)
  • Aufräumarbeiten
  • unfallbedingten Arbeitsausfall (problematisch insbesondere bei Ausfall besonders qualifizierter Mitarbeiter)
  • Suche und Einarbeitung von Ersatz-Arbeitnehmern
  • interne Unfalluntersuchung, Einleitung von Maßnahmen zur Vermeidung der Wiederholung
  • Begleitung der externen Unfalluntersuchung (Berufsgenossenschaft, Polizei/Staatsanwaltschaft, Sachversicherer) durch Führungskräfte des Unternehmens
  • administrativer Aufwand (z. B. Unfallmeldung, Schriftverkehr, fürsorgender Aufwand)


2. Kosten durch
  • Erste Hilfe und Rettungstransport
  • Sachschäden
  • Entgeltfortzahlung einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge und sonstiger Lohnnebenkosten
  • höhere Versicherungsbeiträge, Verlust von Prämien
  • bei relevantem (Mit-)Verschulden der Verantwortlichen Bußgeld, Rückgriff des Versicherers (Regress), ggf. Rechtsberatung und Gerichtsverfahren


3. Folgen des Produktivitätsverlustes
  • Verzögerte Liefertermine mit möglicherweise daraus resultierenden Konventionalstrafen/Schadenersatzforderungen, Verlust von Kunden
  • Qualitätsprobleme
  • zu hohe Dauerbeanspruchung der verbleibenden Mitarbeiter
  • Verlust an Konkurrenzfähigkeit


4. Auswirkungen auf das Unternehmensimage
  • Unternehmensimage leidet (Wahrnehmung durch Kunden, Vertragspartner, Medien, Öffentlichkeit)
  • internes Unternehmensimage leidet (Wahrnehmung durch Kollegen, Einfluss auf die Motivation)

Die zunehmende Auslastung und Beanspruchung durch eine ausgedünnte Personaldecke und gestiegene Verantwortung jedes einzelnen Arbeitsnehmers verstärken heute die Auswirkungen von unfallbedingten Fehlzeiten dramatisch.
Eine international angelegte Untersuchung der Münchener Rück - einer der weltgrößten Rückversicherungsgesellschaften - zum Thema Unfallfolgekosten nennt weitere Faktoren wie Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, Verbraucher (steigende Endpreise), Anteilseigner, Investmentmärkte, Gesellschaft und Staat; seitens der Arbeitnehmer zudem Einkommensverlust und verminderte Beschäftigungschancen.
Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass weitere internationale Untersuchungen zu Unfallfolgen noch zusätzliche Aspekte wie Schmerzensgeldzahlungen und Kosten für gerichtliche Auseinandersetzungen addieren, die erhebliche Dimensionen erreichen können, in Deutschland jedoch durch das System der gesetzlichen Unfallversicherung bei Arbeitsunfällen in aller Regel nicht auftreten.
Die betrieblichen Kosten eines Ausfalltages wurden vielfach untersucht und werden mit 500 Euro bis 1000 Euro pro Tag und mehr beziffert. Unterschiedlichen Ergebnisse sind durch verschiedene Betrachtungszeiträume und unterschiedliche Wirtschaftsleistungen der verschiedenen Unternehmen bedingt.
Eine sehr anschauliche Betrachtung der Unfallkosten an einem Beispiel aus der Baustoff-Industrie wurde bereits in Ausgabe 5/2001 der Industrie der Steine + Erden unter dem Titel "Unfallkosten und die Folgen - Bumerang für die Unternehmen" veröffentlicht.

Arbeitssicherheit als Imagefaktor
Dass Arbeitsunfälle dem Unternehmensimage abträglich sind, ist seit langem bekannt.
Die Financial Times Deutschland berichtet in ihrer Ausgabe vom 24. Februar 2004 über eine gemeinsame Initiative der großen deutschen Einzelhändler, die eine einheitliche Prüfung und Zertifizierung der Arbeitsbedingungen einschließlich der Arbeitssicherheits- und Gesundheitsstandards auch seitens der Zulieferer sicherstellt, die überwiegend in Entwicklungsländern produzieren. Damit soll unter anderem das Image gegenüber den deutschen Kunden verbessert werden.





Kosten zu Lasten des Unfallversicherungsträgers

Der Beitrag zur Berufsgenossenschaft wird fast ausschließlich durch die Höhe der Rehabilitationskosten und Entschädigungsleistungen an Verletzte und Erkrankte bestimmt, denn die Berufsgenossenschaften haben keine Aufwendungen für Kundenwerbung und erzielen keinen Gewinn. Die Berufsgenossenschaften finanzieren ihre Aufwendungen über ein Umlagesystem. Dies bedeutet, dass die erbrachten Leistungen (Aufwendungen) von den Unternehmen als Beitrag aufzubringen sind.
Nachfolgend einige beispielhafte Kosten, die der gesetzlichen Unfallversicherung bei einem Arbeitsunfall entstehen:
Kosten durch
  • Krankentransport
  • ambulante Behandlung
  • stationäre Behandlung
  • Heil- und Hilfsmittel (Medikamente, Prothesen, Rollstuhl, )
  • berufliche Rehabilitation (z. B. Qualifikation durch Umschulung)
  • soziale Rehabilitation (z. B. behindertengerechter Umbau der Wohnung und des Fahrzeugs, Betreuung des Verletzten und seiner Angehörigen)
  • Sachverständigengutachten
  • Entgeltersatzleistungen einschließlich Sozialversicherungsanteil nach Ablauf der Entgeltfortzahlung durch das Unternehmen
  • Renten an Verletzte, ggf. Witwe und Waisen
  • administrativer Aufwand (Kontakt mit dem Unternehmen, Feststellung der Ansprüche, Prüfungen, )

Welche exorbitanten Summen schwere Arbeitsunfälle bedingen können, wurde in Ausgabe 1/1998 dieses Magazins ausführlich beschrieben. Hierbei ging es um einen Arbeiter, der bei Reinigungsarbeiten an einem Bodenfertiger eingeklemmt wurde, als seine Kollegen die Maschine anlaufen ließen und nicht bemerkt hatten, dass sich der Verunfallte noch im Gefahrenbereich aufhielt. Dabei kam es zu einem Bruch der Halswirbelsäule und Zerreißung des Halsmarkes. Der Unfall ereignete sich im März 1996, die Behandlungs- und Pflegekosten belaufen sich bereits heute auf 3,5 Millionen Euro. Hinzu kommen die lebenslangen Rentenzahlungen für den zum Unfallzeitpunkt 23 Jahre alten Verletzen.
Aber nicht nur schwerste Unfälle wie der beschriebene wirken sich finanziell spürbar aus: bereits ein Armbruch bedingt in aller Regel Kosten im vierstelligen Euro-Bereich.

Mit Sicherheit erfolgreich
Eine Studie des Wirtschaftspsychologen Prof. Dr. Lutz Packebusch kommt zu dem Ergebnis, dass Handwerksbetriebe mit einem aktiven Arbeits- und Gesundheitsschutz deutlich länger am Markt überleben als Betriebe mit einem lediglich durchschnittlichen Engagement.
Weitere Faktoren, auf die sich Arbeitsschutzmaßnahmen positiv auswirken, sind demnach eine sinkende Mitarbeiterfluktuation, Steigerung der Produktqualität und Imagegewinn bei den Kunden.





Warum Prävention?

"Eine Unze Prävention ist soviel wert wie ein Pfund Heilung." (Benjamin Franklin).
In nahezu allen Industrienationen genießt die Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten einen hohen Stellenwert - insbesondere in großen und international agierenden Unternehmen. Die Erkenntnis, dass Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten mit hohen Kosten und erheblichem Produktivitätsverlust verbunden sind, ist die Triebfeder eines hohen Engagements in der Vermeidung solcher Ereignisse. Hinzu kommen die erheblichen Strafen und Schmerzensgeldzahlungen. Die Summe dieser Kosten kann Unternehmen massiv in ihrer Existenz gefährden. Aus diesem Grund findet man in Nordamerika, aber auch vielen westeuropäischen Ländern eine ausgeprägte Sicherheitskultur mit hohen Anforderungen an Schutzeinrichtungen und strikten Sicherheitsanweisungen an die Mitarbeiter von Verhaltensnormen bis hin zur Tragepflicht von persönlicher Schutzausrüstung, die das in Deutschland vorgeschriebene Niveau nicht selten überschreiten.
Aber selbst vor dem Hintergrund der Absicherung durch die gesetzliche Unfallversicherung in Deutschland ist die Unfallprävention gerade auch für kleinere Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor!
Wie gezeigt, entsteht bei einem Arbeitsunfall eine Reihe von direkten betrieblichen Kosten, die das Unternehmensergebnis direkt belasten, gleichzeitig beeinflussen die Leistungen der Berufsgenossenschaften den Beitrag der versicherten Unternehmen. Unfallkosten können sich außerordentlich langfristig auswirken. So zahlt die StBG noch heute Renten aufgrund von Unfällen, die sich in den Jahren vor 1930 ereignet haben.
Trotz des erfreulichen Rückgangs der Arbeitsunfälle verliefen im vergangenen Jahr noch immer 252 Arbeitsunfälle so schwer, dass neue Renten gezahlt wurden. Im selben Zeitraum erlitten mehr als 20 Versicherte der StBG einen tödlichen Unfall während der Arbeit.

Entschädigung ist teuer
Hohe Aufwendungen durch Entschädigung sind kein isoliertes Merkmal der deutschen Unfallversicherung und nicht mit einer Stammtischweisheit aus der Kategorie "Privatisierung macht alles billiger" zu dämpfen. In Florida mit einer privaten Unfallversicherung erreichen die Prämien an die Unfallversicherer des Baugewerbes inzwischen 10 Prozent der gesamten Baukosten. Wie in anderen Staaten der USA, in denen die Unfallversicherung privatisiert wurde, finden zudem viele Unternehmen mit einem hohen Risiko - und hierzu zählen z. B. die Baustoff- und die Bau-Industrie - häufig keine Versicherer mehr, die bereit sind, das Unfallrisiko abzudecken.
Noch größere Schwierigkeiten bereitet das Risiko einer Berufskrankheit. In der Ausgabe 1/2003 dieses Magazins wurde unter dem Titel "In weltweitem Vergleich bewährt - wandlungsfähig für die Zukunft" ausführlich gezeigt, welchen katastrophalen Folgen auch aus wirtschaftlicher Sicht sich Unternehmen weltweit durch Asbesterkrankungen der Arbeitnehmer gegenüber sehen.




Prävention zahlt sich aus - ein Fallbeispiel

Die Kosten der Präventionskampagne "Sicherheit am laufenden Band" der StBG, die im Jahr 1994 gestartet wurde, beliefen sich auf etwa 200.000 Euro. Dass sich diese Investition ausgezahlt hat, zeigt der folgende Blick auf die Entwicklung des Unfallgeschehens in diesem Segment.

Unfälle an Förderbändern

Stetigförderer sind das am weitesten verbreitete Transportmittel in den Mitgliedsbetrieben der StBG und ein unverzichtbares Hilfsmittel in der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung. Schätzungsweise mehr als 100.000 Förderer sind in den Mitgliedsbetrieben der StBG im Einsatz.
An diesen Anlagen ereignen sich seit vielen Jahre immer wieder schwerste Unfälle, die nicht selten zum Verlust von Gliedmaßen oder gar zum Tod führten.
Die Ursachen hierfür waren und sind:
  • fehlende Schutzeinrichtungen
  • fehlendes Gefahrenbewusstsein der Versicherten
  • fehlendes Gefahrenbewusstsein der Führungskräfte

1995 ereigneten sich noch 38 Unfälle an Stetigförderern, die so schwer verliefen, dass neue Unfallrenten gezahlt wurden .

Präventionskampagne "Sicherheit am laufenden Band"

Als Reaktion hierauf intensivierte die StBG ihre Präventionsangebote zu diesem Thema. Neben verstärkter Beratung und Schulung durch Technische Aufsichtsbeamte mit dem Fokus Stetigförderer wurde im Rahmen der Kampagne "Sicherheit am laufenden Band" ein Medienpaket entwickelt und verteilt - dieses kann nach wie vor bei der StBG angefordert werden (z.B. unter www.stbg.de).
Zur praxisnahen Demonstration und Unterweisung ließ die StBG Förderbandmodelle entwickeln. Die Aufwendungen für die Produktion und Verteilung der Medienpakete sowie die Konzeption und Herstellung von acht Förderbandmodellen lagen zusammen bei etwa 200.000 Euro.

Kosten und Nutzen

Die Angebote zeigen Erfolg: Im Jahr 2003 ereigneten sich an Stetigförderern nur noch 9 Unfälle, die zur Zahlung von Renten führten - gegenüber 1995 ein Rückgang von mehr als 76 Prozent!


Grafik: Neue Renten aus Arbeitsunfällen an Stetigförderern - 1995 bis 2003

Neue Renten aus Arbeitsunfällen
an Stetigförderern - 1995 bis 2003


Zeigt eine Verminderung von 29 Unfällen pro Jahr eine spürbare finanzielle Auswirkung? Ist es wert, für die Vermeidung einer solchen Unfallzahl 200.000 Euro in eine Präventionskampagne zu investieren?
Die Zahlen beantworten diese Frage deutlich!
Die Kosten eines Unfalles an einem Stetigförderer mit Rentenfolge betragen durchschnittlich etwa 330.000 Euro (siehe hierzu auch die folgenden Fallbeispiele).

Beispiel 1: Unfall Januar 2001
Handeinzug bei Reinigungsarbeiten, kompletter distaler Unterarmbruch rechts, 259 Tage arbeitsunfähig
Ambulante Behandlung

3.267,13

Stationäre Behandlung

29.803,89

Verletztengeld/SV-Beiträge

21.621,33

Fahrtkosten

1.765,62

Berufshilfe

1.730,26

Rente

17.057,93

Sonstiges

1.710,18

Stand 29.10.2003

76.956,34

   
Rente: Minderung der Erwerbsfähigkeit 30 % ab 1.10.2001
voraussichtlich bis Lebensende  
pro Monat

671,89

pro Jahr

8.062,68

in 35 Jahren (dann 78 J. alt)

282.193,80

Gesamtkosten

359.150,14



Beispiel 2: Unfall Mai 1998
Bei Reparaturarbeiten Einzug in den Bandantrieb, traumatische Ausrißamputation des rechten Oberarms, Replantation rechter Oberarm, 546 Tage arbeitsunfähig, keine berufliche Wiedereingliederung möglich
Ambulante Behandlung und Therapie

15.592,28

Stationäre Behandlung

40.212,10

Verletztengeld und Reha-Beiträge

22.678,15

Fahrtkosten

4.772,15

Wohnungshilfe

5.196,15

Verletztenrente

28.936,22

Sonstiges

2.141,65

Stand 29. 10. 2003

119.528,70

   
Rente: Minderung der Erwerbsfähigkeit 60 Prozent ab 1.11.1999
voraussichtlich bis Lebensende  
pro Monat

626,97

pro Jahr

7.523,64

in 24 Jahren (dann 78 J. alt)

180.567,36

Gesamtkosten

300.096,06



Diese hohen Beträge sind wesentlich auf die erheblichen Verletzungsfolgen solcher Unfälle, wie Quetschungen und Gliedmaßenausriss, sowie durch die langjährigen Rentenansprüche bedingt.
Die Vermeidung von 29 Unfällen dieses Schweregrades pro Jahr bedeutet somit die Vermeidung von mehr als 9,5 Millionen Euro Kosten für die Solidargemeinschaft der versicherten Unternehmer! Hierbei sind die gleichzeitig vermiedenen Kosten durch Produktivitätsausfälle noch nicht einmal berücksichtigt!
In Euro und Cent stellt sich der Unterschied zwischen der tatsächlichen, positiven Entwicklung und einer fiktiven Entwicklung auf unverändert hohem Niveau folgendermaßen dar (siehe Tabelle).

  Fälle Kosten daraus für die Zukunft
  Basis 1995 real Differenz Basis 1995 real Ersparnis
1995

38

38

0

12.540.000

12.540.000

0

1996

38

31

7

12.540.000

10.230.000

2.310.000

1997

38

23

15

12.540.000

7.590.000

4.950.000

1998

38

22

16

12.540.000

7.260.000

5.280.000

1999

38

20

18

12.540.000

6.600.000

5.940.000

 2000

38

16 

 22

12.540.000

  5.280.000

 7.260.000

 2001

 38

13 

 25

 12.540.000

  4.290.000

  8.250.000

 2002

 38

12

 26

 12.540.000

  3.960.000

 8.580.000

 2003

 38

 29

 12.540.000

 2.970.000

  9.570.000

 Summen

 342

184 

 158

  112.860.000

 60.720.000

 52.140.000



Der "Bericht über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2002" der Bundesregierung gibt für das produzierende Gewerbe eine durchschnittliche jährliche Bruttowertschöpfung von 53.200 Euro pro Arbeitnehmer an. Bei einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von etwa 300 Tagen nach Arbeitsunfällen an Stetigförderern ergeben sich so pro Fall nochmals ca. 45.000 Euro zu Lasten des betroffenen Unternehmens - entsprechend einer Summe von 1,3 Millionen Euro bei 29 Fällen.
Auch diese Kosten werden durch erfolgreiche Prävention jährlich eingespart!
Diese Betrachtung beschränkt sich auf die Fälle, die aufgrund ihrer Schwere zur Zahlung einer Unfallrente auf Dauer führen. Noch nicht berücksichtigt sind daher die Unfälle, die zwar nicht zu einer rentenberechtigenden Dauerschädigung führen, aber dennoch Arbeitsunfähigkeit und Behandlungskosten bewirken.
Die schweizerische Unfallversicherung SUVA hat das Verhältnis von Unfallereignissen unterschiedlichen Schweregrades untersucht. Heraus kam eine sogenannte "Unfallpyramide", die zeigt, wie viele leichtere Unfälle, Beinaheunfälle und unsichere Handlungen hinter den bekannten Ereignissen stehen:

Unfallpyramide der SUVA


Auch diese Faktoren wirken sich negativ auf das Betriebsergebnis aus!
Es sollte zudem nicht übersehen werden, dass ein Rückgang der Arbeitsunfälle fast immer auch mit einer Reduzierung der Sachschäden einhergeht, so dass der Einspareffekt noch verstärkt wird.

Wenig Ausfälle - bei Maschinenauswahl kaufentscheidend
Damit ein Radlader wirtschaftlich eingesetzt werden kann, wird schon beim Einkauf darauf geachtet, dass die Maschine ausreichende Produktionszeiten leisten wird. Zusätzlich werden in der Regel Wartungsverträge abgeschlossen, obwohl sie mit Kosten verbunden sind - denn ein Stillstand ist teurer!
Doch nicht nur funktionierende Wirtschaftsgüter beeinflussen das Betriebsergebnis positiv: Rutscht ein Bediener beim Abstieg von der Erdbaumaschine ab, weil am trittsicheren Aufstieg gespart wurde, addieren sich alleine die Kosten für medizinische Behandlung des Unfallopfers (zum Beispiel bei einer Fraktur) und die anschließenden Lohnersatzleistungen leicht auf das vielfache des eingesparten Materials!



Wie bereits eingangs erwähnt: bei der Betrachtung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten dürfen nicht ausschließlich wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Es geht um das Leben und die Gesundheit der Menschen in den Betrieben und jeder vermiedene Unfall ist insbesondere ein menschlicher Erfolg - die tödlichen Unfälle und Amputationen an Stetigförderern zeigen dies besonders deutlich!
Dabei geht es ohnehin nicht um einen Gegensatz "Wirtschaftlichkeit oder Arbeitssicherheit" - optimale Wirtschaftlichkeit ist nur mit Arbeitsschutz zu erreichen und kaum ein wirtschaftliches Instrument weist ein so hohes Einsparpotential aus wie die Prävention.



Was ist zu tun?

Arbeitsunfälle sind vermeidbar! Jede Führungskraft muss sich ihrer Verantwortung bewusst sein, als Vorbild agieren sowie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz als gleichwertiges Unternehmensziel einbeziehen. Gleichzeitig muss Arbeitssicherheit von jedem einzelnen Beschäftigten gelebt werden! Nur informierte, motivierte und sensibilisierte Versicherte werden in der Lage und bereit sein, Gefahrenquellen zu erkennen und entsprechend zu handeln.
Die Mitarbeiter der StBG stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung, um Sie auf der Basis langjährigen Praxiswissens kompetent zu beraten. Nutzen Sie die Leistung Ihres Technischen Aufsichtsbeamten, Ihrer Sicherheitsfachkraft und Ihres Betriebsarztes schon bei der Anlagen-Neukonzeption, um Fehlinvestitionen zu vermeiden - und regelmäßig zur Optimierung des Betriebsablaufes!
Auch die zahlreichen und vielfach bewährten Angebote der StBG zur Verbesserung der Arbeitssicherheit stehen Ihnen zur Verfügung! Beispielhaft seien genannt:
  • die Praxishilfe "Sicher mit System" zur Organisation der Arbeitssicherheit
  • das Gütesiegel "Sicher mit System", welches eine kostenlose Beratung zur Verbesserung der Arbeitsschutzorganisation durch Spezialisten mit einschließt und dessen Verleihung Ihren Erfolg sichtbar macht
  • der Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit der StBG, der Initiativen auslöst, prämiert und kommuniziert
  • zielgruppengerechte Medien von Fachinformationen bis hin zur handlungsorientierten Versichertenzeitung "BAUZ"
  • die Präventionspakete der StBG
  • die vielfältigen Exponate, um Arbeitssicherheit "erlebbar" zu machen - vom Augenmobil bis zur Lärmpyramide
  • zielgruppengerechte Seminare rund um die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Ausführliche Informationen zu allen Angeboten finden Sie auch unter www.stbg.de.
Eine optimale Sicherheitskultur kommt allen zugute - den Unternehmern, Mitarbeitern und damit auch der Solidargemeinschaft!

Peter Schrandt, StBG




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