www.steine-und-erden.net > 2004 > Ausgabe 4/04 > Unfallbericht: Großer Sachschaden durch Knäppersprengung

[Die Industrie der Steine + Erden]






Unfallbericht: Großer Sachschaden durch Knäppersprengung

In einem Kalksteinbruch sollte auf der tiefsten Bruchsohle ein übergroßer Knäpper von etwa 40 m³ - mit den Abmessungen 5 m x 4 m x 3 m - durch Sprengen zerkleinert werden. Üblicherweise werden die kleineren Knäpper mit einer 30er Bohrkrone in einer Handbohrmaschine angebohrt. Wegen der rutschigen Knäpperoberfläche in 4 m Höhe wurde statt mit der Handbohrmaschine mit der 80er Bohrkrone der Großbohrlochmaschine ein 2,8 m tiefes Loch gebohrt und dieses mit einer 2,5 kg Emulgitpatrone geladen. In einem Zündgang wurden noch fünf weitere wesentliche kleinere Knäpper gesprengt.
Das Sprengergebnis war hervorragend. Den großen Knäpper hatte die Sprengung völlig zerlegt. - Leider flog ein 20 kg Stein 350 m weit in eine Porzellanfabrik, durchschlug das Dach und zerstörte einige Gipsformen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die dort Beschäftigten kamen mit dem Schrecken davon.
Die überschlägige Berechnung ergibt einen spezifischen Sprengstoffaufwand von 62 g/m³ was auf den ersten Blick in Ordnung erscheint. Da allerdings Steinflug auftrat, kamen alle Beteiligten nachträglich zu dem Schluss, dass bei einer geballten Ladung in Form einer ganzen Sprengstoffpatrone Steinflug nicht ausgeschlossen werden kann. Die 2,5 kg Sprengstoff hatten nach zwei Seiten nur 1,5 m Vorgabe, unter der optimistischen Annahme, dass mittig gebohrt wurde. Der Sprengstoff ist daher auf einen Quader von 3 m Kantenlänge zu beziehen, was einem spezifischen Sprengstoffaufwand von 90 g/m³ entspricht.
Dies war offensichtlich für diesen Knäpper zuviel gewesen. Zusätzlich konnten wegen der mit Lehm überschmierten Oberfläche Störungen nicht erkannt werden. Übliche Vorgaben bei Großbohrlochsprengungen liegen zwischen 3,5 und 4,5 m. Sollte ein Sprengberechtigter feststellen, dass die Vorgabe im Wandfuß nur noch 1,5 m beträgt, würde er sicher das Bohrloch im unteren Bereich nicht voll ausladen bzw. gar nicht laden. Diese Überlegungen sollten auch auf Knäpper übertragen werden.
Dieses Vorkommnis zeigt, dass der 300-m-Sprengbereich in der Unfallverhütungsvorschrift sehr realistisch ist. Das gilt auch für Absperrposten, die deshalb bei Sprengungen in Deckung gehen müssen. Steinbruchbetreiber und Behörden sollten penibel darauf achten, dass der 300 m Sicherheitsbereich erhalten bleibt und nicht einseitig durch Baumaßnahmen beeinflusst wird. Bei unkalkulierbaren Risiken muss der Sprengbereich vergrößert werden. Gegebenenfalls sind auch zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, die Steinflug verhindern. Eine solche Maßnahme könnte z.B. sein, die Sprengstelle abzudecken. Bei einem frei lagernden 4 m hohen Knäpper auf der untersten Bruchsohle ist dies zwar unüblich und schwer zu realisieren. Wenn allerdings Steinflug die Existenz eines Betriebes gefährdet, können auch unübliche Maßnahmen sinnvoll sein.
Die Erkenntnis aus dem Unfall ist, dass bei länglichen Knäppern die Gesamtlademenge verteilt werden muss. Die einzelnen Teilladungen sollten nicht größer sein als die übliche Lademenge, welche bei kleinen Knäppern gut beherrscht wird. Es ist bekannt, dass es bei Zehensprengungen oder Knäppersprengungen mit Großbohrlochpatronen schon öfters zu Steinflug kam. Wenn ein Sprengberechtigter ein sicheres Sprengverfahren ändert, sollte er sich nicht scheuen, vorher den Rat eines Sprengingenieurs einzuholen.
Dipl.-Ing. Georg Lenz, StBG


Der Sprengort: Der Knäpper wurde vollständig zerlegt
Der Sprengort: Der Knäpper wurde vollständig zerlegt


Durch das Dach schlug der Steinbrocken in die Porzellanfabrik ein
Durch das Dach schlug der
Steinbrocken in die Porzellanfabrik ein




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