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Gesundheitsbericht für die Baustoff-Industrie: Eine Basis für aktiven Gesundheitsschutz

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft geht neue Wege in der Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen.

Prävention in voller Aktion. Nicht allein Arbeitsunfälle sind die Ursache für Ausfallzeiten der Mitarbeiter in den Betrieben der Baustoffindustrie. Gerade auch berufsbedingte Erkrankungen und arbeitsbedingte Gesundheitsgefährdungen, die immer mehr ins Zentrum präventiven Handelns rücken, sorgen für Fehlzeiten der Mitarbeiter. Um Unfälle und Erkrankungen effektiv und gezielt zu verhüten, ist es entscheidend, Ursachen und Schwerpunkte aufzudecken.
Dazu leistet der Gesundheitsbericht "Ist die Branche gesund?", den die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, gesetzliche Unfallversicherung für 150 000 Arbeitnehmer in der Baustoffbranche, jetzt herausgegeben hat, einen bedeutenden Beitrag. Seine Ergebnisse dienen als Grundlage für die systematische Bekämpfung von Unfällen und Erkrankungen.
Entscheidend dabei ist, dass sich die Auswertung nicht allein auf die Arbeitsunfallmeldungen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft stützt. Vor allem durch die Zusammenarbeit mit den Bundesverbänden der Allgemeinen Ortskrankenkassen und der Betriebskrankenkassen kamen wesentliche Fakten zu den krankheitsbedingten Arbeitsausfällen in der Baustoffindustrie hinzu.



Zusammenhänge klar dargestellt

Der Bericht geht speziell auf Zusammenhänge zwischen krankheits- und unfallbedingten Arbeitsausfällen und der Altersstruktur der Mitarbeiter sowie Branchenart bzw. Berufsgruppe ein, und schafft somit eine Ausgangsbasis für systematische Präventionsmaßnahmen.
Zu den wesentlichen gemeinsamen Belastungen und berufsspezifischen arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen innerhalb der Baustoffindustrie gehören unter anderem der Umgang mit feuchtem Zement, Lärm- und Feinstaub und Belastungen der Wirbelsäule durch Heben, Tragen und Zwangshaltungen. Nicht selten resultieren daraus allergische Hauterkrankungen, eine dauerhafte Lärmschwerhörigkeit, Silikose oder chronische Rückenschmerzen.
Aufschlussreich ist die Betrachtung der einzelnen Arbeitsplatztypen, das heißt, eine Aufgliederung nach ähnlichen Arbeitsbedingungen und Tätigkeiten, wobei der Beruf des Beschäftigten und der Gewerbezweig berücksichtigt werden. Vergleicht man die Arbeitsausfälle und Erkrankungsarten der Arbeitsplatztypen, lassen sich deutliche Unterschiede erkennen, die beim Vergleich der Wirtschaftszweige nicht deutlich werden. Die Art der ausgeübten Tätigkeit nimmt großen Einfluss auf krankheitsbedingte Fehlzeiten. An der traurigen Spitze der Krankenstandszahlen liegen die angelernten Mitarbeiter in Recyclingbetrieben.



Im Alter zeigt sich der Verschleiß

Zum einen lassen sich aus diesen Vergleichen wichtige Erkenntnisse über die Art der Arbeitsunfähigkeit ableiten. Aber auch das Alter spielt dabei eine Rolle. Jüngere Mitarbeiter erkranken in der Regel zwar häufiger, jedoch nur für kurze Dauer. Ursache sind beispielsweise Verletzungen, Vergiftungen oder Erkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane. Ältere Mitarbeiter hingegen fallen seltener, aber dafür längerfristig z. B. infolge von Verschleißerkrankungen aus. Der Gesundheitsbericht zeigt auf, dass unter den älteren Mitarbeitern Muskel-Skelett- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu anderen Branchen stärker verbreitet sind. Diese Krankheiten werden häufig durch jahrelange Belastung verursacht und neigen dazu, sich kontinuierlich zu verschlechtern sowie bleibende Schäden zu verursachen.
Eines ist deutlich: Immer häufiger sind psychische Belastungen Ursache für diese Erkrankungen. Sie gehen vom Arbeitsumfeld oder der wirtschaftlichen Entwicklung der Branche aus. Nicht selten spiegelt sich die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes in den Fehlzeiten der Mitarbeiter wieder. Ebenso haben Arbeitsverdichtung, enge Zeitvorgaben, Unter- oder Überforderung und ständig wechselnde Bedingungen und Arbeitsweisen deutliche Auswirkungen auf den Krankenstand der Branche.

Arbeit mit dem Winkelschleider
Lärm- und Staubexposition können zu
schwerwiegenden Erkrankungen führen,
darum wendet sich die StBG verstärkt der
Bekämpfung dieser Gesundheitsgefahren zu


"Da ältere Arbeitnehmer länger arbeitsunfähig sind, wenn es erst einmal zu einer Erkrankung gekommen ist, nimmt die Vorbeugung gerade vor dem Hintergrund der aktuellen demographischen Entwicklung in alternden Belegschaften einen immer höheren Stellenwert ein," erläutert Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, Leiter des Geschäftsbereichs Prävention bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft.



Präventionsvorschläge der StBG

Der Bericht enthält auf die einzelnen Arbeitsplatztypen abgestimmte Vorschläge zur Prävention, die sich in den Rahmen der bereits existierenden Präventionskampagnen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft einfügen, um arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu vermeiden oder zumindest einzuschränken. Zur Prävention von Rücken- und Gelenkerkrankungen werden beispielsweise neben einer ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze und Trainings zum gesundheitsgerechten Heben und Tragen sportliche Aktivitäten zur physischen Stärkung, technische Hilfsmittel und Stressbewältigungstrainings empfohlen. Speziell für ältere Beschäftigte, deren Anteil in der Baustoffindustrie hoch ist, sind besondere Präventionsmaßnahmen notwendig, die eine dem Alterungsprozess gerechte Personalpolitik sowie frühzeitig einsetzende gesundheitsfördernde Maßnahmen einschließen, um beispielsweise Verschleißerkrankungen vorzubeugen.
"Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hat sich diesen Problemen bereits durch die Entwicklung eines strategischen Konzepts zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren angenommen, Präventionsmaßnahmen eingeleitet und wird dies in der Zukunft weiter systematisch intensivieren. Der vorgelegte Gesundheitsbericht bildet dafür eine wichtige Basis," erklärte Dipl.-Ing. Helmut Ehnes.
Der Bericht zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren bietet durch die Auswertung der Daten über Arbeitsausfälle eine solide Basis für aktiven Gesundheitsschutz und hilft somit nicht nur Kosten einzusparen und die Leistungen der Mitarbeiter zu steigern. Durch die Umsetzung der Erkenntnisse und Vorschläge dieser Studie kann außerdem ein positiveres Klima am Arbeitsplatz geschaffen werden. Sie kann unter der Telefaxnummer (05 11) 72 57 - 790 von Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und anderen Interessenten angefordert und kostenlos bezogen werden.

Dipl.-Psych. Nicole Jansen, StBG


Diagramm
Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 beschäftigte Mitglieder nach Diagnosen und Altersgruppen




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