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[Die Industrie der Steine + Erden]






Das "Steine + Erden"-Interview: Neue Angebote in der "Erste Hilfe"-Ausbildung

Durch die Inkraftsetzung der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) ist die bisherige UVV "Erste Hilfe" aufgehoben worden. Die natürlich weiterhin wichtigen und notwendigen Vorschriften zur Ersten Hilfe sind jetzt im Abschnitt 3 der BGV A1 niedergelegt.
Damit neben den bewährten Hilfsorganisationen auch andere qualifizierte Anbieter in der betrieblichen "Ersten Hilfe"-Aus- und Weiterbildung tätig werden können, wurde eine Qualitätssicherungsstelle "Erste Hilfe" der Berufsgenossenschaften ins Leben gerufen. Sie beurteilt den Lehrbetrieb und bereitet die Ermächtigung neuer Anbieter für die einzelnen Berufsgenossenschaften vor. Nur durch die Berufsgenossenschaft ermächtigte Anbieter dürfen die betriebliche "Erste Hilfe"-Aus- und Weiterbildung durchführen. Die bisher tätigen Anbieter, wie das DRK, der ASB, die JUH, die Malteser und die DLRG, dürfen natürlich weiterhin tätig sein. Bis zum 31. Dezember 2008 gelten sie als ermächtigte Stellen.
Einzelheiten zur Organisation und Durchführung der Ersten Hilfe wird die neue Berufsgenossenschaftliche Regel "Erste Hilfe"(BGR A 1.3) enthalten. Ein neues Handbuch zur Ersten Hilfe (BGI 829) ist in Kürze erhältlich und enthält alle neueren Erkenntnisse, die von den internationalen Fachgremien herausgegeben wurden.
Dabei muss immer wieder daran erinnert werden, dass in ausreichendem Maße Ersthelfer mit einem aktuellen Ausbildungsstand im Betrieb zur Verfügung stehen. Diese müssen in Zeitabständen von zwei Jahren fortgebildet werden.
Zu Neuerung in der Ersten Hilfe befragte "Die Industrie der Steine + Erden" Stefan Osche, Referent für Erste Hilfe beim DRK Generalsekretariat und Mitglied im Fachausschuß Erste Hilfe beim Hauptverband der gewerbliche Berufsgenossenschaft.

S+E: Herr Osche sie sind als Lehrkraft für die Rettungsdienstausbildung täglich mit der aktuellen Entwicklung in der "Erste Hilfe"-Ausbildung befasst. Wie sehen heutzutage die Ausbildungsinhalte aus, wird immer noch so viel geübt, Verbände richtig anzulegen?
Osche: Nein natürlich nicht, wir haben unsere Lehrgangsinhalte 2001 komplett überarbeitet. In Abstimmung mit anderen Hilfsorganisationen repräsentiert unser Konzept die aktuellen internationalen Richtlinien in der Ersten Hilfe. So werden die Inhalte im Kurs gemeinsam mit den Teilnehmern praxisgerecht erarbeitet, Frontalunterricht soll möglichst vermieden werden. Inhaltlich hat es Vereinfachungen und Präzisierungen gegeben. So wurde der Notruf im Rahmen der Rettungskette in die Sofortmaßnahmen integriert, die "Zwei-Helfer-Methode" bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung vereinfacht und die Pulskontrolle aus der Laienhilfe herausgenommen.

S+E: Welche Erfahrungen liegen mit der Umsetzung in die Praxis vor?
Osche: Wir haben mit hohem Aufwand unsere gesamten Lehrgangsunterlagen erneuert und unsere auch ehrenamtlich tätigen Ausbilder geschult. Erfreulicherweise kommt die neue Art der Schulung bei den Teilnehmern gut an.

S+E: Wie reagieren Sie auf die neuen Anbieter in der Ersthelfer-Ausbildung?
Osche: Aufgrund unserer Erfahrung und unserem Qualitätsanspruch in der Ersthelferschulung sehen wir die Entwicklung sehr gelassen, zumal wir mit neuen Angeboten, wie der Ersthelfer-Ausbildung in Schulen auch andere Interessenten erreichen.

S+E: Ein neues Hilfsmittel in der Ersten Hilfe durch Laien ist der Einsatz sogenannter halbautomatischer Defibrillatoren, ist hier die Schulung für die Anwender dieser eigentlich leicht zu bedienenden Geräte mit acht Stunden und Auffrischungskurse nach zwölf Monaten mit vier Stunden nicht ein Hemmnis für die weitere Verbreitung der Geräte?
Osche: Hier kann ich ihnen eine ganz aktuelle Information aus der Bundesarbeitsgemeinschaft "Erste Hilfe" mitteilen: Je nach Vorkenntnis wird die Einweisung in den Gebrauch der Geräte bis auf zwei Stunden reduziert. Eine auch mit der Bundesärztekammer abgestimmte Empfehlung wird sicherlich in Kürze erwartet. Zudem wird die Handhabung der Geräte geändert, da in der Ersthelferschulung die Pulskontrolle weggefallen ist, haben die Gerätehersteller diesen Schritt auch beim Einsatz des halbautomatischen Defibrillators nachvollzogen.

S+E: Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch mit Herrn Osche führte Klaus Schlingplässer, Arbeitsmediziner der StBG


Stefan Osche, Referent für Erste Hilfe beim DRK Generalsekretariat
Stefan Osche, Referent für
Erste Hilfe beim DRK Generalsekretariat




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