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[Die Industrie der Steine + Erden]






Von Natursteinplatten erschlagen

In der natursteinverarbeitenden Industrie werden Fensterbänke, Bodenbeläge und Treppenbeläge aus Unmaßtafeln gefertigt. Diese Tafeln sind 2 oder 3 cm dick. Sie haben eine Länge bis 3 m und eine Breite bis 1,80 m. Eine 2 cm dicke Unmaßtafel hat ein Gewicht von ca. 300 kg.
Die Unmaßtafeln werden im allgemeinen in A-Böcken gelagert. Hierbei haben die Platten eine Neigung von 5 bis 100°. In der Vergangenheit geschahen häufig Unfälle beim Entnehmen einzelner Platten aus der Mitte des Stapels. Hierbei wurden die davor stehenden Platten von Hand festgehaIten um die dahinterstehende Platte mit einem Gabelstapler mit Greifer entnehmen zu können. Wenn die von Hand gehaltene Platte zu sehr in Schräglage geriet und in die falsche Richtung kippte, wurde der Helfer nicht selten von der Platte verletzt.
Zur Vermeidung dieser gefährlichen Arbeitsweise kann man A-Bocklager mit Hilfsstützen oder auch steckbaren Rungen ausrüsten. Hier werden die Platten, die sonst von einer Hilfskraft gehalten werden, durch die Stützen gehalten. Diese Stützen sind aber nur begrenzt belastbar und können, wenn zu viele Platten dagegen gelehnt werden, überlastet werden. So auch im vorliegenden Fall.
Am Unfalltag wollten der Meister und eine Hilfskraft eine Unmaßtafel aus dem A-Bocklager herausnehmen. Diese Tafel befand sich an siebter Stelle. Um die Tafel herausnehmen zu können wurden sechs Platten gegen die Stützen gestellt. Während der Meister den Gabelstapler holte, stand der Helfer zwischen den A-Böcken. In diesem Augenblick kippten die an den Rungen gelegenen Platten um und der Helfer wurde zwischen den Platten zerquetscht.
Der Unfall ist darauf zurückzuführen, dass die Rungen infolge der großen Belastung der unteren Bohrung des Kantenprofiles herausrutschten, da die Rungen nur ca. 7 cm tief eingesteckt werden konnten.

Dipl.-Ing. Clemens Schütte


Wie sind ähnliche Unfälle zu vermeiden?
  • Für Lagereinrichtungen, auch für A-Bocklager, muss eine Statik erstellt werden, um die Tragfähigkeit rechnerisch nachzuweisen.
  • Die Steck-Rungen und auch die Befestigung von Hilfsstützen müssen konstruktiv so ausgebildet sein, dass Fehler sicher vermieden werden (Einstecktiefe).
  • An den Lagereinrichtungen müssen Angaben angebracht werden, aus denen die maximal zulässige Belastung hervorgeht. Bei A-Bocklagern ist eine Angabe in Materialstärke sinnvoll.
  • Zur Information der Beschäftigten muss eine Betriebsanweisung erstellt werden.
  • Die Beschäftigten müssen regelmäßig - mindestens aber ein Mal pro Jahr - unterwiesen werden.
Die Unfallstelle Die Bohrung, die die Runge halten sollte, ist nur 7 cm tief
Die Unfallstelle Die Bohrung, die die Runge
halten sollte, ist nur 7 cm tief




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